„Tee Time“: Nach dem viralen Hit veröffentlicht Ace Tee ihre erste EP

An "Bist du down" kam man Ende 2016 nicht vorbei, zog der Song doch Kreise von deutschen Feuilletons bis in die amerikanischen Hochglanzmagazine. Mit "Tee Time" legt Ace Tee, Newcomerin aus Hamburg, nun ihre Debüt-EP nach.
Foto von Jannick Plume

Ende 2016 wurde mehr über den Hype geschrieben, als über den Auslöser an sich. Die junge Hamburgerin Ace Tee lotete mit ihrer vermeintlichen Debütsingle sämtliche Sprachbarrieren aus und schaffte es wie aus dem Nichts bis in die amerikanische Vogue. Seit wenigen Tagen posiert sie nun sogar auf den Werbetafeln deutscher U-Bahn-Stationen, H&M-Deal sei Dank. Keine Frage – mit „Bist du down“ ist Ace Tee zu einem popkulturellen Phänomen geworden. Jetzt ist ihre neue EP „Tee Time“ erschienen. Es gilt, den Status des One Hit-Wonders zu überwinden.

Vorneweg sei gesagt: Wer mit „Bist du down“ nichts anfangen konnte, wird sich auch von Ace Tees neuestem Release nicht überzeugen lassen. Konsequent setzt die Hamburgerin ihren 90s-Sound fort, wahlweise ergänzt durch aufpolierte BoomBap-Gerüste oder soulige Instrumentals mit RnB-Einschlag. Immer wieder wird die 23-Jährige mit Pop-Größen wie TLC oder Lauryn Hill verglichen, was ihrem musikalischen Output tatsächlich sehr nahe kommt. So ließ sie sich für ihr DIY-Video zu „Bist du down“ von TLCs „What About Your Friends“ inspirieren und nennt zudem Left Eye und T-Boz als wichtige Frauenvorbilder. Ein smoother und tanzbarer, jedoch niemals künstlicher Vibe zieht sich durch die gesamte EP, die sich sowohl in den Playlists der Generation Snapchat als auch in denen einiger Musik-Nostalgiker wiederfinden könnte.

Thematisch auf Vier-Elemente-HipHop und Hedonismus konzentriert, bleibt eine politische Agenda auf „Tee Time“ allerdings komplett außen vor – auch wenn sie Ace Tee an anderen Stellen gerne aufgezwungen wird. Statt ihre ghanaischen Wurzeln oder soziale Herkunft zu thematisieren, wird Hamburg represented und die eigene Mode in all ihren Facetten zu Schau gestellt. Tarin Wilda, so Ace Tees bürgerlicher Name, stellt ihr Wissen rund um Ästhetik und Trends gerne in ihren Musikvideos zur Schau – auch bedingt durch ihren beruflichen Hintergrund als Hairstylistin. Unmöglich, ihr die Leidenschaft für diese Thematik nicht sofort anzusehen. Vorwürfe wie die der „Cultural Appropriation“ klingen da schnell banal und erzwungen. Überhaupt: Mode ist Kerninhalt von „Tee Time“. In „Nice aus“ stellt sie die Stilsicherheit ihrer Clique heraus, in „Jumpa“ widmet sie ihrem Lieblingskleidungsstück einen ganzen Song. Ein Schelm, wer die Verbindung zu ihrer kürzlich erschienenen H&M-Kollektion zieht.

Insgesamt fällt jedoch auf, dass „Tee Time“ bislang nicht den vermuteten Impact hinterlassen konnte, weder national noch über die Landesgrenzen hinaus. Ob es an der verschwurbelten Releasepolitik lag (ursprünglich war als Debüt ein Werk namens „Sip Slow“ für August angekündigt) oder daran, dass ihre Modelinie einen Großteil der Aufmerksamkeit um sie absorbierte – an den Erfolg von „Bist du down“ kann „Tee Time“ noch nicht anknüpfen. Zu oft verliert sich die EP in Selbstreferenzen an ihren großen Hit, sowohl textlich als auch in der Kopie des Erfolgskonzepts. Der bemerkenswerte Rapper Kwam.E steuert weiterhin jedem Track eine Strophe bei, „Bist du down“ selbst wurde durch einen neuen Remix noch mehr Platz eingeräumt. So ergibt die EP zwar ein stimmiges, rundes Gesamtbild, hinterlässt aber den Eindruck eines „Warm Ups“ auf das große Debütalbum. Dass dieses über kurz oder lang kommen wird, scheint indes mehr als gewiss.