Angehört: Adam Angst

Wir haben uns das Debütalbum von Adam Angst, dem neuen Projekt von Felix Schönfuss, angehört

Felix Schönfuss, seines Zeichens Sänger von Escapado und zuletzt Frontmann der hoffnungsvollen und faszinierenden Punk-Band Frau Potz, veröffentlicht am 20. Februar das Debütalbum seines neuen Projektes „Adam Angst„. Nachdem Frau Potz im Jahr 2013 eine Pause auf unbestimmte Zeit verkündeten, kehrt der Inbegriff der schlechten Laune in einer noch intensiveren Form zurück. Wie zuvor mischen sich verzerrte Gitarren mit kritischen Botschaften, doch Adam Angst haben den gesamten Sound des quasi-Vorgängerprojektes auf ein neues Level gehoben.

„Schluss jetzt hier mit Friede, Freude. Jetzt wird bezahlt, denn euer Jesus hat die Schnauze voll und hat Bock auf Gewalt.“

Adam Angst zeigen schon von der ersten Sekunde an, was sie antreibt: Hass. Egal wer oder was – hier bekommt jeder etwas ab. Die Band hat so einiges auf dem Herzen und vermittelt das klar und deutlich. Die im Album-Opener „Jesus Christus“ besungene Show auf ProSieben, bekommt vor dem Hintergrund, dass ein Auftritt bei Circus Halligalli abgelehnt wurde, eine ganz reale Bedeutung. Auch mit der der Vorab-Single „Ja, Ja Ich Weiß“ zeichnet Schönfuss ein treffsicheres Bild von der Realität und besingt die Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung. Thees Uhlmann würde beim Label Grand Hotel van Cleef gerne einen HipHop-Act signen, hat aber auch dem Punk von Adam Angst eine passende Heimat gegeben. Dieser Sound, begleitet von einigen elektronischen Effekten, findet im Song „Professoren“ seinen vorläufigen Höhepunkt, wird aber auch mit dem sperrigen „Lauft Um Euer Leben“ fortgeführt.

„Ich möchte jetzt am liebsten einfach auf den Tisch steigen, mir meine Hose runter ziehen und meinen Arsch zeigen“

Wer denkt, dass der Punk-Sound beim Debüt von Adam Angst auf die Dauer langweilt, wird mit „Was Der Teufel Sagt“ eines Besseren belehrt. Die überraschende Tango-Nummer ist einmal mehr eine gekonnt geschriebene, in sich geschlossene Geschichte, die mit einer passenden Spur Ironie versehen ist. Tango auf einer Punk-Rock Platte? Felix Schönfuss und Band schaffen diesen Spagat sehr gekonnt. Dazu sprechen Titel wie „Am Ende Geht Es Immer Nur Um Geld“ oder „Wochenende. Saufen. Geil.“ eine ganz eigene Sprache. Bis zu diesem Punkt haben sich Adam Angst mit einigen Hass-Themen beschäftigt, doch der Rundumschlag folgt mit dem intelligenten „Splitter von Granaten“. „Es ist das Jahr 2015 und die Welt spendet Applaus. Doch worum es gerade geht, wissen wir selbst nicht so genau. Denn was hat sich verändert in den letzten 5 Jahren? Also schauen wir uns die Scheiße doch mal an“, mit diesen Worten startet der Song und was folgt ist einerseits höchst sozialkritisch, andererseits einfach nur brilliant zusammengefasst. NSA, Lobbyismus, Russland, Ägypten oder ein scheiterndes NPD-Verbot sind nur ein paar Beispiele hierfür. Adam Angst bereiten mit jedem Song Freude und Wut zugleich und schaffen mit einer Kombination aus Felix‘ Stimme, einem großartigen Sound und spannenden Texten wohl eines der Punk-Alben des Jahres.

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