HipHop erobert das Radio: Vor fünf Jahren erschien „Lila Wolken“

Marteria gilt als Türöffner für die mainstreamtaugliche Ausrichtung eines gesamten Genres. Zum fünfjährigen Jubiläum von „Lila Wolken“ blicken wir auf einen Song zurück, der den Rapper damals in die Charts katapultierte und bis heute nichts von seinem Zauber eingebüßt hat.
Foto von Paul Ripke

Die ersten Sonnenstrahlen eines Hochsommertags in Berlin lassen sich über dem Schöneberger Gasometer blicken, in der Luft hängen noch Erinnerungen an eine vergangene Nacht voller Exzess. Heute vor genau fünf Jahren feierte das Musikvideo zu „Lila Wolken“ von Marteria, Yasha und Miss Platnum Premiere. Inzwischen ist der Song Stadionhymne, Radiosingle und Clubhit zugleich – und nebenbei ein musikalisches Polaroid einer ganzen Generation.

Retrospektiv ist „Lila Wolken“ nur eine von vielen Stationen in Marterias steiler Karriere, und doch markiert der Titel eine signifikante Schnittstelle. Was sich mit seinem Zweitling „Zum Glück in die Zukunft“ angedeutet hatte, führt der Ausnahmekünstler auf der „Lila Wolken“ EP konsequent fort. Der Mix aus Deutschrap und poppigen Produktionen wurde endgültig massentauglich und ebnete gemeinsam mit Caspers „XOXO“ dem gesamten HipHop-Genre den Weg für eine musikalische Neuausrichtung; hinaus aus dem Tief, in dem es sich nach dem abstürzenden Hype um Straßenrap befand.

Gleichzeitig war das Release der Moment, in dem sich schließlich Marterias kommerzieller Erfolg einstellte. Inzwischen bereits den Platinstatus inne, führte „Lila Wolken“ zu seiner ersten Gold- Auszeichnung und stieg in der ersten Woche von Null auf Eins in den Single-Charts ein. Auch Yasha und Miss Platnum profitierten von der gewaltigen Hitsingle, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie Marteria. Ob ein Miss Platnum-Feature auf einem Haftbefehl-Album auch ohne „Lila Wolken“ zustandegekommen wäre? Fraglich.

Rot knallt in das Blau, Vergoldet deine Stadt, Und über uns ziehen lila Wolken in die Nacht.

Bis heute verbindet die drei Protagonisten eine innige Freundschaft. „Marten ist ein Mensch, auf den man sich verlassen kann, auch wenn er nicht immer greifbar und erreichbar ist“, verriet Miss Platnum erst kürzlich in einem Interview. Selbst nach dem komentenhaften Aufstieg in Marterias Werdegang folgten immer wieder Kollaborationen untereinander, etwa in Marterias aktuellem Spielfilm „AntiMarteria“ oder als Überraschungsgäste auf diversen Festivalgigs. Auf „Roswell“, Marterias neuestem Album, duldet der Rostocker bis auf Beatsteaks-Frontmann Teutilla keine anderen Featuregäste neben sich, als eben die Erfolgskonstellation von vor fünf Jahren.

Auch wenn der Sommer bislang eher enttäuschend verlief, so war „Lila Wolken“ doch auch in diesem Jahr ein zuverlässiger Begleiter in so mancher Playlist. Und wer weiß, ob er das in fünf Jahren vielleicht immer noch ist. Wir gehen jedenfalls fest davon aus!