10 Highlights für das Melt Festival

Nach ein paar Newcomer-Empfehlungen widmen wir uns in diesem #MeltFriday den großen Namen im Line-Up, u.a. Bonobo, Kate Tempest und Phoenix.
Foto von Stephan Flad

Sein 20. Jubiläum feiert das Melt Festival mit einer großartigen Auswahl an Geheimtipps und Newcomern. Doch genauso exzellent lesen sich dieses Jahr die ersten Zeilen des Line-Ups. Hier sind zehn Künstler, die ihr auf den großen Bühnen nicht verpassen solltet.

1. M.I.A.

Abgesehen davon, dass sie ihre einzige Deutschland-Show 2017 auf dem Melt Festival spielen wird, und ihr Album „AIM“ 2016 als ihr finales ankündigte, M.I.A. wäre auch so ein Muss: Ihr Mix aus HipHop, Dancehall, Worldbeat. Ihre deutlichen politischen Statements. Ihr Potenzial, großer Popstar zu sein (Stichwort: Halbzeitshow beim Superbowl). Ihr bewusster Verzicht darauf. Ihr unablässiger Wille, zu provozieren und wachzurütteln. Diese und so viele andere Gründe sprechen dafür die möglicherweise letzte Chance zu nutzen, M.I.A. live zu sehen.

2. Die Antwoord

Ähnlich wie M.I.A. hat die südafrikanische Kombo Die Antwoord vage angedeutet, ihr kommendes Album „The Book of Zef“ könnte ihr letztes sein. Seit 2008 faszinieren und irritieren Ninja, Yolandi Visser und Produzent God visuell wie musikalisch mit ihrem Style, den sie – in Anlehnung an eine Gegenkultur-Bewegung – Zef nennen. Ihre trashigen Lyrics und den ballernden Rap-Rave ergänzen sie live mit bunten Farben, überdrehtem Tanz und schlichtweg verstörenden Sequenzen. Ein ordentlicher Knall für Sonntagabend.

3. Bonobo

Etwas sanfter begleitet euch der Headliner am Samstag in die Nacht: Der britische DJ und Produzent Bonobo veröffentlichte letztes Jahr sein sechste Album „Migration“. Auf der Reise durch Downtempo-Gefilde und Ambient-Landschaften begleiten ihn dieses Mal Gastfeatures wie Rhye und Nick Murphy. Bonobos filigraner Elektro mit analogen Elementen wandelt stets zwischen Tiefenentspannung und Tanzfläche. Magische Momente für Träumer und Nachtschwärmer garantiert!

4. Sampha

Obwohl Anfang des Jahres erst sein Debütalbum „Process“ erschienen ist, zählt Sampha zu den Großen im Line-Up. Erste Aufmerksamkeit bekam der Londoner nämlich vor gut zehn Jahren, als er über Myspace mit Kwes in Kontakt kommt. Auf Remixes für The xx folgen Gastfeatures bei Jessie Ware, SBTRKT, Drake oder sogar Kanye West. Denn Sampha ist definitiv ein begabter Produzent, seine samtene, berührende Stimme zieht aber alle in den Bann. Die Songs von „Process“, in denen er die Trauer um seine verstorbene Mutter verarbeitet, gehen wirklich nah, schmerzen. Trotzdem sollte man unbedingt inne halten und sie live hören.

5. Kate Tempest

Eine weitere meinungsstarke, inspirierende Persönlichkeit ergänzt das Melt-Line-Up: Kate Tempest aus London. Mit 16 Jahren beginnt sie als Rapperin bei Open Mic Nights aufzutreten, einige Aufmerksamkeit bekommt sie als Frontfrau der HipHop-Gruppe Sound of Rum. Allerdings macht sich Kate Tempest nicht nur als kritische Stimme in der Musikszene einen Namen, sondern schreibt auch Gedichte, Bücher und Theaterstücke. Ihr zweites Soloalbum „Let Them Eat Chaos“ vereint wie der Vorgänger Spoken Word und HipHop, ist sogar als Lyrik-Band erschienen. Die Britin erzählt von tristem Alltag, unheilvollen Bestandsaufnahmen wie „Europe Is Lost“, abgestumpften, desillusionierten Charakteren und plädiert am Ende doch für Hoffnung und Widerstand. Ihre komplexen Geschichten im breiten Londoner Dialekt fordern vom Publikum etwas Konzentration. Sich darauf einzulassen, lohnt sich aber.

6. Glass Animals

„How To Be A Human Being“ betitelten Glass Animals ihr zweites Album und zeigen mit Lyrics voll schräger Figuren, dass es keine Anleitung geben kann. Die psychedelische Popmusik der Band aus Oxford ist im Vergleich zum Debüt „ZABA“ (2014) zugänglicher geworden, hat sich aber genug Eigenartigkeit behalten, um spannend zu bleiben. Percussions, weirde Soundschnipsel, Geräuschaufnahmen oder auch mal Flöten brechen klassische Songstrukturen auf. Glass Animals sind immer für eine Überraschung gut, zum Beispiel wenn sie live ihre Rhythmus-Ananas auspacken.

7. Jon Hopkins

Vor zwei Jahren schon fesselte Jon Hopkins das Melt-Publikum mit einem fantastischen Set, entführte in die entrückten Welten seines Albums „Immunity“, schaffte den fließenden Übergang von einem Wild Beasts-Remix zu einem großen Finale mit Coldplay. Der britische Produzent hat den Spagat zwischen Meditation, Losgelöstheit und Eingängigkeit perfektioniert, indem er Einflüsse wie Electronica, Techno, Ambient oder auch Indie-Pop elegant verwebt. Wer 2015 dabei war, weiß, dass das DJ-Set von Jon Hopkins auch 2017 ein Festival-Highlight wird.

8. SOHN

Einige Bekanntheit erlangte der Brite Christopher Michael Taylor Mitte der 2000er mit seinem Projekt Trouble Over Tokyo. Der große Durchbruch gelang ihm 2014 mit „Tremors“ und dem neuen Pseudonym SOHN. Über der feinen Mischung aus Soul, Elektronik und R’n’B schweben Melancholie und Zerbrechlichkeit. Auch zu SOHNs neuem Album „Rennen“, das er in einer Waldhütte in der Nähe von Los Angeles produzierte, kann man seine Gedanken in eine andere Welt hinein treiben lassen, bevor einem Songs wie „Hard Liquor“ einen neuen Energieschub für den Dancefloor mitgeben. Fotos von SOHNs Konzert im Februar gibt es hier.

9. Phoenix

Mitte der 1990er gründeten die Schulfreunde Thomas Mars, Christian Mazzalai, Laurent Brancowitz und Deck D’Arcy in Versailles die Band Phoenix. Über zwei Jahrzehnte wuchsen sie in selber Besetzung zu einer der glänzendsten Popgruppen Frankreichs heran. Nicht so riesig wie Daft Punk – mit denen Laurent Brancowitz vor Phoenix in einer Band spielte – aber weltweit erfolgreich und stilprägend für den elektronischen Indie-Pop/Rock der 00er Jahre. Die Zeiten von Kitsuné und „Wolfgang Amadeus Phoenix“ (2009!) liegen mittlerweile etwas zurück. Gerade deswegen lässt es sich beim Phoenix-Konzert bestens in Erinnerungen schwelgen. Das kommende sechste Album „Ti Amo“ passt mit seinen Bildern vom pompösen Dolce Vita außerdem ziemlich gut zu einem heißen Festivalwochenende.

10. Bilderbuch

Zugegeben:  Als Festival- und Konzertbesucher bietet sich oft genug die Gelegenheit, Bilderbuch live zu sehen. Aber das Ding ist: Die Show der Österreicher hat keinerlei Abnutzungserscheinungen. Das Ende der All-inklusive-„Magic Life“-Geborgenheit inszenieren sie mit liebenswürdigen Ansagen, elektrisierenden Gitarrensoli und dem Schmacht-Finale „Sweetlove“. Dazwischen ist reichlich Platz für Hintern, Spliff, Sneakers, Softdrinks, ad absurdum geführtes Denglisch und strahlende Popmusik, die sich aller Genres bedient – kurz: SUPERFUNKYPARTYTIME.

Mehr Infos und unsere Ticketverlosung für das Melt Festival findet ihr hier.