„Vor allem geht es um Wiederholung“ – Eindrücke vom Copenhagen Psych Fest

Im Juli 2016 fand die dritte Ausgabe des Copenhagen Psych Fest statt. Nachdem die letzten beiden Male in kleineren Venues gespielt wurde, stand in diesen Sommer der Freistaat Christiania für vier Tage im Bann der Psych Rock Community. Wir waren dabei, haben Fotos gemacht und uns mit Thea Gregersen, einer der beiden VeranstalterInnen, unterhalten.
ADAMA, Foto von Thore Langholz

Gelegentlich mangelt es Kopenhagen an Möglichkeiten, den Facettenreichtum des auch hierzulande immer populärer werdenden Psych Rock zu präsentieren, doch seit nunmehr drei Jahren wird die Stadt im Spätsommer zum Mekka aller Jünger dieses Genres. Gerade aus Skandinavien und Deutschland reisen viele der Fans zum Copenhagen Psych Fest. Auch das Line-Up präsentierte sich im Jahr 2016 mit einer großen Anzahl nordischer Bands, wie zum Beispiel Spids Nøgenhat oder Red Lama, doch mit Moon Duo und Black Mountain fanden sich auch US-amerikanische, beziehungsweise kanadische Künstler auf den Schwarz-Weißen Plakaten, die überall in der Stadt zu sehen waren.

Das Festival sollte größer werden„, verrät mir Thea. Auch deshalb habe man dieses Mal Christiania als Austragungsort gewählt. Mit wachsendem Line-Up und mehr Gästen sei im Huset KBH einfach nicht mehr genug Platz gewesen. Während Christiania vielen wegen des liberalen Umgangs mit Marijuhana bekannt ist, sind die im Freistaat beherbergten und mit viel Liebe fürs Detail gestalteten Musikvenues außerhalb der dänischen Hauptstadt nur wenigen bekannt. Die neuen Möglichkeiten und der damit verbundene Raumgewinn hätten aber auch seine Schwierigkeiten in der Planungsphase mit sich gebracht. „Alle Venues sind anders verwaltet. Manche antworten sehr schnell und bei anderen muss man etwas mehr hinterher sein, bevor man eine Rückmeldung bekommt. Daraus kann man nur für das nächste Jahr lernen, wo man vielleicht etwas mehr Zeit einplanen muss„, erzählt Thea. Auch die Möglichkeit, dass sich keine wirkliche Festivalgemeinschaft bilden würde, da Christiania nicht exklusiv für Besucher des CPF geöffnet war, wurde vorher diskutiert. „Letztendlich hat aber alles gut funktioniert. Vor der Grå Hal (einer der Spielstätten) haben sich die Leute einfach auf die Wiese gesetzt und Bier getrunken. So ist quasi ein natürlicher Treffpunkt entstanden und damit auch das Gefühl von Gemeinschaft.“ Und genau das sei es, worum es den Veranstaltern geht. Das CPF solle zu einem festen Bestandteil der Szene werden und auch neuen Leuten Einblick geben. „In der Kopenhagener Psych Rock Szene gibt es vielleicht 100 Leute, die den ganz harten Kern bilden, die du echt auf jedem Konzert siehst, […] daneben gibt es noch eine ganze Menge, die vielleicht mehr auf Surf-, Proto- oder Garage Rock stehen, die man dann ab und zu auch trifft.“ Auch deshalb biete das CPF so eine Vielzahl von Subgenres, sei es nun Krautrock oder Shoegaze.

Spids Nøgenhat, Foto von Thore Langholz
Spids Nøgenhat, Foto von Thore Langholz
Black Lizard, Foto von Thore Langholz
Black Lizard, Foto von Thore Langholz

Immer wieder zieht sich im Gespräch mit Thea der Kreis im Fokuspunkt einer Gemeinschaft zusammen. Darauf läuft alles hinaus, dort positioniert sich das CPF. Doch während sich das Festival als Treffpunkt sieht, spielen in den Augen von Thea auch oder gerade die Bands und Fans eine wichtige Rolle für das Gemeinschaftsgefühl. „Die meisten unserer Bands sind auf dem Boden geblieben. Da gibt es keinerlei Rockstar Allüren. Sie freuen sich Teil des Ganzen zu sein und haben so viel Spaß dabei bei anderen Bands zum Zuschauer zu werden.“ Auch zwischen Künstlern und Publikum bestehe kaum Distanz. Nach den Konzerten würden sich Zuschauer mit den Musikern über den Gig und welche Band man sich als nächstes angucken sollte unterhalten. Das gesamte Festival wirkt sehr offen und unprätentiös; die immer wieder so stark hervorgehobene Gemeinschaft ist deutlich, aber nicht aufdringlich spürbar.

Sie sind bereit für anspruchsvolle Musik, die sie in ihre Welt zieht

Das CPF läuft nun seit drei Jahren erfolgreich und schon jetzt sind ein Drittel der Gäste aus dem Ausland angereist. Obwohl es sich um ein Clubfestival ohne die Möglichkeit zu Campen handelt, war das aber bisher noch nie ein Problem. „Irgendwie finden die Besucher immer einen Schlafplatz. Hostel oder airbnb, aber irgendwie scheint auch jeder irgendwen in Kopenhagen zu kennen. Für die meisten ist der Besuch auch eine Art Urlaub.“ Städtetrip mit eigenem Soundtrack also. Dieser Zustrom von Besuchern spricht deutlich für den Bedarf an einem solchem Festival. „Vor zehn Jahren hätte das Ganze so wahrscheinlich nicht geklappt„, erzählt Thea, „Damals war Indie Rock gerade im Kommen. […] Darauf haben die Leute einfach keine Lust mehr. Sie wollen keine drei Minuten Songs mit klar definiertem Build Up und einem eindeutigem Finale. Sie sind bereit für anspruchsvolle Musik, die sie in ihre Welt zieht. Und vor allem geht es um Wiederholung!“ Die Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung… Bis man sich komplett im Soundscape der Musik befindet, sich auflöst und nach einem Konzert, wie aus einem Traum gerissen, vor der Bühne steht.

Suns of Thyme, Foto von Thore Langholz
Suns of Thyme, Foto von Thore Langholz

Mehr Fotos vom Copenhagen Psych Fest:

Fotos: So war es beim Copenhagen Psych Fest 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.