Angehört: The Vile – „Pandemica“

Auf ihrem Debütalbum zeigt die Band aus Kassel mit großartigem Feingefühl, wie New Wave Post Punk im Jahr 2014 klingen kann.

Am 12. September haben The Vile ihr Debütalbum veröffentlicht, mit dem sie ein in Deutschland selten gespieltes Genre wieder zum Leben erwecken, den New Wave Post Punk. Die Band aus Kassel interpretiert diese Musik auf eine eigene Art und Weise und beweist dabei ein großartiges Feingefühl. Wir haben uns das Album “Pandemica” angehört:

Sascha Wiegand, Martin Bartscher, Lukas Eckhardt und Sascha Berger haben sich bereits im Jahr 2009 als The Vile zusammengefunden und ihr Debütalbum, das es ausschließlich auf limitierter 12″-Vinyl zu kaufen gibt, ohne ein Label im Rücken aufgenommen. Zuvor hat die Band schon eine EP veröffentlicht, auf der auch “City Kill“, der erste Song des neuen Albums zu finden ist. Mit vorantreibenden Gitarren und der Stimme von Sascha Wiegand gibt der Opener einen guten Eindruck davon, was in der nächsten halben Stunde passieren wird. Zeilen wie „Dissolve our lies in a life we share, we love our lies in the back of our heads. Do you believe in god?“ zeigen nur zu gut, worum es geht.

Daraus, dass große Bands wie Joy Division, The Cure oder The Chameleons zu ihren Einflüssen gehören, machen The Vile keinen Hehl, vielmehr orientieren sie sich genau an den getragenen Sounds aus dieser Ära. „White Horses“ weiß dabei vor Allem mit seinem Chorus „When you’re gone, and the vile is you, you’ll never return, you’ll see the light inside their eyes, this should be so divine“ zu überzeugen und vermittelt unterschwellig eine düstere Aufbruchsstimmung. „The Crypt“ nimmt das eingeschlagene Tempo zunächst wieder etwas heraus und zeigt mit einem Wechsel von getragenen Post-Punk-Sounds in ein eindrucksvolles Finale, wie die Musik der Band aus Kassel am besten funktioniert. Der folgende Titeltrack des Albums reiht sich in genau dieses Muster ein und lässt wie auch die restlichen Songs nicht vermuten, dass The Vile aus Deutschland kommen. Viel zu international klingt der Sound, an dem auch ein Dennis Lyxzén von INVSN seine Freude hätte. Dass The Vile auf ihrem Debütalbum derart gut klingen und auch einen ruhigeren Song wie „Solater“ in der gewohnten Manier umsetzen, ist dabei kein Wunder: Sascha Wiegand und Martin Bartscher haben lange Zeit zusammen in der Alternative-Rock Band „Bitune“ gespielt und letzterer hat mit all seiner Erfahrung dieses Album produziert.

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„Mystery of the Cross“ setz den ruhigeren Teil von „Pandemica“ noch etwas fort und wird kurze Zeit später von „Lucky One“ abgelöst, das durch fesselnde Vocals und variierenden Gitarrenklänge besticht. The Vile zeigen dazu mit dem mitreißenden „Tortur“, wie stilsicher Post-Punk im Jahr 2014 klingen kann und bewegen sich bewusst in einiger Entfernung zu poppigeren Bands wie den Editors oder Interpol. Ein paar Schritte in diese Richtung wären aber mit Sicherheit nicht verkehrt, denn auch „Black Rabbit“, der letzte Song auf  dem Debütalbum von The Vile ist leider kein echter Hit. Man kann aber jetzt schon vermuten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis so ein Song folgen wird. Das Limit der Band ist noch lange nicht erreicht und man darf auf noch Größeres hoffen, wenn sich irgendwann ein Label der Band annimmt.

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