Zufall als kreatives Konzept: Peter Broderick veröffentlicht sein Album „Partners“

Der in Berlin lebende Komponist, Musiker und Produzent Peter Broderick hat einen Würfel mit ins Studio genommen und den Zufall in seine Arbeit einfließen lassen. Sein neues Album "Partners" ist bei Erased Tapes Records erschienen.
Foto von Joshua Rain

Wie unermüdlich der US-amerikanische Komponist und Multiinstrumentalist Peter Broderick sich verschiedenen Projekten widmet, merkt jeder, der auf seinen Werdegang zurückblickt: Ganz am Anfang arbeitete er als Sessionmusiker in Portland, u. a. mit M. Ward. Dann unterstützte er die Dänen Efterklang immer wieder auf Tour und im Studio. Er veröffentlichte solo mehrere Alben, oft Piano-getragen, die moderne Kompositionsansätze, – je nach Schaffensphase – mit Elementen aus Folk, Jazz, Pop oder HipHop vermischen. Hinzu kamen Kunstinstallationen und Filmmusik. Hinter seiner neuen Platte „Partners“, die gerade über Erased Tapes erschienen ist, steckt erneut ein ambitioniertes Konzept.

Fasziniert von John Cages Herangehensweise, Distanz und Zufall in seine Werke mit einfließen zu lassen, verbeugt er sich zunächst vor dem großen modernen Komponisten. Seine Interpretation von Cages „In A Landscape“ verbreitet eine tiefe Ruhe, die an die Stimmung auf Brodericks älterer Platte „Float“ erinnert und so seine eigene Note erhält. Dem Stück stellt er etwas kryptische Worte als Titeltrack „Partners“ voran, die er ganz dem Zufallsprinzip folgend auswählte: „Als es an der Zeit war im Studio aufzunehmen, warf ich zwei Würfel, um zu entscheiden, wie viele Gedichte ich lesen würde. Ich warf eine Fünf. Dann ordnete ich jedem Gedicht eine Nummer zu uns ließ noch einmal die Würfel rollen, um zu sehen, welche der fünf Gedichte ich lesen würde und in welcher Reihenfolge.“ Für „Under The Bridge“ münzte er das Verfahren auf die Komposition an sich um, indem er Noten Nummern zuwies und deren Reihenfolge auswürfelte.

Außerdem beschloß Peter Broderick „Partners“ einzuspielen, ohne sich im Anschluss die Aufnahmen anzuhören oder am Mastering, das Tucker Martine übernahm, mitzuwirken. Dort fiel beispielsweise, wie er im Nachhinein erfährt, die Entscheidung den letzten Song „Sometimes“, ein Cover von Brigid Mae Power, mit einem Fehlversuch Brodericks beginnen zu lassen. Nach Sekunden unterbricht eine kurze Unterhaltung die Piano-Klänge, bevor der Musiker im neuen Anlauf das Album mit der ruhigen Popnummer und sanftem Gesang ausklingen lässt. Auch wenn es in den anderen Stücken nicht so deutlich sein mag wie in „Sometimes“, ist es diese Unmittelbarkeit die „Partners“ zu einem seiner besten Alben macht.

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