Levin Goes Lightly – „Neo Romantic“

Zwischen Wave-Pop und Krautrock avanciert der Musiker und Künstler Levin Stadler mit seinem zweiten Album zum spannendsten Emporkömmling der Stuttgarter Szene
Levin Goes Lightly (c) by Mehtap Avci

Levin Stadler ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Stuttgarter Kunst- und Musikszene mit ihrem Epizentrum am dortigen Nordbahnhof einiges zu bieten hat. Auf dem ehemaligen Bahngelände arbeiten bereits seit vielen Jahren Künstler, Musiker und Designer daran, ein kreatives Kulturangebot zu schaffen und zu erhalten – so eben auch der 25-jährige Levin Stadler. Als Levin Goes Lightly hat er gerade sein zweites Album „Neo Romantic“ bei Treibender Teppich Records veröffentlicht, einem kleinen Label auf dem auch Max Rieger von Die Nerven mit seinem Soloprojekt „All Diese Gewalt“ beheimatet ist. Wave-Pop trifft auf psychedelische Elemente, Sounds und Ästhetik bedienen sich gekonnt an bekannten Vertretern der 70er und 80er Jahre, wobei in erster Linie David Bowie, Ian Curtis und Suicide zu nennen sind. Dass dem Musiker mit seiner schillernden Kunstfigur aber keine schlechte Kopie dieser Ikonen, sondern vielmehr eine großartige Adaption dieser Einflüsse auf die heutige Zeit gelungen ist, zeigt sich bereits seit Längerem.

Schon von dem im Jahr 2013 erschienenen Debütalbum „Dizzy Height“ ging eine ebenso minimalistische wie melancholische Kraft aus, die nun in Songs wie „1989“ oder „Speedways“ ihre Vollendung findet. „Neo Romantic“ oszilliert zwischen rauen und flächigen Synths, die geschickt von Gitarren und einem stets antreibenden Drumcomputer unterstützt werden. In einem Radiointerview sprach Levin Stadler davon, dass er „große Hits“ schreiben wollte. Dies ist ihm in einem gewissen Rahmen sehr gut gelungen, denn auch Anton Newcombe (The Brian Jonestown Massacre) fand großen Gefallen an der Musik und veröffentlichte „Speedways“ als Single auf seinem Label „A Recordings“. Doch neben dieser Single entwickeln sich auf dem zweiten Album von Levin Goes Lightly in konstanter Regelmäßigkeit weitere Höhepunkte, wie zum Beispiel der Song „Perfume“, dem Mehtap Avci ihre Stimme lieh.

„I am drifting away“

Dass Mehtap Avci mit ihrer sanften Stimme auf diesem Album auftaucht, ist dabei kaum verwunderlich, denn die Künstlerin gehört ebenfalls zum kreativen Netzwerk des Kunstverein Wagenhalle. Zusätzlich arbeitet Levin Stadler auch mit anderen Stuttgarter Musikern zusammen, um beispielsweise bei Konzerten als Band auftreten zu können. So gehören auch Paul Schwarz (Gitarre), Thomas Zehnle (Bass, „Neo Romantic“ Album Mixing) und Die Nerven Frontmann Max Rieger (Schlagzeug) zu Levin Goes Lightly. Es ist unschwer zu erkennen dass Stuttgarts kreative Szene durch Musiker und Künstler wie Levin Stadler, Karies oder Die Nerven pulsiert. Neben letzterer Band kann Levin Goes Lightly mit seiner Mischung aus Lo-Fi Disco und Krautrock sicherlich als spannendster Emporkömmling gehandelt werden. Mit „Flowers“, dem Outro seines Albums, liefert er hierfür im Übrigen einen weiteren großartigen Beweis und um den Bogen zur eingangs erwähnten Ästhetik zu spannen, lohnt sich auch ein Blick auf den Song „Bouquet“: Dieser hieß im Vorfeld der Albumveröffentlichung „Drive“ und wurde zu diesem Zeitpunkt mit einem sehenswertes Video bedacht, in dem einmal mehr das optische Vorbild eines Ziggy Stardust zum Ausdruck kommt.

„Neo Romantic“ ist am 30. April 2015 als limitierte 12″ Vinyl bei Treibender Teppich Records erschienen.

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