Die Perlen der Woche: Gisbert zu Knyphausen, Tyler The Creator, Leoniden und mehr

Gisbert zu Knyphausen hat nach sieben Jahren ein neues Solo-Album angekündigt, Tyler The Creator veröffentlicht "Flower Boy" und die Leoniden zeigen ein neues Musikvideo. Außerdem: Inner Tongue, Max Richard Leßmann und JFR Moon.
Fotos: Gisbert zu Knyphausen von Dennis Williamson, Tyler The Creator Albumcover, Leoniden von Robin Hinsch

Gisbert zu Knyphausen ist nach langer Zeit zurück

Pünktlich zum Heimspiel Knyphausen, einem kleinen Festival, das auf dem elterlichen Hof von Gisbert zu Knyphausen im Rheingau stattfindet, hat der Liedermacher ein neues Album angekündigt. Sieben Jahre nach seiner letzen Platte „Hurra! Hurra! So Nicht.“, mit der er sich in die erste Garde der deutschsprachigen Singer/Songwriter beförderte, gibt es ab Oktober auf „Das Licht dieser Welt“ endlich wieder neue Songs des Musikers zu hören.

Nach seinem letzen Solo-Album präsentierte Gisbert zusammen mit dem Hamburger Liedermacher Nils Koppruch zwar neue Songs auf dem gemeinsamen Album „I“ (2012), doch nach dem plötzlichem Tod von Koppruch machte er zunächst einmal eine Pause. Im Anschluss ging der Sänger mit der Kid-Kopphausen Band auf eine ausgedehnte Tour, spielte Bass bei Olli Schulz und nahm mit dem Produzenten Moses Schneider und dem Musiker Der dünne Mann unter dem Namen „Husten“ eine EP auf. Anfang des Jahres hat Gisbert zu Knyphausen mit „Das Licht dieser Welt“ zudem bereits einen ersten neuen Song präsentiert, der für den Soundtrack des Films „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ gedacht war.

Einen weiteren Einblick in sein neues Album gewährt Gisbert zu Knyphausen nun mit dem Video zu „Niemand“. Es zeigt sich, dass die Musik etwas vielseitiger geworden ist, aber nichts von ihrer Tiefe und den großen Emotionen verloren hat.

Seht hier das Video zu „Niemand“:

Das neue Solo-Album von Gisbert zu Knyphausen trägt den Titel „Das Licht dieser Welt“ und erscheint am 27. Oktober 2017 bei Pias.

Tyler, The Creator verwirrt die HipHop-Welt mit seinem neuen Album „Flower Boy“

„Next line will have them like woah, I been kissing white boys since 2004“: Diese Zeile bestimmt seit einigen Wochen die Berichterstattung über Tyler, The Creator. Der wegen homophoben Äußerungen mit einem Einreiseverbot nach Großbritannien und Australien bedachte kalifornischen Rapper scheint sich mit den Lyrics seines Tracks „I Ain’t Got Time“ als homo- oder bisexuell zu outen und widerspricht damit seinem „I’m not gay“-Statement aus „Yonkers“. Die aktuellen Diskussionen beweisen, dass der leicht verwirrten US-Rapwelt eine homosexuelle Leitfigur sicherlich gut täte. Durch die große Aufmerksamkeit auf sein bisher nicht aufgeklärtes Statement gerät allerdings Tylers großartiges neues Album etwas in den Hintergrund.

Auf seinem neuen Album präsentiert Tyler abwechslungsreich produzierte Tracks, die sich von den noisigen Ausflügen des Vorgängers „Cherry Bomb“ aus dem Jahr 2015 verabschieden. Mit einer Mischung aus analogen Instrumenten und Synthesizern hat der Rapper entspannte, teils psychedelische Beats erschaffen, die in Zusammenhang mit seinen Lyrics einen Blick in sein Innenleben gewähren. Die unzähligen Rollen, in die er bei früheren Projekten schlüpfte, scheinen der Vergangenheit anzugehören.

Leoniden veröffentlichen neues Musikvideo

Mit der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums im Februar hat die Kieler Band Leoniden bewiesen, dass sie zum Aufregendsten gehört, was der deutsche Indie-Rock derzeit zu bieten hat. Die energetische Mischung aus Post-Punk und Rock lässt bei jedem Konzert ein Euphorie-Gewitter losbrechen, das von Songs wie „1990“, „Nevermind“ oder „The Tired“ getragen wird. Mittlerweile hat das Quintett mit den Song ihres Albums mehr als 3.5 Millionen Streams bei Spotify gesammelt und wird bis Ende das Jahres fast 100 Konzerte gespielt haben. Das alles geschieht bei den Leoniden aus eigener Kraft, ihre Platte erschien zum Beispiel über das eigene Label „Two Peace Signs Records“.

Mitten in der Festivalsaison hat die Band nun ein Musikvideo zu „Sisters“ veröffentlicht, das – natürlich – in eigener Regie in Kiel entstanden ist. Sänger Jakob Amr sagt darüber: „Constantin Timm hat gefilmt und alles zusammengeschnitten. In dem Video spielt Jonatan Lux, unser geliebter Lichttechniker und mein allerbester bester Freund, die Hauptrolle und irrt besoffen und gefrustet durch die Nacht. Wir begleiten ihn, heitern ihn auf und machen Quatsch zusammen – so sieht es zumindest auf den ersten Blick aus. Am Ende ist es eine schöne schräge, auch ein bisschen traurige Geschichte über Freundschaft, übers Alleinsein und darüber, lieber Nachts mit Gespenstern abzuhängen als sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen. Wir sind stolz auf das Video, weil es genauso geworden ist, wie wir es wollten.“

Seht hier das Video zu „Sisters“:

Inner Tongue zeigt neue Single aus seinem Debütalbum

Im Jahr 2015 hat der Wiener Musiker Inner Tongue seine Debüt-EP „Tz, Ka“ veröffentlicht und mit seinem elektronisch angehauchten und veträumten Pop einen euphorischen Hype in der internationalen Musikwelt ausgelöst. Dass es überhaupt zu diesem Release kommen konnte, gleicht jedoch einem kleinen Wunder, denn Inner Tongue hatte im Jahr 2013 mit einer schwerwiegenden Stimmbandkrankheit zu kämpfen. Länger als 15 Minuten konnte er damals nicht mehr singen und auch die Tonhöhe seiner Stimme änderte sich zunehmend. Als dann auch noch Schmerzen beim Sprechen hinzukamen, konsultierte der Musiker einen Arzt – eine Operation war unausweichlich. Nach fast sechs Wochen des Schweigens und einer monatelangen Reha konnte Inner Tongue seine Stimme wieder einsetzen und die große Angst, nie wieder richtig singen zu können, war gebannt. In der Zeit seines Schweigens sind am Klavier auch die Songs entstanden, die schließlich auf der ersten EP des Österreichers gelandet sind.

Momentan produziert Inner Tongue zusammen mit mit John Catlin (Foals, Warpaint) sein Debütalbum in London. Bis zum Release des Album Anfang 2018 will der Musiker einige Einblicke in seine Arbeit geben. Nach dem Release seiner ersten Single „Underworld“ im April folgt nun das Video „Dig Deeper“.

Max Richard Leßmann veröffentlicht sein großartiges Album „Liebe in Zeiten der Follower“

„Romantische Stimmungslieder und Gassenhauer“ präsentiert Max Richard Leßmann auf seinem ersten Soloalbum „Liebe in Zeiten der Follower“, das gerade erschienen ist. Zusammen mit Sebastian Madsen hat der Vierkanttretlager-Frontmann im letzen Jahr die Lieder für sein Soloprojekt ausgearbeitet und bedient sich mit diesen an Melodien des Swing, Chanson und der Popmusik vergangener Tage. Nachdem Leßmann zusammen mit Vierkanttretlager auf dem letzten Album „Krieg und Krieg“ (2015) noch die schlechte Welt besang, präsentiert er auf seinem Solo-Debüt einen Gegenentwurf. Im Interview erzählt er uns: „Für mich persönlich bedeutet ‚Liebe In Zeiten der Follower‘, dass man auch in tristen und kalten Zeiten die Liebe als etwas Wichtiges bewahren kann. Es ist gar nicht so ein pessimistischer Titel, wie vielleicht manche Leute denken. Es bedeutet eigentlich, dass Liebe trotz aller Steine im Weg und auch in Zeiten der Follower bestehen kann. Sie wird alles überleben.“

Auf Leßmanns Debütalbum reiht sich Hit an Hit: Songs wie „Sie trinkt, sie raucht, sie riecht gut“, „Einen im Tee“ oder „Lavendelfeld“ sind gute Beispiele dafür, dass es dem Sänger mit der Liebe und Romantik ernst ist und Ironie keinesfalls die Grundlage für seine Musik liefert. Mit viel Charme, Feingefühl und Eleganz erzählt er Geschichten, die zum Beispiel davon handeln, dass man letztendlich nur wenige Menschen braucht, um glücklich zu sein – genau genommen nur einen. Beeindruckend leichtfüßig geht Leßmann auf seinem Album mit der deutschen Sprache um und präsentiert liebevolle Gassenhauer, die für immer im Ohr bleiben möchten.

Beim Kosmonaut Festival 2017 haben wir zusammen mit Leßmann das offizielle Musikvideo zu seinem Song „Keine Langeweile“ produziert:

JFR Moon spendiert dem 80s Synth-Pop seines aktuellen Albums eine neue Single

Als „Acid Folk“ bezeichnet Fabian Drung alias JFR Moon den Sound seines im Jahr 2015 erschienenen Albums „Honey I Can’t Concentrate I’m Collecting Minerals On My Body“ – ein angemessen schräger Titel für eine Platte, die von psychedelisch wabernden Synth-Sounds, ruhigen Gitarrenklängen und süßen Melodien lebt. Ende Juni hat der aus Stuttgart stammende Musiker sein zweites Album „Moony“ veröffentlicht, auf dem er sich vom Psychedelic Folk des Vorgängers abwendet und eine Mischung aus luftigem Slacker- und Surf-Pop präsentiert.

In erfrischend kurzen 25 Minuten Spielzeit besingt er zum Beispiel Liebschaften und die Maßregelung von bodenlosen Kindern, alles getragen von einem warmen, sommerlichen Vibe. Nachdem das Video zu „Swim“ vor einigen Wochen bei uns Premiere feierte, präsentier JFR Moon nun einen sehenswerten Clip zu seiner neuen Single „Does Me Harm“.