Die Perlen der Woche: The National, alt-J, Haim, Haiyti und mehr

The National haben ein neues Album angekündigt, alt-J holen sich Iggy Pops Stimme für "In Cold Blood", Haim präsentieren die Studioversion von "Right Now" und Haiyti veröffentlicht ein neues Musikvideo. Außerdem: Love A und Phoenix.
Fotos: The National by 4AD, Haim by Laura Coulson, Alt-J by Gabriel Green

The National kündigen ihr neues Album an

Drei Jahre nach ihrem sechsten Album „Trouble Will Find Me“ haben The National den Release des Nachfolgers „Sleep Well Beast“ für den 8. September 2017 angekündigt. Die neue Platte wurde von Bandmitglied Aaron Dessner zusammen mit seinem Bruder Bryce Dessner und Sänger Matt Berninger produziert, von Peter Katis gemixt und ist in Aaron Dessners neuem Studio Long Pond entstanden.

Zusammen mit der Ankündigung ihres neuen Albums präsentieren The National gleich eine erste Single, die auf den sperrigen Titel „The System Only Dreams In Total Darkness“ hört. Konzept- und Softwarekünstler Casey Reas hat den Songs außerdem mit einem Video bebildert.

Hört hier den neuen Song „The System Only Dreams in Total Darkness“:

Im Herbst kommen The National für einige Konzerte nach Deutschland, dazu kuratiert Bryce Dessener ein Wochenende das Programm der Hamburger Elbphilharmonie unter dem Namen „Reflektor Bryce Dessner“.

20.10. Hamburg, Elbphilharmonie – Dessner Symphony (Reflektor Bryce Dessner)
20.10. Hamburg, Elbphilharmonie – Lisa Hannigan / Aaron Dessner (Reflektor Bryce Dessner)
21.10. Hamburg, Elbphilharmonie – Dessner Resonanz (Reflektor Bryce Dessner)
21.10. Hamburg, Elbphilharmonie – The National
23.10 Berlin – Tempodrom – The National
24.10 Berlin – Tempodrom – The National

alt-J holen sich Iggy Pops Stimme für „In Cold Blood“

Fast fünf Jahre, nachdem alt-J den Mercury Prize für ihr Debüt „An Awesome Wave“ mit nach Hause nahmen, hat sich die Begeisterung um die britische Band kaum gelegt. Ihr drittes Album „Relaxer“ erscheint am 2. Juni. Die beiden Vorabsingles „3WW“ und „In Cold Blood“ deuten an, dass das Trio nach „This Is All Yours“ das Frickeln mit Soundschnipseln, organischen und elektronischen Klängen weiter bis an seine Grenzen ausreizt.

Nach dem mysteriösen Kurzfilm zu „3WW“ visualisierten alt-J nun auch „In Cold Blood“.  Gewohnt düster, melancholisch und auf unheimliche Weise ruhig inszenierten sie das Video mit dem dänischen Regisseur Casper Balslev. Es beginnt mit der Geschichte einer Waldmaus, die sich wegen ihrer schlechten Augen auf ihren Geruchssinn verlassen muss, denn: „It must be cautious, enemies are everywhere“. Das Gänsehaut-Intro spricht niemand geringeres als Iggy Pop. Die dunkler Vorahnung, die einen dabei beschleicht, bestätigt sich, als man der Maus durch das Gestrüpp zum Tatort eines blutigen Massakers folgt. alt-J scheinen dem hohen Erwartungsdruck auch auf dem dritten Album virtuos zu begegnen.

Haim präsentieren die Studioversion von „Right Now“

Als Haim im September 2013 ihr Debütalbum „Days Are Gone“ veröffentlichen, erobern sie die Musikwelt im Sturm. An Este, Danielle und Alana aus Kalifornien kommt man aber schon Monate im Voraus nicht vorbei: Überall ist vom modern inszeniertem Pop der drei Schwestern die Rede und schnell werden Songs wie „Falling“ oder „Forever“ zu riesigen Hits. Große Rock’n’Roll-Gesten vereint das Trio mit Mid-Tempo-Sounds, Folk- sowie RnB-Anleihen und spätestens wenn ihre drei Stimmen zusammen erklingen, wird der einzigartige Vibe von Haim deutlich.

Nach fast drei Jahren Pause sind Haim bereits vor einer Woche mit neuer Musik zurückgekehrt: Zusammen mit Regisseur Paul Thomas Anderson („The Master“, „Magnolia“) haben sie zunächst die eindrucksvolle Videobotschaft „Right Now“ aus dem Studio gesendet. Der live aufgenommene Song war allerdings nur ein erster Vorbote ihres neuen Albums „Something To Tell You“, das am 7. Juli erscheinen soll und von Ariel Rechtshaid (Adele, Beyoncé) produziert wurde. Die erste offizielle Single „Want You Back“ erschien knapp eine Woche später und erinnert mit einem mehrstimmigen Gesang und hellen Synth-Sounds an die erfolgreiche Single „Forever“ vom Debütalbum. Neben der Live-Version von „Right Now“ haben Haim nun auch eine Studioversion nachgelegt.

Hört hier „Right Now“:

Haiyti veröffentlicht Musikvideo zu „Italiano“

Living la deutsche Vita! Für ihren neuesten Clip verwandelte die Deutschrap-Hoffnung Haiyti ihren Balkon kurzerhand in eine Location mit italienischem Flair. „Italiano“ ist die erste Auskopplung aus ihrer „White Girl mit Luger“-EP, die am 12. März erschienen ist.

Zugegeben, ganz einfach ist es nicht, den Überblick über den Output der Hamburgerin zu behalten. Denn eigentlich folgte auf besagte EP nur zwei Wochen später mit „Follow mich nicht“ ein weiteres Mixtape – das bereits dritte Release in diesem Jahr. Eine derartige Veröffentlichungsdichte ist man normalerweise nur aus den Staaten gewohnt, doch eine Qualitätsminderung hat Haiytis Arbeitstempo offensichtlich nicht zu Folge: „Italiano“ überzeugt mit energiegeladenem Rap und gewohnt hitorientiertem Sound aus der Feder von Produzent AsadJohn.

Fans der Rapperin dürfen sich besonders auf den kommenden Sommer freuen. Haiyti ist nicht nur auf dem diesjährigen Splash!, sondern auch auf dem Melt-Festival zu Gast. Bis es soweit ist, könnt Ihr Euch hier mit ihrem jüngsten Clip einstimmen lassen:

Love A sind mit neuem Album zurück

Knapp zwei Jahre nach ihrem erfolgreichen letzten Album „Jagd und Hund“ legen Love A nach: Die Indie-Postpunks aus Trier veröffentlichen ihr viertes Album „Nichts Ist Neu“ und setzen damit eine Entwicklung fort, die auf der letzten Platte schon in Songs wie „100.000 Stühle leer“ angedeutet wurde: Die polternden Klänge werden Stück für Stück durch nachdenklichere ersetzt, dazu wird über persönliche Geschichten klar gemacht, was man von der (schlechten) Welt da draußen hält. Unverständnis und Intoleranz sind dabei die großen Themen von Sänger Jörkk Mechenbier und seinen Kollegen: Das Tuscheln über die unangepassten Nachbarn („Nachbarn II“), die gewollte Abgrenzung („Sonderling“) oder direkte Ansagen wie „Am Ende des Tages sind wir alle gefickt, denn was wir wollen bekommen wir nicht“ („Verlieren“).

Love A bewegen sich mit ihrem neuen Album wieder gekonnt zwischen den großen Problemen unserer Zeit und kehren dann doch immer wieder in die Tristesse der Kleinstadt zurück. Irgendwo zwischen Eckkneipe, Hobbykeller und Provinz-Disco liegt dann auch das Leben des Schlagersängers, das in den Zeilen von „Die Anderen“ zum Ausdruck kommt. Der Hauptdarsteller des dazugehörigen Musikvideos dürfte Fans von deutschsprachigem Punk übrigens bekannt vorkommen: Claus Lüer ist Sänger und Gitarrist der Band Knochenfabrik und schmiss sich für den Clip in ein 80er Jahre Schlageroutfit.

Seht hier das Video zu „Die Anderen“:

Phoenix  veröffentlichen Musikvideo zu „J-Boy“

„Wir haben die Arbeiten an diesem Album im September 2014 begonnen und kurz danach schien die Welt, wie wir sie kannten, vor unseren Augen zusammenzustürzen. Aber zu unserer großen Freude und trotz der politisch angespannten Weltlage und damit verbundenen Tristesse klang die Musik, die entstand, unheimlich fröhlich, romantisch und sorglos“, erklärt Phoenix-Gitarrist Laurent Brancowitz vor wenigen Wochen. Die Band aus dem französischen Versaille kündigt mit den Worten ihr neues Album „Ti Amo“ an (erscheint am 9. Juni) und kehrt damit zu ihren europäischen Wurzeln zurück. In den Songs der neuen Platte gehe es unter anderem um eine romantisierte Vision Italiens.

Den ersten Einblick in das neue Album von Thomas Mars, Laurent Brancowitz, Christian Mazzalai und Deck D’arcy gewährt die erste Single „J-Boy“, die im Vorfeld der Veröffentlichung schon in Sofia Coppola’s Calvin Klein Werbespot zu hören war. Der Song lebt von Mars‘ geschmeidiger Stimme und einem Disco-esquen Popsound. Nun hat die Band dem Song ein sehenswertes Musikvideo spendiert, in dem sie ihren Song in einer erfundenen italienischen Fernsehshow spielen.

Seht hier das Musikvideo zu „J-Boy“: