„Praise the lord“: Hinter den Kulissen von Blvths intensivem „I Don’t Love You“ Video

Blvth vereint in seiner Musik Einflüsse aus Trap, Future Bass and Grunge. Bereits seit einiger Zeit sorgt der Berliner Produzent damit international für Aufsehen. Jetzt hat er sein neues Musikvideo "I Don't Love You" veröffentlicht. Wir haben mit ihm über seine Musik gesprochen und exklusive Fotos vom Dreh bekommen.
Foto von Felix Aaron & Julian Jonas Schmitt

Der in Berlin lebende Produzent, Songwriter und Sänger Blvth (gesprochen „Blut“) hat sich in den vergangenen Monaten mit seiner besonderen Mischung aus tiefen Bässen, atmosphärischen Synths sowie poppigen Trap- und RnB-Sounds einen Namen gemacht. Als er vor einigen Jahren Remixe von Künstlern wie Sia oder Rihanna bei Soundcloud veröffentlicht, werden internationale Musikblogs auf ihn aufmerksam und loben seinen düsteren und experimentellen „Future Bass“. Immer mehr Künstler wollen in der Folge mit Blvth zusammenarbeiten und er beginnt schließlich damit, auch seine eigenen Songs aufzunehmen – am Laptop in seinem Zimmer, ohne teures Equipment.

Blvth fügt sich mit seiner eigenständigen Arbeitsweise in eine Reihe von aufstrebenden Produzenten wie Mura Masa oder Hudson Mohawke ein, die mit ihrer Musik Genregrenzen hinter sich lassen und immer wieder innovative Klanglandschaften entwickeln. Eindrucksvolle Ideen lassen sich bei Blvth auch auf seiner „7IGER“ EP finden, die er Ende letzten Jahres zusammen mit einem 15-minütigen Kurzfilm veröffentlicht hat. Auf die EP folgt Anfang 2017 mit „S4murai“ bereits ein neuer Song – ein regelmäßiger Output ist für den ambitionierten Musiker selbstverständlich. Im Interview erzählt er: „Ich versuche mich selbst anzutreiben, in dem ich mir einfach eigene Deadlines setze und versuche Sachen fertigzustellen. Ich hab recht viel vor und übernehme mich auch gern mal. Zum Glück habe ich eine gute Crew, bestehend aus Freunden, die allesamt kreative Köpfe sind.“ Sein Umfeld sei von einer großen Motivation getrieben, etwas zu erschaffen, so Blvth. „Zurzeit mache ich auch alles alleine, das heißt kein Label oder Management. Ich finde es gut alles unter Kontrolle zu haben. Außerdem habe ich auch keinen Bock mir da reinquatschen zu lassen von irgendwem. Es ist gut, wenn am Ende nicht alles perfekt ist. Ich hasse diesen falschen Perfektionismus.“

Dass Blvth keinen „falschen Perfektionismus“ in seine Musik einfließen lässt, zeigt auch das intensive neue Video zu „I Don’t Love You“. Übersteuernde Bässe, eingängige Melodien und ein gewisser DIY-Charakter bilden die Grundlage eines Songs, in dem er die Probleme seiner alleinerziehenden Mutter besingt, die versucht ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Für die visuelle Umsetzung des neuen Videos hat Blvth mit Felix Aaron und Julian Jonas Schmitt zusammengearbeitet, die auch schon für die vorausgegangenen Clips des Musikers verantwortlich waren. „Das Video als Oneshot zu drehen war schon heftig. Wir hatten für den kompletten Shoot leider nur vier Stunden Zeit, deshalb konnten wir kaum Dinge besprechen oder großartig etwas planen. Vor Ort mussten wir also schnell alles durchsprechen, das Skript noch etwas ausarbeiten, 1-2 Mal proben und dann direkt drehen.“ Der Ansprechpartner der Kirche sei außerdem ein ziemlich harter Hund gewesen, den man erstmal von der gesamten Idee hätte überzeugen müssen. „Auch wenn der vereinbarte Drehtag am Ende stark gekürzt wurde, waren wir ziemlich happy, dass alles geklappt hat. Eine vergleichbare Location gibt es einfach nicht. Praise the lord!“

Im Musikvideo ist neben Blvth auch der Berliner Drone/Noise Produzent SOVT zu sehen. „Dieser fieser Typ hat den Song übrigens mitproduziert und ist außerdem für mein Artwork und meine Live-Visuals verantwortlich.“

 

„I don’t love you“ klingt im Gegensatz zu Blvths bisherigen Songs etwas härter und stößt zunächst sogar etwas vor den Kopf – das sei aber eher zufällig so entstanden. „Ich mache mir eigentlich nie so viele Gedanken darüber, wie meine Musik klingen soll. Es war eigentlich eher ein spontanes Ding, weil ich Bock hatte, wieder etwas rauszuhauen und dann war diese Nummer eben dran. So unromantisch wie es auch klingt, aber so ist es.“ Blvth erklärt weiter, dass er es gut findet, wenn seine Songs immer unterschiedlich klingen. „Klar ist ein roter Faden wichtig, aber dieses konservative Denken langweilt mich. Alles ist erlaubt!“

Ich will einfach meine Zeit nutzen und nicht so ein Hänger sein

Zum Schluss unseres Interviews kommen wir noch auf ein Gespräch von vor ein paar Monaten zu sprechen: Blvth erzählt damals, dass er jeden Tag Musik machen oder aufnehmen möchte. Woher kommt diese Motivation? „Wenn ich schlafen gehe, ohne mindestens einen neuen Beat oder einen Track angefangen zu haben, dann denke ich immer der Tag war ‚waste of time‘. Ich dreh mich dann immer tausend Mal im Bett um, werde nervös und stelle mir vor, was ich alles hätte machen können. Ich will einfach meine Zeit nutzen und nicht so ein Hänger sein. Ich will nicht einer von diesen Menschen werden, die am Ende alles bereuen und sagen: ‚Ich hätte so viel machen können.‘ – Ja, haste aber nicht, Idiot.“

Fotos von Felix Aaron & Julian Jonas Schmitt

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