dePresno im Videointerview: „Ich möchte Songwriter-Traditionen in eine elektronische Welt bringen“

Der norwegische Musiker dePresno vereint Songwriter-Traditionen mit elektronischen Klängen und ist damit einer der aufstrebendsten Künstler des Jahres. Im Videointerview gibt er Einblicke in die musikalischen Sozialisation durch seinen Vater, Inspirationsquellen und die Produktion seines Debütalbums.

Bergen ist schon seit einiger Zeit für großartige Musik bekannt, so stammen zum Beispiel Aurora, Röyksopp oder Kings of Convenience aus der norwegischen Stadt. Seit einiger macht sich ein weiterer Künstler auf, diese Tradition fortzuführen: Der Anfang 20-jährige dePresno bringt traditionelle Songwriter-Elemente mit Synthesizern, ruhigen Drums, aparten Gitarren und einem charismatischen Gesang ins Hier und Jetzt.

Im Jahr 2015 hat Bjarte De Presno Borthen, wie der Musiker mit vollem Namen heißt, seinen ersten Song „Forever“ veröffentlicht und schnell wurden einige Plattenfirmen auf ihn aufmerksam. In beeindruckender Art und Weise erzählt der junge Mann in seinen Liedern Geschichten über Liebe und Verwundbarkeit, die von seiner satten und eindringlichen Baritonstimme getragen werden. Mittlerweile bei Sony Music unter Vertrag, hat dePresno Mitte Oktober 2016 seine Debüt-EP „Forever“ veröffentlicht und schon mit der ersten Single „Hide And Seek“ unter Beweis gestellt, dass er seine Qualitäten als Songwriter noch einmal weiterentwickelt hat.

Neben „Hide And Seek“ präsentiert dePresno auf seinem Debüt eine Hand voll ausgeklügelter und hervorragend produzierter Songs. Dass seine Musik aber auch sehr gut in einem reduzierten Gewand funktioniert, stellt er mit der „Souvenir“ Live-Session unter Beweis. Im Interview erklärt uns der Musiker, warum ihm sowohl Songwriter-Traditionen, als auch elektronische Produktionen wichtig sind: „Das ganze Konzept meiner Musik beruht auf einer Formel: Ich möchte eine gute Stimmung erschaffen – eine Singer-Songwriter-Stimmung, die in eine eher elektronischere Welt gebracht wird. Ein guter Song muss ebenso nur auf der Gitarre oder auf dem Klavier funktionieren, wie er in einer coolen Produktion funktionieren muss.“

Als er mit 10 Jahren mit dem Gitarrenpiel und dem Schreiben erster eigener Songs begann, habe er noch nicht das Selbstbewusstsein gehabt, seine Musik jemand anderem zu zeigen, so dePresno. Erst als ihn sein Bruder dazu animierte, einen Song auf dem Handy aufzunehmen, sei das aber besser geworden. „Er hatte eigentlich versprochen, die Aufnahme geheim zu halten. Naiverweise habe ich ihm das geglaubt. Zum darauffolgenden Weihnachtsfest habe ich dann die Aufnahme eines Songs in einem Studio in Bergen geschenkt bekommen. Dort habe ich dann ‚Catch The Wind‘ von Donovan gecovert, einen Song aus den 60ern. Der Produzent meinte dann, dass wir in Kontakt bleiben müssen. Und jetzt ist er mein Manager.“

Mein Vater hat einen ziemlich verrückten Musikgeschmack

In Songs wie „See You Soon“ oder „Stranger In Disguise“ werden Referenzen an dePresnos Kindheits-Helden deutlich, sozialisiert wurde der Sänger nämlich durch die Lieblingsmusik seines Vaters. „Mein Vater hat einen ziemlich verrückten Musikgeschmack. Im Auto lief meistens entweder Michael Jackson oder Bob Marley – aber meistens Bob Marley, das war absolut sein Ding. Ich bin also mit Bob Marley, aber auch mit klassischen Folk- und Songwriter-Künstlern wie Leonard Cohen, Bob Dylan oder auch Donovan aufgewachsen.“ Neben dieser Musik inspirieren dePresno vor allem auch seine Reisen. Er erzählt, dass es in seiner Familie ein Rennen darum gibt, wer die meisten Ländern bereits hat. „Mein Vater führt immer noch mit 60 oder 70 Ländern. Ich war in 49 Ländern und das ärgert mich ziemlich. Ich will endlich die 50 vollmachen. Auf meinen Reisen liebe ich es, neue Einflüsse zu erleben, verschiedene Leute zu treffen und einfach neue Kulturen, Speisen und Sprachen in mich aufzusaugen.“

Derzeit arbeitet dePresno an seinem Debütalbum, das „hoffentlich in diesem Herbst erscheinen wird“. Festlegen will er sich da allerdings noch nicht: „Ich möchte es wirklich gut machen, weil es mein Debütalbum ist. Ich möchte nicht in irgendetwas reinrennen und es dann bereuen. Wir lassen uns Zeit. Aber ich würde es am liebsten sofort veröffentlichen und allen meinen Freunden und Fans zeigen“