Phoenix im Videointerview: „Wir lieben es, keine Kontrolle über die Dinge zu haben“

Amore und La Dolce Vita: Phoenix präsentieren auf ihrem neuen Album "Ti Amo" eine Liebeserklärung an die romantische Vision von Italien. Mit Italo-Pop und Disco-Elementen liefert die französische Band einen Gegenentwurf zur dramatischen Lage unserer Welt. Im Videointerview sprachen wir mit Christian Mazzalai und Deck D'Arcy unter anderem über die Aufnahme des Albums und den schimmernden Pop-Sound.

Mit „Ti Amo“ präsentieren Phoenix den Nachfolger zu ihrem im Jahr 2013 erschienenen Album „Bankrupt!“ Bereits zu den im Vorfeld veröffentlichten Songs „J-Boy“ oder „Goodbye Soleil“ hörte man aus den Reihen der Band, dass man sich auf dem Album „simplen, puren Emotionen“ widmen werde und „Liebe, Verlangen, Lust und Unschuld“ Einzug halten werden. Dies alles geschieht als Gegenentwurf zur dramatischen Lage unserer Welt: Terroranschläge oder die Wahl Trumps zum US-Präsidenten werden vergessen, stattdessen flüchten sich die Franzosen in einen schimmernden Traum, in dem Amore, La Dolce Vita und Gelato für eine romantisierte Vision Italiens stehen.

Nach dem Ende der letzten Tour zu „Bankrupt!“ mieteten sich Thomas Mars, Christian Mazzalai, Laurent Brancowitz und Deck D’Arcy in einem Studio im Dachgeschoss eines alten Theaters ein. „Wir hatten große Lust wieder Musik zu machen und neue Bereiche des Songwriting zu entdecken. Als wir dann einen Ort gesucht haben, um das alles aufzunehmen, haben wir das Theater gefunden. Eigentlich wollten wir nur ein paar Monate dort bleiben, am Schluss blieben wir aber drei Jahre“ erzählt Christian Mazzalai im Interview. Deck D’Arcy beschreibt weiter, dass Phoenix für jedes neue Album eine neue Sound-Palette gestalten würden. „Wir geben uns immer sehr viel Mühe das Studio zu designen und die Instrumente auszuwählen, mit denen wir arbeiten. Das ist ein sehr großer Teil unseres kreativen Prozesses“. Die grundlegende Herangehensweise sei bei allen Phoenix-Alben aber die selbe, erklärt Deck: „Wir versuchen etwas komplett Neues zu schaffen.“ Christian geht sogar so weit, dass er das letzte aufgenommene Album eigentlich hasse, wenn die Band neue Musik aufnimmt. „Das ist unser Weg zu überleben und neue Songs zu schreiben.“

Wohin wir mit unserer Musik gehen, wird von etwas Überirdischem diktiert.

„Auf unseren letzten Alben haben wir zum Beispiel über das Jahr 1901 in Paris gesprochen oder über Franz Liszt – alles Dinge, die wir niemals real erlebt haben. Auf diesem Album geht es nun um eine ausgedachte Version von Italien.“ Mit französischen, italienischen und englischen Texten gehen Phoenix dabei zu ihren europäischen Wurzeln zurück. Ob dabei die Terroranschläge von Paris einen Einfluss auf die Arbeit am Album genommen haben, weiß Deck nicht zu richtig einzuordnen: „Manche Dinge passieren und wirken sich auf die Musik aus, manche aber auch nicht. Man schreibt manchmal seine traurigsten Songs, wenn man glücklich ist. Anders herum kann das aber genau so funktionieren.“ Man wolle allerdings gar nicht so genau wissen, warum „Ti Amo“ so fröhlich klinge, erklärt Deck dazu. Manche Dinge würden einfach so geschehen. Christian ergänzt: „Wohin wir mit unserer Musik gehen, wird von etwas Überirdischem diktiert. Wenn wir keine Kontrolle über die Dinge haben wird unser Leben erst richtig interessant.“

Phoenix live:
16.07.2017 Gräfenhainichen, Melt Festival
24.09.2017 München, Tonhalle
25.09.2017 Köln, Palladium
26.09.2017 Hamburg, Große Freiheit 36