Angehört: eRRdeKa – „Paradies“

Der Augsburger Rapper liefert mit "Paradies" eines der interessantesten HipHop Alben des Jahres

Egal ob der Ursprung seines Pseudonyms, das Signing bei Prinz Pi’s Label „Keine Liebe Records“ oder die Vergangenheit seiner „Eyeslow-Crew“: Über den Rapper eRRdeKA lassen sich einige spannenden Geschichten erzählen, die wichtigste ist aber, dass er eines der interessantesten HipHop Alben des Jahres aufgenommen hat. Produziert von Max Mostley profitiert „Paradies“ von den verschiedensten Einflüssen und bewegt sich gekonnt zwischen Melancholie und Aufbruchsstimmung.

„Stroboskop“ eröffnet die Gratwanderung des Anfang Zwanzigjährigen, der mit der Zeile „Wir sind frei, Flieger im Wind, bis das letzte Häufchen Liebe im Tequila versinkt“ schnell auf den Punkt kommt. Genau über dieses Gefühl macht sich eRRdeKa Gedanken. Er weiß nicht wohin es gehen soll, trotzdem hat er aber eine ganz klare Vorstellung von dem, was er will. Letzteres ist auch ein Indiz dafür, dass er schon vor einiger Zeit mit seinen Freunden Big B und Janisis das Label Eyeslow Records gegründet hat. Neben der musikalischen Qualität steht auch das ansehnliche Design im Vordergrund: Meist auf die Farbe Schwarz fokussiert beweisen Shirts, Logos und Videos einen guten Geschmack. Wie soll es aber auch anders sein, wenn der Rapper gleichzeitig Mediengestalter ist. Bei seinen aktuellen Videos zu „Atme Ein Atme Aus“ und „Frau Für Eine Nacht“ kümmerte sich dazu ein gewisser Friedrich Kautz um Farbkorrektur und Skript, wodurch der Kreis endgültig geschlossen wird.

Mit „Das Meer Und Ich“ präsentiert der Augsburger Rapper eine andere Seite seiner Musik. Ruhig, nachdenklich und mit gesungenem Chorus „Für immer unterwegs Richtung Horizont und frage mich wann bin ich endlich angekommen? Kein Ende in Sicht!“ führt er die große Thematik seines Albums fort. Auf ganz andere Weise funktioniert dann aber der Track „Der Perfekte Beat“, auf dem kraftvolle Drums und Synthesizer härteren Vocals den Weg ebnen. Generell sind die Beats auf „Paradies“ eine Mischung aus elektronischer Musik und klassischem HipHop. Für eRRdeKa gehen diese beiden Genres nämlich ohne Probleme einher, was auch vom Augsburger Kollektiv „Monstaub“ unterstrichen wird, das der Rapper im Jahr 2012 mit zwei weiteren Freunden ins Leben gerufen hat. Regelmäßige Partyreihen mit ausschließlich elektronischer Musik gehören genauso dazu, wie die Produktion von eigenen Techno-Tracks. „Trust“ oder „Pure Love“ offenbaren musikalische Talente, die man so von einem Rapper nicht unbedingt erwartet hätte. Auch dieser Mut anders zu sein und sich auszuprobieren macht „Paradies“ zu einem besonderen Album, auf dem alles seinen eigenen Platz finden kann. „Diggi“ überrascht mit einer verzerrten Hook-Stimme, die man so zuletzt wahrscheinlich vor zehn oder fünfzehn Jahren gehört hat. Zusammen mit Prinz Pi und Olson hat es eRRdeKa im September auf das Juice-Cover geschafft, auf der beiliegenden „Keine Liebe Records Juice EP“ präsentierte er schon die Vorab-Single „Schwarz/Weiß“. Zwischen immer wieder auftauchenden, fast beruhigenden Raps neigt seine Stimme auch stets dazu auszubrechen. „Frau Für Eine Nacht“ ist dafür ein großartiges Beispiel.

Die Tracks „DXFXT“ und „Satan“ sind komplett verschieden, wissen dennoch in unnachahmlicher Weise zu überzeugen: Unaufgeregten Raps und einer entspannten Hook steht ein Track mit härteren Vocals gegenüber. Fast schreiend erzeugt eRRdeKa so auch mit „Satan“ eine eindrucksvolle Stimmung, die seiner Musik das gewisse Etwas verleiht. Zusammen mit seinem Produzenten hat der Rapper ein Album geschaffen, das nie langweilig wird. Sei es durch seine Beats oder durch die wandlungsfähige Stimme eRRdeKas, „Paradies“ überzeugt auf ganzer Linie. Viel wurde dieses Jahr schon über andere HipHop-Alben berichtet, mit Keine Liebe Records und der Eyeslow-Crew im Rücken setzt der Rapper unerwartet zum Überholmanöver an und lässt alle anderen hinter sich. Im Dezember ist eRRdeKA dann auch mit seinem neuen Album auf Tour:

03.12.2014 – Wien (B 72)
04.12.2014 – München (Ampere)
05.12.2014 – Stuttgart (Schräglage)
06.12.2014 – Köln (Underground)
07.12.2014 – Bremen (Tower)
08.12.2014 – Hamburg (Klubsen)
10.12.2014 – Kiel (Detail)
11.12.2014 – Hannover (Lux)
12.12.2014 – Dresden (Pushkin)
13.12.2014 – Berlin (Lido)
19.12.2014 – Augsburg (Musikkantine)

 

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