„FML“: Landet Bausa seinen nächsten Hit?

Kein „Was Du Liebe nennst Vol. 2“ und auch keine neue Auflage von „Dreifarbenhaus“ – mit seiner neuen Single bewegt sich Bausa straight zurück Richtung in die 80er-Jahre. Seht hier das neue Musikvideo und erfahrt, wie der Rapper zum Massenphänomen wurde.
Still aus dem Musikvideo "FML"

Dass sich Deutschrapper gerne mal für eine Woche an der Spitze der Albumcharts festsetzen – geschenkt. Für acht Wochen eine Nummer Eins-Single in den Charts platzieren, das war im letzten Jahr dagegen eine kleine Sensation. Mit „Was Du Liebe nennst“ landete Bausa einen nationalen Hit, der quasi im Vorbeigehen einen Rekord nach dem anderen brach. Zuerst fiel die 20 Jahre alte Bestmarke von Tic Tac Toe, die sich bis dato am längsten mit einem Deutschrap-Song auf Platz Eins halten konnten, rapübergreifend war der Song gar die längstplatzierte deutschsprachige Nummer Eins seit zehn Jahren.

Seht hier das neue Musikvideo „FML“:

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass Bausa als Geheimtipp gehandelt wurde. Erst im April 2017 veröffentlichte er mit „Dreifarbenhaus“ sein spannendes Debüt, das keine Angst vor Musikalität und Kitsch hatte. Nicht nur, dass die meisten Songs auf dem Release von catchigen Hooks und Gesangseinlagen getragen wurden, viele der Instrumente spielte Bausa gleich selbst ein. Und auch live zählt der Newcomer zu den wenigen Rappern, die sich eine Band auf der Bühne leisten. Gehört eben dazu, findet er. „Ich will halt nicht diesen 0815-808-Mafia-Trap machen. Das war für mich von Anfang an klar. Auch wenn das gerade gehypt ist und das jeder hören will – das ist mir zu simpel”, sagt Bausa letztes Jahr kurz vor der Veröffentlichung von „Dreifarbenhaus“ in einem Interview. Als wesentliche Säulen für seine Musik nennt der Rapper damals Soul, Trap und Deutschrap. Man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man feststellt, dass seit neuestem eine großzügige Portion Pop mit dabei ist.

Das ist es auch, was Bausas Musik so faszinierend macht: Der Mix aus Pop und eigentlich so gar nicht poppigen Themen. Der Bietigheim-Bissinger erzählt von Besuchen im Stripclub, stark alkoholisierten Mädels und dreckiger Kiezromantik. Das „Dreifarbenhaus“ ist in Wirklichkeit ein stadtbekanntes Bordell im nahegelegenen Stuttgart. Schon im Intro seines Erstlings fällt auf, dass der Rapper keine einfache Vergangenheit hinter sich hat: “Mit elf Jahr’n zum ersten Mal mit Polizei Probleme. Geraucht, gekifft und gesoffen als ob ich dreißig wäre. Total auf Sendung im sozialen Brennpunkt und die Schule macht sofort beim Jugendamt Meldung. Kurze Zeit später waren sie bei mir daheim und steckten mich ohne zu fragen ins Erziehungsheim.“

Bausa beschreibt sein Aufwachsen in Bietigheim-Bissingen zweigeteilt – anfangs in einer Hochhausgegend in einem grauen, tristen Stadtteil, später in der idyllischen Altstadt. Genau dieser Gegensatz steht sinnbildlich für seine Musik, etwa als er sich in einem Stripclub nach den Beweggründen der Tänzerinnen fragt („Stripperin“) oder sich nach Beziehungsende als emotional gefestigt und unberührbar gibt („Medusa“). Positives und Negatives lassen sich in seinen Tracks nie unabhängig voneinander betrachten, sondern sind untrennbar miteinander verbunden. Klassische Motivationstracks oder schlichter Pathos, Fehlanzeige.

„Was du Liebe nennst“ katapultiert Bausa im Oktober dann endgültig in die A-Riege deutscher Pop-Musik. Über 65 Millionen Klicks stehen nach nur drei Monaten zu Buche, Hot-Rotation im Radio und Gold-Auszeichnung inklusive. Das kreative Musikvideo, inspiriert von Young Thugs Videohit zu „Wyclef Jean“, hat maßgeblichen Anteil daran, dass „Bauis“ Single viral geht – im Clip schmeißt er mit dem üppigen Produktionsbudget um sich und gönnt sich samt Crew Nobelhotel und Flugstunden. Spätestens jetzt ist Bausa omnipräsent, von der Bluetooth-Box auf dem Pausenhof bis in die großen Clubs der Hauptstädte. Seine Fanbase ist längst nicht mehr ausschließlich HipHop-affin, sondern setzt sich aus allen Ecken Deutschlands zusammen.

Nun folgt also „FML“. Es gilt, nicht in der Rolle des One Hit-Wonders steckenzubleiben. Statt jedoch mit ähnlichem Sound an den Mega-Erfolg anzuknüpfen, bewegt sich Bausa provokant zwei Jahrzehnte zurück. Gleich zu Beginn gibt es eine Warneinblendung, die folgenden Szenen könnten eventuell nichts mit Rap zu tun haben, daraufhin entlädt sich eine Salve poppiger Synthies, cheesy Drumsolos und Claps aus dem Computer und, natürlich, Gesang. In verrauchten Clubs und Kneipen gibt sich Bausa als jovial grinsender 80er-Popstar, der mit Michael Jackson-Gedenkjacke junge Mädchen verzaubert. Das ist kitschig, das ist stellenweise chauvinistisch, aber irgendwie funktioniert das Ganze. Und der Titel „FML“, übersetzt etwa „Scheißleben“, lässt durchblitzen, dass vielleicht doch nicht alles so perfekt ist, wie es die Inszenierung vermuten lässt. Alles beim Alten also.