8kids im Interview: „Wir sind das absolute Gegenteil von einer Proberaum-Band“

Die Darmstädter Combo 8kids hat mit ihrem Debütalbum „Denen die wir waren“ eines der spannendsten deutschsprachigen Post-Hardcore-Alben des letzten Jahres abgeliefert. Wir trafen das Trio um Shouter und Gitarrist Jonas Jakob, Gitarrist und Sänger Hans Koch und Schlagzeugerin Emma McLellan vor seinem Konzert in Stuttgart, um tiefer in den Kosmos der Band einzutauchen.
Foto von Mischa Lorenz

Neben Bands wie Fjørt, Heisskalt oder Marathonmann können 8kids als Teil einer neuen Post-Hardcore und Punk-Generation in Deutschland angesehen werden. Eine Generation, die für härtere Musik mit deutschsprachigen Texten steht und die gefragter denn je scheint.

Doch warum stößt genau diese Art von Musik aktuell auf so viele offene Ohren? Sänger Hans Koch hat eine Theorie: „Durch die viele deutschsprachige Musik im Radio ist man wahrscheinlich schon sehr übersättigt, aber man hat trotzdem auch das Bedürfnis, deutsche Texte zu hören. Aber durch die ganze Pop- und Radiomusik fühlt man sich doch wieder ein bisschen mehr zu so einem Nicht-Mainstream bzw. vor allem zu Rock oder Punkrock hingezogen. Die Leute wollen außerdem auch wieder etwas sagen, weil im Radio nur noch gesäuselt wird und nur noch Kalendersprüche fallen. Dass man sich dadurch auch eher wieder die Frage stellt: ‚Was ist die Alternativszene? Wer hat noch was zu sagen?‘, aber auch irgendwie auf Deutsch.“

Was den Sound der 8kids selbst so besonders macht, ist die stimmige Kombination aus Hardcore-Parts und Pop-Appeal. Jonas Jakob erklärt über diese besondere Mischung: „Klar kommen wir irgendwie alle aus der härteren Musik und das ist halt auch das, was wir lieben, deswegen machen wir’s ja auch. Aber wir waren alle in unseren musikalischen Laufbahnen schon in Pop-Projekten involviert. Von daher sind die Song-Strukturen schon oftmals relativ poppig und relativ eingängig.“

Eine weitere Säule des 8kids-Sounds bilden die emotionalen Lyrics, die teils in Eigenregie von Haupt-Songwriter und -Texter Hans und teils in gemeinsamer Arbeit der Band entstehen. Anfangs schrieb man, damals noch als Duo aus Hans und Jonas bestehend, die Texte ausschließlich auf Englisch. Irgendwann merkten beide jedoch, dass sie ihre Inhalte in deutscher Sprache präziser vermitteln können: „Es hat sich alles in eine emotionale Richtung entwickelt. Am Anfang war das schon wesentlich punklastiger und schneller und härter. Dann haben wir aber irgendwann gemerkt, dass das, was wir eigentlich wollen, ein bisschen ‚deeper‘ ist. Und es hat sich irgendwie angeboten, das auf jeden Fall auf Deutsch zu machen, weil wir jetzt auch alle keine Muttersprachler waren. Vor allem, wenn man die Leute auch erreichen will mit dem, was man von sich gibt, hat es dann so viel mehr Sinn gemacht“, erzählt Jonas.

In ihren Texten gelingt es der Band, tiefe Emotionen in poetische Worte zu verpacken – viel findet dabei auf einer metaphorischen Ebene statt. Trotz einiger persönlicher Bezüge empfindet das Trio seine Songs nicht als Seelen-Striptease. Jonas hält es dabei für besonders wichtig, den richtigen Grad zu finden – das, was die Band herausgibt, muss die jeweilige Emotion zwar klar und authentisch vermitteln, darf in seinen Augen jedoch nie so persönlich sein, dass es einen selbst angreift. Hans erklärt außerdem, dass die Lyrics, die aus seiner Feder stammen und im Endeffekt von Jonas geschrien werden, für ihn „eine andere Ebene“ bekämen. Er meint: „Ich würde die Texte wahrscheinlich anders schreiben, wenn ich sie selbst singen müsste.“

Was vor allem auffällt: Die 8kids treffen mit ihren Lyrics einen Zeitgeist. Emma glaubt, dass die Band in ihren Songs Inhalte thematisiert, die sehr aktuell sind und die Hörer bewegen – wie beispielsweise Depression und Suizid im Song „Kann mich jemand hören“. „Menschen wollen auch über Themen wie Depression reden. Ich glaube wir haben eine Zeit erreicht, in der man öffentlich über so etwas reden kann.“

Der gemeinsame Kreativprozess Band spielt sich hauptsächlich direkt im Studio ab. Emma hält lachend fest: „Wir sind das absolute Gegenteil von einer Proberaum-Band“. Stattdessen entwickelt Hans oftmals zunächst allein am heimischen Rechner erste rudimentäre Song-Strukturen und Arrangements und produziert die Tracks vor. Mit diesen Vorproduktionen, die laut Hans „so zu 80% stehen“, geht es anschließend mit den beiden Bandkollegen sowie Produzent und Tour-Bassist Kristian Kohlmannslehner ins Studio. Dort passiert „noch eine ganze Menge“, wie Jonas sagt. Emma ergänzt, dass trotz des Zeitdrucks beim Aufnehmen im Studio und dem „bestehenden Muster von Liedern“ immer noch genug Freiheit da ist, neue, teils komplett andere Dinge auszuprobieren. Manchmal hätten sich dabei schon Parts, von denen die Band anfangs nie gedacht hätte, dass sie in den Song passen könnten, als die Besten entpuppt, erzählt sie weiter.

Für die nähere Zukunft hat die Band erst einmal weitere Konzerte bzw. einige Festivalshows geplant – neuer musikalischer Output lässt allerdings auch nicht mehr lange auf sich warten, verrät Hans: „Wir waren gerade wieder im Studio und haben ein paar Songs aufgenommen. Man wird auf jeden Fall dieses Jahr ziemlich viel von uns hören.“