Fazerdaze im Videointerview: „Ich habe es geliebt, DIY zu sein“

Mit ihrer Debüt-EP beeindruckte Amelia Murray 2014 Musikliebhaber auch außerhalb ihrer Heimat Neuseeland. Im Videointerview haben wir mit ihr über ihr Album „Morningside“, DIY und ihr Zuhause gesprochen.

Die neuseeländische Musikszene ist größer und bunter, als man im ersten Moment vielleicht denkt. Von dort aus schlugen zum Beispiel Lorde, Fat Freddy’s Drop, Ladyhawke, The Naked And Famous oder Unknown Mortal Orchestra Wellen in aller Welt. 2015 nahm das Unknown Mortal Orchestra eine junge Künstlerin mit auf ihre Neuseeland-Tour, die damals bereits internationalen Respekt geerntet hatte: Amelia Murray bzw. ihr Projekt Fazerdaze.

Im Jahr 2014 veröffentlichte die Musikerin aus Auckland ihre selbstbetitelte Debüt-EP im Internet. Die entspannte, mal leichtfüßige, mal süß-melancholische Mischung aus 60s Pop und 90er Shoegaze hatte Fazerdaze Zuhause aufgenommen, mit Gitarre, Bass, Drumcomputer und Synthies. Sie kümmerte sich auch selbst darum, die EP zu verbreiten. Über die DIY-Herangehensweise erzählt sie: „Ich liebte es, DIY zu sein. Es war sehr befriedigend und so aufregend, wenn jemand deine CD gekauft hat und du sie ihm schicken konntest. Du schreibst seine Adresse auf einen Umschlag und sendest sie ihm zu. Es ist so direkt und man hat so eine Nähe mit Fans und Leuten, die die Musik mögen.“

Als Musikblogs und Magazine in und außerhalb Neuseelands auf die „Fazerdaze“-EP aufmerksam wurden und sie begeistert weiterempfahlen, gelangte Amelia an den Punkt, an dem sie sich nicht mehr um alles alleine kümmern und gleichzeitig noch Musik machen konnte. Interessierte Labels standen da natürlich schon in den Startlöchern und so landete Fazerdaze bei den traditionsreichen Flying Nun Records aus Auckland (in Deutschland Grönland Records).

Morningside steht für mich dafür, nach Hause zu kommen

Die neu gewonnene Zeit nutzte Amelia also, um wieder an Songs zu schreiben. Dass daraus am Ende ihr Debütalbum „Morningside“ werden würde, zeichnete sich erst im Laufe eines „unorganisierten und chaotischen“ Prozesses ab: „Das Album fühlt sich wie eine Collage an. Es gibt darauf sehr alte und sehr neue Songs, die erst in den letzten Wochen entstanden, in denen ich das Album fertig machte. Ich habe es in verschiedenen Wohnungen aufgenommen, manchmal im Haus eines Freundes, manchmal im Studio eines Freundes, manchmal Zuhause.“

Das Album benannte Fazerdaze schließlich nach Morningside, dem Vorort in Auckland, in dem sie mittlerweile lebt: „Morningside steht für mich dafür, nach Hause zu kommen und sich seit Jahren zum ersten Mal dort aufgehoben zu fühlen. Als ich nach Morningside gezogen war und meinen ersten Brief im Briefkasten fand, fühlte ich mich einfach nach langer Zeit wieder so glücklich. Einfach nur, weil ich wusste, dass ich nicht in ein paar Monaten wieder die Wohnung wechseln musste. Das Wort Morningside gefiel mir aber auch symbolisch, also die Nacht hinter sich bringen. Für mich bedeutete es, eine wirklich harte Phase meines Lebens hinter mich zu bringen, auf der anderen Seite anzukommen und dadurch stärker zu sein.“

Die positive Perspektive und die Zeichen eines Neuanfangs prägen auch die Stimmung der zehn Songs auf Fazerdazes Debüt, das sich perfekt als Soundtrack für frühsommerliche Tage oder lange Skateboard-Fahrten wie im offiziellen Video zu „Little Uneasy eignet. Live erhalten die Songs noch einmal eine andere Dynamik, weil Fazerdaze mittlerweile meistens als Band unterwegs ist: „Obwohl ich alles alleine aufnehme, fühlt es sich so an, als würde ich Band-Musik machen. Es fühlte sich also richtig an, für die Live-Auftritte eine Band zusammenzustellen. Ich denke, das war schon immer der Plan. Es macht so viel mehr Spaß mit anderen Leuten die Bühne zu betreten, als es alleine zu tun.“

„Morningside“ erscheint am 05. Mai bei Grönland Records.

Fazerdaze auf Tour:
19.05.2017 – Cardinal Sessions Festival Hamburg, Molotow
20.05.2017 – Cardinal Sessions Festival Köln, Gebäude 9