Koenig im Interview: „Ich habe Spaß daran, alles zu vermischen“

Lukas König hat im vergangenen Herbst sein Soloprojekt "Koenig" ins Leben gerufen. Im Interview spricht der Österreicher über seinen Beitrag zum Bilderbuch-Album "Schick Schock", die gemeinsame Tour sowie über seine verschiedenen musikalischen Einflüsse.
Foto von Astrid Knie Photography

Dass Österreich viel mehr als nur umjubelte Künstler wie Bilderbuch und Wanda zu bieten hat, steht außer Frage. Viel dreht sich aber um die zwei großen Austro-Pop Bands und so steht auch der Musiker Lukas König in Verbindung zu Bilderbuch. Zwischen Jazz und HipHop tritt der Musiker in verschiedenen Konstellationen auf und testet zum Beispiel als „Koenig“ immer wieder musikalische Grenzen aus. Im letzten Jahr steuerte der 27-Jährige einen Rap-Part zum Song „Softdrink“ bei, seine erste Solo-EP erschien im Herbst.

Geboren in St. Pölten, stand für Lukas König schon sehr früh Musik im Mittelpunkt seines Lebens. Mit fünf Jahren begann er auf Anleitung seines Großvaters Schlagzeug zu spielen, Musikgymnasium sowie Studium an verschiedenen Universitäten und Konservatorium folgten. „Mit drei Jahren wollte ich Bauingenieur werden, weil mein Onkel diesen Beruf praktiziert hat. Ich komme aus einer Musikerfamilie und war von klein auf bei vielen Auftritten meines Vaters dabei. Deshalb war das für mich schon immer klar, beruflich etwas Musikalisches anzustreben.“ Dass Lukas König bei all dem aber sehr großes Talent mitbringt, beweist nicht zuletzt der Gewinn des Hans Koller Price, des Bremen Jazzpreis 2014 oder des Bawag P.S.K. Next Generation Award 2014.

Ich habe neben meiner musikalischen Tätigkeit in diversen Bands an Beats gebastelt, die ich letzten Herbst mal wieder ausgegraben habe

Während er in verschiedenen Bands wie Koenigleopold oder Kompost3 spielt, arbeitet Koenig in regelmäßigen Abständen auch an HipHop-Beats. Im letzten Herbst habe er diese Beats dann „mal wieder ausgegraben“ und für den österreichischen Film “Hotel Rock’n’Roll” (erscheint im Herbst) auch neue Songs aufgenommen. „In der Zwischenzeit haben mich Bilderbuch gefragt, ob ich als Support bei der Schick Schock Tour (Teil 2) dabei sein möchte. Das war dann der Ansporn, eine kleine EP aufzunehmen.“ Bei der gemeinsamen Tour mit Bilderbuch wird dann auch deutlich, was das Besondere an der Musik von Koenig ist: Dort sitzt ein Schlagzeuger alleine auf der Bühne, spielt auch noch Bass und rappt mit eigenwilligem Flow über avantgardistischen Beats. Über diese komplexe Live-Umsetzung seiner Musik sagt Koenig: „Die Rhythmusgruppenrolle hab ich bei Koenigleopold bereits eingenommen. Den Aspekt Rap einzubringen und live dazu zu performen war allerdings ein bisschen schwieriger.“

Ich hole mir Inspiration von überall, sei es klassische indische Musik, Gamelan, Gnawa Musik, Old School HipHop, Free Jazz, Techno oder Soul

Bei Songs wie „Nature’s Fonts“ oder „Upper Deck“ wird schnell deutlich, dass sich Koenig an verschiedensten Genres bedient. HipHop trifft auf Jazz und eigenwillige Soundlandschaften entstehen. Koenig möchte sich nicht auf ein Genre festlegen. „Ich habe Spaß daran, alles zu vermischen. Heutzutage müsste eh alles möglich sein: Die 60er, 70er, 80er, 90er Jahre waren so große stilprägende Jahrzehnte und jetzt kopieren wieder alle alles. Ich finde es gibt zu viel großartige Musik in der Avantgarde und modernen klassischen Musik, die nicht im 4/4 Takt Four on the Floor ist. Ich hole mir Inspiration von überall, sei es klassische Indische Musik, Gamelan, Gnawa Musik, Old School Hiphop, Free Jazz, Techno oder Soul.“ Für diesen offenen, genreübergreifenden Ansatz müsse er hin und wieder auch mal Kritik einstecken, so Koenig. Es herrsche viel Neid und jeder versuche etwas Neues mit seiner Musik zu erschaffen. „Dann kann es manchmal zu Fehlentscheidungen kommen, aber dann wird das ausdiskutiert und fertig.“

Neben seinem Namen „Koenig“ taucht Lukas Koenig auch immer wieder unter verschiedenen Pseudonymen auf. Bis zum Studium der Album-Credits ist zum Beispiel nicht klar, wer sich hinter den Rap-Parts von MC Bishop auf Bilderbuchs „Softdrink“ verbirgt. „Ich habe mit meinem Koenigleopold Kollegen Leo Riegler herausgefunden, dass viele Musiker (im Jazz oder auch im Rock’n’Roll, Pop oder Hiphop) gerne Namedropping betreiben. Bei amerikanischen Namen klingt alles immer gleich sehr eindrucksvoll.“  Beide hätten irgendwann einfach angefangen, sich mit ausgedachten Namen zu grüßen. „Dann hab ich eben ein paar gesammelt und bin darauf gekommen, dass es schon ein paar der Leute gibt, dann hab ich mich wieder auf eine neue Suche gemacht.“ Herausgekommen ist eine beachtliche Ansammlung von Pseudonymen, die man zum Beispiel auf Koenigs Bandcamp Seite einsehen kann.

Auf seine Verbindung zu Bilderbuch angesprochen, erklärt Koenig, dass man sich auf einem Festival in München kennengelernt habe. Er habe dort mit seiner Band Koenigleopold gespielt und im Anschluss an die Konzerte hätte man CD’s ausgetauscht. „Nach ein paar Monaten hat mich Maurice angerufen und gefragt, ob ich der eine Rapper auf dem Song “Holla Bitches” sein möchte.“ Als Koenig dies bejahte, eröffnete Maurice ihm auch die Idee, ein paar Youtube-Kommentare für den Mittelteil des Songs einzurappen. „Dann hab ich über den Outro Teil auch noch einen Text geschrieben, der es dann auch auf die Platte geschafft hat.“

Manchmal kommt es mir vor, als würden Bands einen weltberühmt in Österreich Stempel bekommen

Beeindruckend ist auch Koenigs Einstellung zum aktuellen Hype um österreichische Musik. Zunächst sehe er sich mit seinen englischen Texten und der Neon-Ästhetik nicht als Teil des „neuen Austro-Pops“. „Es ist ein bisschen absurd, dass sich alle an Wanda und Bilderbuch aufhängen. Es ist ein bisschen komplexer als diese Bands. Es gab viele Sachen schon immer (Falco, Kruder & Dorfmeister, Attwenger, Drahdiwaberl usw.) und dann gibt es neue Sachen, die einen Hype haben. Ich hasse Wanda aber ich mag Bilderbuch.“ Generell empfindet er das Ganze aber eher als komische Debatte. Österreich stelle sich bei so etwas oft selbst ein Bein. „Manchmal kommt es mir, vor als würden Bands einen weltberühmt in Österreich Stempel bekommen. Und dann geht man einen Schritt über die Grenze und niemand kennt sie mehr.“ Was allerdings der ausschlaggebende Punkt dafür ist, dass einige Bands in Deutschland so beliebt sind, ist für Koenig unklar. „Vielleicht der Schmäh”, sagt er.

Für Koenig sei es jedenfalls schön gewesen, etwas vom Bilderbuch-Hype mitnehmen und während der Tour für drei Wochen ein Leben eines Popstars genießen zu können. „Jetzt bin ich wieder daheim und bastel weiter an meiner Musik. Ich möchte im Herbst ein Album rausbringen. Es gibt einen Gig in Amerika und diverse Konzerte in Österreich. Ich möchte mein Soloprojekt auf alle Fälle weiterentwickeln und herumprobieren, was mit meinem Instrumentarium noch alles möglich ist.“

 

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