FUENF ALBEN

Fünf Alben aus dem Jahr 2014, die man sich anhören sollte. Mit: The War On Drugs, Hundreds, Trümmer, Warm Graves und Warpaint

Unzählige Magazine küren jedes Jahr die besten Alben der vergangenen 12 Monate, meist tauchen dann aber immer die gleichen Platten auf. Da wir da nicht mitmachen wollen und andere das sowieso viel umfangreicher machen, als wir es je könnten, präsentieren wir an dieser Stelle nur fünf Alben. Wie bei allen FUENF Listen ist es nicht unser Anspruch, die besten Werke des Jahres abzubilden, sondern nur ein paar Highlights herauszustellen. Vorhang auf für: The War On Drugs, Hundreds, Trümmer, Warm Graves und Warpaint!

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The War On Drugs – „Lost In The Dream“

14. März 2014 / Secretly Canadian

Adam Granduciel hat sich als Kopf von The War On Drugs knapp ein Jahr für die Produktion seines vierten Albums Zeit gelassen. Mit dem Vorgänger „Slave Ambient“ präsentierte die Band aus Philadelphia noch einen Sound, der von Hall, Klangteppichen und psychedelischen Momenten geprägt war, mit „Lost In The Dream“ hat sich dieser Dunst gelichtet. Zwischen träumerischen Gitarren und wummernden Bässen tauchen immer wieder 80er Dreampop-Elemente („Red Eyes“) auf, aber auch ein klassischer Rock-Sound mit eindrucksvollen Gitarrensolos („An Ocean In Between the Waves“) findet auf der Platte seinen Platz. Trotz aller Schwermut in Text und Musik schwingt immer auch eine positive Stimmung mit, die besonders in der Stimme von Granduciel ihren Ausdruck findet. Nach einer Stunde eindrucksvoller und abwechslungsreicher Stücke bleibt man mit dem sicheren Gefühl zurück, dass man gerade ein Album gehört hat, das auch noch in 20 Jahren seine Relevanz haben wird. „I’m in my finest hour, can I be more than just a fool, it always get’s so hard to seem bright, before the moon“

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Hundreds – „Aftermath“

14. März 2014 / Sinnbus Records

Die Geschwister Eva und Philipp Milner haben mit ihrem Album „Aftermath“ eine vierjährige Pause beendet, die nach ihrem Debüt im Jahr 2010 entstanden ist. Mit minimalistischen, elektronischen Songs schafften es beide damals sofort zu überzeugen, auf „Aftermath“ präsentiert das Duo einen neuen Entwurf ihrer Musik: Imposante Instrumentierungen paaren sich mit großen Melodien. Immer wieder kehren beide aber auch zu ihren stillen Pianokompositionen zurück, die von interessanten elektronischen Elementen und Eva’s sanfter Stimme profitieren. Die Songs wirken dabei allesamt sehr organisch und wissen immer wieder durch kleine Spielereien zu begeistern. Mal mysteriös, mal perfekt wie ein Uhrwerk liefern Hundreds ein Feuerwerk großer Gefühle, das besonders beim Titeltrack, bei „Ten Headed Beasts“ oder beim Touchy Mob Cover „Foam Born“ zum Vorschein kommt.

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Trümmer – „Trümmer“

22. August 2014 / PIAS Germany

Die Hamburger Gruppe Trümmer liefert mit ihrem Album ein Werk mit einer Strahlkraft, die es in dieser Form lange nicht im deutschsprachigen Indie-Pop/Rock gegeben hat. Der in Verbindung mit der Band lange Zeit durch den Raum geisternde Begriff der “Hamburger Schule” sollte spätestens jetzt auch von den letzten abgelegt worden sein. Die Band Trümmer beschreitet ihre eigenen Wege. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum treffen sie den Nerv einer Generation, sie starten eine Revolte. Paul Pötsch, Tammo Kasper und Maximilian Fenski schaffen mit „Schutt Und Asche“, „Wo Ist Die Euphorie“ oder „Papillon“ einen Schwebezustand und vermitteln dazu mit Zeilen wie „In all diesen Nächten, sind wir nicht brav sondern schlimmer, und wir werden niemals alt, nein wir bleiben so für immer” oder “Die Stadt zerfällt. Lethargie, Langeweile. Und du, du sagt kein Wort, du träumst nur von einem anderen Ort” eine eindeutige Botschaft. Ruhig, rockig, punkig. Man will sich nicht entscheiden, ebenso wenig will man sich anpassen. Trümmer. Eine der spannendsten deutschen Bands im Jahr 2014.

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Warm Graves – „Ships Will Come“

17. Oktober 2014 / This Charming Man Records

Wenn man von „Sci-Fi-Delic-Rock“ liest, stellen sich sofort einige Fragen: Wie genau klingt das? Was hat Science-Fiction dort zu suchen? Hört man aber “Ravachol”, den Opener vom Warm Graves Album „Ships Will Come“, werden diese Fragen schnell beantwortet. Das Debütalbum der Leipziger Band begegnet mit einer düsteren Stimmung, die von einem schallenden Chor getragen wird. Inhaltlich eng an dystopischer Science-Fiction-Literatur orientiert, bewegt sich das Trio mit dem Konzeptalbum stets zwischen treibend-repetitiven Percussions und eben dem erwähnten hallenden Chor-Gesang. Oftmals beginnen die Songs ohne spürbare Übergänge und werden zu langen Reisen (die Songs sind teils 10 Minuten lang) voll kühler und ungreifbarer Emotionen.  Egal ob der Titeltrack “Ships Will Come”, “Best Ezra” oder “Penumbra”: Tragende Rhythmen spiele ebenso wie breite Orgelteppiche eine große Rolle. Dass das Debüt von Warm Graves bei This Charming Man erschienen ist, kann dabei sicher kein Zufall sein, denn das Label steht schon länger für große Qualität.

 

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Warpaint – „Warpaint“

17. Januar 2014 / Rough Trade, Beggars

Warpaint war im Jahr 2010 die Hype-Band schlechthin, vier Jahre später haben Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa ihren Sound auf eine neue Stufe gehoben: Neben Folk-Rock und Disco-Elementen lassen sich auf ihrem selbstbetitelten Album auch Einflüsse aus dem HipHop finden. Schon das überragende „Keep It Healthy“ macht die große Qualität der Band deutlich und eröffnet die Möglichkeit, in eine sphärische Welt mit dezenten psychedelischen Sounds einzutauchen. Die vier Frauen haben ihr Album in einem Haus im kalifornischen Joshua Tree Nationalpark aufgenommen, immer mit dem Ziel im Blick, Kunst zu erschaffen. Dass dies gelungen ist, zeigt sich besonders bei den teils dreistimmigen Vocals oder den sich langsam aufbauenden Beats. Besonders die zweite Hälfte des Albums wird mit Songs wie „Drive“ oder „Son“ zu einem echten Highlight.

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