Pianoklänge und verwaschene Elektronik: Douglas Dare veröffentlicht sein zweites Album „Aforger“

Auf seiner neuen Platte, die am 14. Oktober erschienen ist, hinterfragt der britische Songwriter Douglas Dare Realität und Identität in ebenso schmerzlichen wie experimentellen Popsongs.
Foto von Özge Cöne

Die künstlerische Entwicklung von Douglas Dare prägte von klein auf vor allem das Piano: Seine Mutter, eine Klavierlehrerin, brachte ihm an diesem Instrument in jungen Jahren klassische Werke bei. Bald begann er, selbst am Klavier zu komponieren, während er sich mit Songwriting erst im Musikstudium in Liverpool beschäftigte. Die minimalistischen, Piano-bestimmten Melodien, die daraus entstanden, gepaart mit Dares fragiler Stimme führten 2013 dazu, dass Erased Tapes ihn unter Vertrag nahm. Und dazu, dass Kritiker sein Debüt „Whelm“ ein Jahr später wohlwollend aufnehmen – und gerne Vergleiche zu James Blake ziehen.

Weil Douglas Dare für den Nachfolger „Aforger“ nach einem anderen Klang suchte, überlegte er, komplett auf sein „Markenzeichen“, das Piano, zu verzichten. Die Erwägungen setzte er schlussendlich zwar nicht in die Tat um – im Zentrum stehen Pianoklänge auf „Aforger“ aber nicht mehr allein. Verwaschene Elektronik („Binary“), kühle Percussions („Greenhouse“), orchestrale Ausbrüche („New York“) oder bedrückende Bläser („Stranger“) fließen in Dares düstere Pop-Balladen ein und zeichnen die Umrisse seiner zerfallenden Welt.

Denn die Zeit zwischen Debüt und „Aforger“ konfrontierte den Briten mit schweren Entscheidungen, Enttäuschungen und Herausforderungen: Zum einen outete er sich gegenüber seinem Vater, zum anderen zerbrach eine langjährige Beziehung daran, dass sein Partner laut Dare ein Doppelleben führte. Diese Erfahrungen veranlassten ihn dazu, seine Realität und Identität in Frage zu stellen. Hinter Konzepten aus George Orwells Roman „1984“ erkannte der Musiker ähnliche Gedankengänge: Der Titel „Doublethink“ stammt aus dem Orwellschen Neusprech und bezeichnet dort die Möglichkeit, Tatsachen zu verdrängen, solange es möglich ist, und Lügen darüber als neue Realität anzunehmen. In „New York“ lässt er auf diese Weise eine Reise mit seinem Ex-Partner Revue passieren, während er sich bei jeder Erinnerung wundert, ob sie echt oder eine Fälschung sei.

Als weitere Inspirationsquelle nennt Douglas Dare außerdem Björks „Vulnicura“, das ihn dazu ermutigte, offen und ungeschönt Einblicke in sein Leben zu geben. Im Pressetext zur „Aforger“ sagt er: „Wie bereits mein erstes Album, begann „Aforger“ als Poesie, aber ich versuchte bewusst weniger poetisch zu schreiben. „Oh Father“ etwa, ist ein Beispiel für absolute Unzweideutigkeit. Der Song ist mit Sicherheit der persönlichste, den ich je veröffentlicht habe; und zu wissen, dass Menschen diesen hören könnten, macht mich sehr verletzlich. Im Moment ist dies das realste Gefühl von allen für mich.“

„Aforger“ ist am 14. Oktober über Erased Tapes Records erschienen.

Douglas Dare live:
19.10.2016 – Berlin, Berghain Kantine

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