Trümmer: Vom ersten Lebenszeichen bis zum Debütalbum

Am 22. August erscheint das Debütalbum der Band Trümmer aus Hamburg. Um es vorwegzunehmen: Das Album ist ein Meilenstein in der großartigen Entwicklung von Paul Pötsch, Tammo Kasper und Maximilian Fenski. In den nächsten Zeilen steht, wie ich (Torben) auf die Band aufmerksam geworden bin und was sich in den letzten anderthalb Jahren bei der Band getan hat.

Wenn ich mittlerweile meine iTunes Playlist durchforste und das Jahr 2012 auswähle, taucht sehr weit oben ein Song namens „Macht“ auf. Etwas länger als vier Minuten kann man darauf Gitarren hören, die etwas „rough“ klingen, auch die Gesangsaufnahme hat Ecken und Kanten. Dass es der Song aber überhaupt dorthin geschafft hat, ist einem Zufall geschuldet: Die Spex hat in einem Artikel eine Band namens Trümmer erwähnt, von der sich im Internet aber nahezu nichts finden ließ. Weder eine Website oder eine Facebook-Page konnten Aufschluss über die Band geben, bis irgendwann im Januar oder Februar 2013 auf der Homepage von Landstreicher Booking ein kleiner Pressetext auftauchte. Dazu konnten man einen Youtube-Player mit dem Song „In All Diesen Nächten“ finden. Etwas unscheinbarer war da aber auch ein kleiner Link, von dem ich bis heute nicht weiß, ob er dort so gewollt war. Kurz gesagt: Der Link führte zu Soundcloud, dort konnte man „Macht“ herunterladen. Der Song ist ein Relikt der allerersten Konzerte von Trümmer, die man zusammen mit der ebenfalls aus Hamburg stammenden Band Zucker spielte. Auf 100 Stück limitiert erschien kurze Zeit später die Split-Kassette „Es Passiert Immer Irgendetwas“, auf der man sich man sich neben „Macht“ auch „Anything Goes“ anhören kann.

Trümmer-MsDockville2013-c-NicoleFreier

2013 geht es für Trümmer weiter steil bergauf: Hier und da schreiben erste Magazine und Zeitungen über die Band, auch die Auftritte werden mehr. Im Sommer geht es so auch zum MS Dockville Festival (Bild oben), wo ich die Band das erste Mal live erleben konnte. Nachmittags-Slots sind für viele Bands ein Grund nur halbherzig aufzutreten, anders sieht das hier bei Trümmer aus: Das Konzert ist Ausdruck purer Energie, man spürt dass die Band Großes vorhat. Zeilen wie das dann schon bekannte „In all diesen Nächten, sind wir nicht brav sondern schlimmer, und wir werden niemals alt, nein wir bleiben so für immer“ oder „Die Stadt zerfällt. Lethargie, Langeweile. Und du, du sagt kein Wort, du träumst nur von einem anderen Ort“ werden noch länger in meinem Kopf herumschwirren. Im September spielen Trümmer in Berlin bei der „Ich möchte Teil einer Jugendgefährdung sein“ Party von Landstreicher Booking, kurz nach ihrem Auftritt erzählt mir Paul, dass jetzt bald ein Album aufgenommen wird: „Wir fahren auf einen Bauernhof und machen das da“. Kurze Zeit später steht aber erstmal die erste richtige Veröffentlichung an: Im November 2013 erscheint die Doppelsingle „In All Diesen Nächten/Saboteur“. Beide Songs geben den bis dato bekannten Sound der Band sehr gut wieder: Große Texte unterlegt von Indie-Rock, der auch mal zum Punk abdriftet.

Wir machen einen Sprung: Trümmer spielen in der Zwischenzeit natürlich weiter Konzerte, aber noch viel wichtiger: Im Juli 2014 erscheint das erste Musikvideo. Und wie sollte es anders sein, ausgerechnet zum Song „Wo ist die Euphorie“, der sich so lange in meinem Kopf herumgetrieben hat. Ein Mädchen (gespielt von Emma Drogunov) taumelt im Video mit einer Platzwunde am Kopf durch das nächtliche Hamburg, daraus entsteht ein Trip voller Sehnsucht, Zerwürfnissen und Aufbegehren. In der Zwischenzeit konnte ich auch schon das selbstbetitelte Album hören: Teils sind die Songs schon von ihren Live-Versionen bekannt, trotzdem macht das Debütalbum alles richtig. Normalerweise liest man an dieser Stelle bei „Angehört“ eine Kleinigkeit über jeden Song, doch das ist beim Debütalbum von Trümmer überflüssig. Egal ob der Opener „Schutt Und Asche“, die romantisch angehauchten „1000. Kippe“ und „Papillon“ oder das ruhige Outro (wobei es viel mehr als das ist) „Morgensonne“: Trümmer liefern mit ihrem Album ein Werk mit einer Strahlkraft, die es so lange nicht im deutschsprachigen Indie-Pop gegeben hat. Der in Verbindung mit der Band lange Zeit durch den Raum geisternde Begriff der „Hamburger Schule“ sollte spätestens jetzt auch von den letzten abgelegt werden, denn Trümmer beschreiten ihre eigenen Wege. Sie treffen den Nerv einer Generation, sie starten eine Revolte. Und diese Revolte gibt es ab heute sogar schon im Prelistening.

Das Debütalbum von Trümmer gibt sich wechselhaft: Ruhig, rockig, punkig. Man will sich nicht entscheiden. Ein Album voller Indie-Hits, dass – sofern man auf Listen abfährt – bei den Alben des Jahres 2014 auf jeden Fall sehr weit oben landen wird. Ich bin mir sicher, dass dieses Album nur der erste große Meilenstein in der Entwicklung von Trümmer ist und da noch einiges kommen wird. Bis es soweit ist, hören wir jetzt erstmal das Album „TRÜMMER“ und schauen eine Folge WHAT I LOVE, in der Paul und Maximilian ihre Lieblingsmusik vorstellen!

ks-merch

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