alinae lumr_Burg Storkow_04:2015

Im Sommer entsteht in der brandenburgischen Kleinstadt Storkow etwas Neues: Das Alínæ Lumr Festival heißt vom 21. bis 23. August zum ersten Mal Besucher und Bands in der 9000 Einwohner großen Gemeinde willkommen. Mit Auftritten von Asgeír, Hundreds, The/Das und einigen weiteren spannenden Künstlern präsentieren die Veranstalter ein sorgfältig ausgewähltes Line-Up, das zu einem wohl durchdachten Gesamtkonzept passt.

Besonders in den letzten Jahren scheint die Festivallandschaft in der Nähe zur Hauptstadt rasant gewachsen zu sein: Immer wieder entstehen neben etablierten Festivals wie dem Immergut in Neustrelitz neue Angebote, wie zum Beispiel das By The Lake oder eben das Alínæ Lumr Festival. Bei einem solch reichhaltigen Angebot stellt man sich schnell die Frage, ob in der Region überhaupt noch ein weiteres kleines Konzerterlebnis gebraucht wird. Organisator Markus Kather beantwortet diese Frage eindeutig. „Wir brauchen sogar noch viel mehr davon! Wer will im Sommer schon in miefigen Konzerthallen (oder in der O2-World!) rumhängen?“ Die Menschen hätten genug von Massenveranstaltungen, wofür der Erfolg der kleinen Festivals, auch im Berliner Raum, ein guter Beleg sei. Dass Kather und seine Kollegen, die allesamt aus Storkow und Umgebung stammen, mit dieser Meinung nicht alleine sind, beweist auch ein Interview mit Harvey Goldsmith, der das Ende der großen Festivals prophezeit.

Die Macher des Alínæ Lumr wollen mit ihrem Projekt zeigen, dass die brandenburgische Kleinstadt Storkow einiges zu bieten hat. „Ich würde mich freuen, wenn viele Besucher die verschiedenen Orte und das Programm mit uns entdecken. Das ist für mich auch eine Strategie, um neue Wege für Storkow und andere Kleinstädte aufzuzeigen, wo die Reise in Zeiten des demographischen Wandels hingehen kann. Wir wollen positive Akzente setzen und neue Ideen, auch Utopien, in die Stadt tragen. Die Besucher werden dann bestimmt auch etwas davon mit nach Hause nehmen. Und hoffentlich wiederkommen – im nächsten Jahr zum Festival oder auch einfach mal so, um in den See zu springen.“ Im Zusammenhang mit Storkow sprechen Sie auch offen davon, dass solch kleine Städte zumeist eine gewisse Langeweile ausstrahlen. Dass dies zuweilen auch ganz gut sein kann, lässt sich bereits seit einigen Jahren an der steigenden Akzeptanz des Berliner Umlandes erkennen. Auch Markus Kather denkt ähnlich und beschreibt, dass die Leute langsam mitbekämen, dass Berlin nicht am S-Bahn-Ring endet. „Man kommt ja beispielsweise mit der Bahn und dem Rad echt gut durch Brandenburg. Ich glaube, man verpasst was, wenn man das nicht mitnimmt: die Seen, die Wälder und auch die tollen Kulturveranstaltungen, die es gibt. Das sind ja nicht nur wir, sondern viele andere Sachen – das ist einfach eine super Ergänzung zum Leben in der Großstadt.“

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Schon wenn man auf die Website des Alinæ Lumr gelangt, wird man von einem liebevollen und bunten Design empfangen, das in gewisser Weise eine große Hingabe der Veranstalter vermittelt. Die spannenden Grafiken wurden von Skruvv gestaltet, der ebenfalls aus der Oder-Spree-Region stammt und zum Beispiel vor vielen Jahren auch das Design für das Mamallapuram entworfen hat. Die erwähnte Leidenschaft in allen Bereichen ist laut Markus Kather besonders wichtig, denn bei der Organisation eines solchen Projektes neben Arbeit oder Studium müsse man sich „meist gegen Mitternacht“ vor sich selbst rechtfertigen. Bei all dem sei Idealismus auch Realismus gewichen, denn schon mit 18 Jahren hätte das Team ein Festival veranstaltet und dabei einen „Reality Check“ bekommen. Trotzdem gehöre immer noch etwas Naivität dazu, denn „betriebswirtschaftlich ist es nicht das klügste, was man machen kann – Kultur in ländlicheren Gegenden.“ Dennoch sei die derzeitige Arbeit von Optimismus und  großer Vorstellungskraft geprägt: „damit man immer vor Augen hat, wie schön es wird, auch wenn es gerade viel Arbeit macht oder Sachen schief gehen.“ Rückschläge gehören zwar immer dazu, halten sich bei der Premiere des Festivals bis jetzt aber noch in Grenzen. „Wir haben eine Location nicht bekommen, ein leerstehendes Gasthaus in Storkow. Das wäre klasse gewesen, da das früher echt der Treffpunkt des Ortes war. Aber es gibt ja noch viele andere tolle Orte, die Alínæ Lumr nutzen wird.“ Genau diese verschiedensten Locations machen einen besonderen Reiz des kleinen Festivals aus. Es werden die Burg, Höfe, leer stehenden Läden und die Altstadtkirche bespielt oder in temporäre Bars mit besonderem Charme umgewandelt. Besonders die Höfe strahlen laut Markus Kather einen besonderen Charakter aus. „Die kannte ich zum Teil selbst gar nicht, obwohl ich meine ganze Kindheit und Jugend in Storkow verbracht habe. Bei schönem Wetter ist dann natürlich aber auch der See ein Ort, der extrem anzieht.“

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Auf die Frage, wo man sich mit dem Festival in fünf Jahren sehe, antwortet Kather: „Na hoffentlich geht das Festival dann ins fünfte Jahr und steht bei einigen Leuten, Gästen, Künstlern schon fest im Kalender. Ansonsten glaube ich nicht, dass es größer geworden ist, denn das ganze Konzept mit der Burg, den Höfen und der Kirche ist nicht auf so superviele Leute ausgelegt.“ Für eine verheißungsvolle Zukunft wird in diesem Jahr mit einem sorgfältig ausgewähltem Line-Up eine gute Grundlage gelegt. Neben Größen wie Asgeír oder Hundreds dürfen sich die Besucher auch auf Martin Kohlstedt, Tiere streicheln Menschen, Peter Broderick, Petula, Miss Kenichi, The/Das, Zelf, Owen Pallett, SEA + AIR, Mermonte, SDNMT, HELMUT, Chinawoman und Lùisa freuen. Schnell fällt bei diesen Künstlern eine gewisse Nähe zum Berliner Label Sinnbus auf. Die Veranstalter dazu: „Das ist ja irgendwie schon historisch so. Wir sind seelenverwandt!“ Doch egal ob Owen Pallett mit seiner Geige (Markus Kather über ihn: „Das haut mich von den Socken, dass der in Storkow ist. Schläft der eigentlich in der Storchenklause, oder was?„) oder Eva und Philipp Milner mit den Akustik-Versionen ihrer Songs – eins steht fest: Storkow wird im August um eine blühende Veranstaltung bereichert.

Text: Torben Hodan / Fotos: Alínæ Lumr Festival

Alínæ Lumr Festival

21. bis 23. August 2015 // Storkow Mehr Infos & Tickets