Vorschau auf das MS DOCKVILLE Festival 2015

Das MS Dockville Festival in Hamburg geht in die neunte Runde und wartet wie jedes Jahr mit einem großartigen Line-Up auf seine Besucher. Vom 21. bis 23. August werden so auch eine Menge unbekanntere Künstler auftreten, von denen wir eine kleine Auswahl vorstellen.
© Pablo Heimplatz

Wieder einmal steht das MS Dockville Festival vor der Tür und lädt spannende Künstler und zahlreiche gutgekleidete Besucher in den Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg ein. Vom 21. bis 23. August werden auf der Elbinsel wieder eine bunte Mischung aus Indie-Acts und DJs auftreten, darunter zum Beispiel Interpol, Django Django, Sizarr oder Zugezogen Maskulin. Das komplette Line-Up sowie alle weiteren wichtigen Informationen zum Festival gibt es auf der MS Dockville Homepage. Natürlich stehen bei solch einem Festival oftmals die großen Acts im Vordergrund, doch wir wollen im Vorfeld einen Blick auf womöglich unbekanntere Künstler des Festivals werfen.

WOMAN

Die Band Woman aus Köln wurde uns bereits im letzten Jahr von Xul Zolar bei WHAT I LOVE empfohlen, hat aber auch schon anderweitig für Aufsehen gesorgt: Seit 2013 sind sie bei einem kleineren Publikum für ihre großartigen Liveshows bekannt und haben bis heute so gut wie nichts von sich preisgegeben, außer dass sie eben aus der Domstadt kommen. Dazu gab es lange Zeit bei Soundcloud nur den Track „Touch“ zu hören, der mit elektronischen Beats, flächigen Synthesizern und sanften Vocals schnell zu einem Ohrwurm avancierte. Mit ihrem zweiten Song „Psychedelic Lover“ wagte sich die Band dann in eine etwas andere Richtung vor: groovige Gitarren und soulige Vocals haben den poppigen Sound von „Touch“ hinter sich gelassen. Woman sind immer noch ein echter Geheimtipp und wissen sowohl mit ihren Konzerten als auch mit ihren beiden in Eigenregie aufgenommenen Songs absolut zu überzeugen. Sonntag 15:10 Uhr – Maschinenraum

https://soundcloud.com/womancologne/woman-touch-1

ROMANO

Romano sieht aus wie ein blonder Indianer namens Wladimir Putin, kommt aus dem Berliner Stadtteil Köpenick und macht Rap-Musik. Doch neben Sprechgesang fließen auch Metal und Schlager in seine Musik ein, sodass eine vielseitige Mischung entsteht, die einfach fasziniert. Wer bei all dem an eine Kunstfigur denkt, wird schnell enttäuscht: Romano ist – wie sagt man so schön – real. Sowohl die bereits veröffentlichten Singles „Metalkutte“ und „Brenn Die Bank Ab“, als auch vereinzelte Live-Auftritten haben schon gezeigt, wozu der Musiker im Stande ist. Als „schöner General“ verteilt er den ein oder anderen „Klaps auf den Po“ und und besingt hin und wieder auch die Liebesbeziehung von „Romano und Julia“. Das ganze wird übrigens ab dem 11. September auch auf Albumlänge zu hören sein, denn dann erscheint Romanos Debüt „Jenseits von Köpenick“ mit einer Mischung aus lokaler Verwurzelung und internationalen Beats aus dem Hause Siriusmo. Samstag, 23:30 Uhr – Maschinenraum

Pool

Die Hamburger Band Pool hat ereignisreiche Wochen und Monate hinter sich: Als Support von Django Django, Digitalism oder Gold Panda haben sie schon große Konzerte eröffnet und Ende April ist nach den EPs „Game Over“ (2012) und „Hold On“ (2014) ihr Debütalbum „Snacks & Supplies“ erschienen. Der Sound von David Stoltzenberg, Daniel Husten und Nils Hansen scheint dabei von ungebremster Leichtigkeit getragen zu sein und so präsentiert das Trio auf ihrem Debütalbum eingängige Songs, die ständig ihre Grenzen austesten und zwischen Disco-, Synth- und gitarrenlastigem Indie-Pop schwanken. Dass diese Mischung sehr gut funktioniert, zeigt sich nicht nur daran, dass in Folge ihrer Italien-Konzerte als Support von The 1975 ein „Pool Italia“ Fanclub entstanden ist. „Long Island Ice Tea“, „State Of Mind“ oder „Love Dyslexia“ leben von ihren Melodien und überraschen immer wieder mit spannenden Raffinessen. Besonders aber die aktuelle Single „Pink Pussy“ profitiert von solchen Raffinessen und so besingt die Band mit doppeldeutigen Textpassagen das weibliche Geschlechtsorgan.

„I heard you got a beautiful, I heard you’re keeping it from the world, I heard her moves ain’t too dull, I don’t know who told me but all in all. I can’t get this out of my mind, oh I’m too excited and Ican’t be free till I see, that you really have the world’s most beautiful.“ Freitag, 17:40 Uhr – Vorschot

GOLF

Deutschsprachige Popmusik erlebte in den letzten Monaten einen großartigen Entwicklungsschub: Wo Bilderbuch an vorderster Front kämpfen, haben auch andere Bands mit einem neuen und frischen Sound für Aufsehen gesorgt und ihren Platz gefunden. Zu diesen Bands gehören auch GOLF aus Köln. Am 6. März ist mit der „Ping Pong“ EP eine spannende Platte erschienen, auf der ausgewogener Gitarren- und Synth-Pop auf Funk-Wave-Anleihen trifft. Über all dem schwebt dabei eine ebenso beruhigende wie faszinierende Stimme. Bereits im Mai 2014 hat die Band mit dem Video zu “Geheimnis” ein erstes Ausrufezeichen gesetzt und einen kleinen Hype entfacht. Es folgten gefeierte Konzerte und ein außergewöhnlicher Single-Release zu „Dein Grün“ im Oktober 2014 (wir berichteten). Dass GOLF aber mit ihrer Musik ein wichtiger Bestandteil von (Indie-)Pop-Deutschland werden können, beweist auch ihre letzte Single: „Ping Pong“ schafft mit einer Kombination aus getragenen Sounds, rhythmischen Synths und einem catchy Refrain ein Gefühl von grenzenloser Leichtigkeit und Begeisterung. Das passende Video wurde wie schon „Geheimnis“ von Fabian Podeszwa produziert, der zum Beispiel auch für Oracles “Melt Tonight” oder Roosevelts “Montreal” verantwortlich war. Freitag, 15:20 Uhr – Vorschot

Dan Deacon

Seit mehr als zwölf Jahren steht Dan Deacon aus Baltimore für eine besonders einfallsreiche Form der elektronischen Musik. Zwischen elektronischer Konzeptoper und ausgedehnten Tourneen durch sein Heimatland hat Deacon seinen großartigen Einfallsreichtum auf bisher vier Soloalben zur Schau gestellt. Sein aktuelles Album „Gliss Riffer“ erschien im Februar. Schon der Opener „Feel The Lightning“ steht dabei sinnbildlich für die Freude des Musiker an seiner Arbeit: Über spannenden Beats steht – wie auch auf dem Rest des Albums – eine vermeintlich weibliche Stimme im Vordergrund. Vermeintlich, denn der Musiker hat sein Album im Gegensatz zu den Vorgängern „America“ und „Bromst“ selbst produziert und so auch alle Vocals eingesungen. Neben seinen Alben blüht Dan Deacon besonders bei seinen Live-Shows richtig auf: Sein unaufhaltsam vorantreibender Pop schafft eine besondere Stimmung, in der auch Zuschauer eine besondere Rolle einnehmen dürfen. Sonntag, 15:50 Uhr – Großschot

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