Angehört: Baio – „The Names“

Chris Baio ist Bassist von Vampire Weekend, arbeitet seit geraumer Zeit aber schon an seinem Soloprojekt. Jetzt erscheint mit "The Names" sein Debütalbum.

Als Bassist von Vampire Weekend gehört Baio zu einer Konstante des Indie-Rock. Schon mit seinen EPs „Sunburg“ aus dem Jahr 2012 und „Mira“ aus dem Jahr 2013 erlaubte er sich kurze Ausflüge aus dem gemütlichen Nest von Vampire Weekend. Nun kommt mit „The Names“ am 18. September auf Glassnote Records ein Album in die Plattenläden, das sich nicht immer auf der Indie-Konstante bewegt.

Auf „The Names“ lässt sich stilistisch kaum ein Faden finden und das im positivsten Sinne: Baio lässt sein Album nicht einfach in eine Schublade stecken. So finden sich fröhlicher Indie in den Gitarren und im Klavier von „Sister of Pearl“ oder elektronische Tanzmusik a la Caribou in „I Was Born in Manhatten“. Schon der Opener „Brainwash yyrr Face“ zeigt, was hier in den nächsten 40 Minuten passieren wird – komplexer Elektro-Pop mit Baios sanfter Stimme als Ruhepol zu einer aufgedrehten, in Snippets geschnittenen Frauenstimme.

Man könnte jetzt mit vielen Vergleichen zu tollen Künstlern und Alben um sich schmeißen, um zu erklären, was Baio dort alles in seinem Album vereint hat oder man lässt sich auf eine Reise mit einem Album ins Ungewisse ein. So durcheinander das alles anfangs klingen mag, Baio schafft es trotzdem einen klaren Wiedererkennungswert zu kreieren. In „The Names“ und „Needs“ verhilft Baio seiner Stimme auf eine unauffällige Art zu einem angenehm verzerrten Sound, der sich gut dem Indie-Elektro der beiden Songs anpasst.

Der wohl spannendste Song der Platte ist „I was born in Manhatten“. Das anfänglich chaotische Gefrickel bricht nach knapp zwei Minuten plötzlich ab, wie ein kleines Intermezzo fernab vom Songwriting. Die zweite Hälfte des Songs basiert dann auf einer leicht melancholischen Melodie, die sich schon im hektischen Anfang des Tracks befindet. So haut Baio uns selbst etwas übers Ohr und vermittelt in einem Konstrukt aus zwei Teilen das Gefühl, dass wir die Melodie doch schon irgendwoher kennen. Am Ende geht „I was born in Manhatten“ nahtlos in den nächsten Track „Needs“ über und vervollständigt die Entwicklung von leichter Melancholie zu einem locker-fröhlichen Indie-Song. Und so wie uns „Brainwash yyrr Face“ aufgeregt auf eine Reise geschickt hat, holen die letzten Songs der Platte „Endless Rhythm“ und „Scarlett“ uns sanft und beruhigend zurück.

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