Angehört: Dagobert – „Afrika“

Der Sänger veröffentlicht sein zweites Album und war zuletzt auch bei WHAT I LOVE zu Gast
Foto von Victor Staaf

Seitdem Dagobert im Jahr 2013 sein selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlicht hat, ist etwas eigenartiges passiert: Seine so oft als „schnulziger Schlager“ bezeichnete Musik kommt bei einem Publikum an, von dem man eine Vorliebe für diese Art von Musik eigentlich gar nicht erwartet hätte. Vertreter der Indie- und HipHop-Szene outen sich als Fans von Songs wie “Morgens Um Halb Vier”, “Für Immer Blau” oder “Zu Jung”. Man könnte dem Musiker vorwerfen, die Geschichte um seine Einsamkeit in den Schweizer Bergen oder sein Auftritt im ZDF Fernsehgarten sei bis ins kleinste Detail so geplant, doch glauben kann man es nicht. Viel zu real und erhaben ist das Bild dieses Musikers, der mit seiner Vorliebe für Musik von den Scorpions oder Kreator, besonders aber mit seiner Erscheinung einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Schon zur Veröffentlichung des Debütalbums wurde bekannt, dass Dagobert Unmengen an Songs geschrieben hat. Von diesen finden jetzt einige auf seinem neuen Album “Afrika” Platz, das am 20. März bei Buback Tonträger erscheint.

Wie schon auf seinem selbstbetitelten Debüt singt Dagobert wieder von der Liebe, diesmal aber auf eine andere Art und Weise: Schon mit dem Titeltrack und Album-Opener zeigt der Sänger eine spannende, neue Seite und eröffnet Einblicke in eine Gedankenwelt voller Träume, Sehnsucht, aber auch Frohsinn. „Denn ich geh nach Afrika, mit meinem Herz bin ich schon da und singe mit den Affen“. Musikalisch bewegt er sich dabei auf wohl überdachten Wegen: Die Dienste seiner musikalischen Gäste Konstantin Gropper alias “Get Well Soon” oder Mille von Kreator sorgen immer wieder für Highlights, wie zum Beispiel die Gitarrenriffs in “Wir leben aneinander vorbei”. Produziert wurde das Album wieder vom Erfolgsgaranten Markus Ganter, der diese ebenso diversen wie großartigen Musiker mit Bedacht zusammenhält und seinen Status in der deutsche Musikszenen einmal mehr unter Beweis stellt.

„Frauen sind zum Heiraten da, dachte ich mir, als ich eine sah und sagte ihr: Wie wärs mit dir und mir?“ singt Dagobert in „Zehn Jahre“ und kehrt damit zu einem bekannten Sound zurück. Passend zu dieser Single wurde wohl das erste „Hochkant-Video“ der Gesichte produziert – Dagobert zeigt nicht nur musikalisch seine Innovationsfreude. In seinem WHAT I LOVE erzählt der Sänger von Lieblingsliedern und -künstlern, denen er mit seiner Musik Tribut zollt. Dem 50er-Jahre Star Doris Day hat er mit „Moonlight Bay“ eine einfühlsame Ballade gewidmet, die beispielhaft zeigt, dass man Dagobert keineswegs nur in eine Schlagerschublade stecken sollte. Eine ausgewogene Mischung aus Pop, Liebe, Banalität und filmreifer Musik wie „Am Natronsee“ kommt zwar ohne große Überraschungen aus, schafft aber trotzdem eine konstante Spannung.

Auch mit „Jenny“ beweist Dagobert seine Klasse und bestätigt die konstante Weiterentwicklung. Mal ist es ein Ausflug in den Chanson, mal sind es ruhige Klaviermelodien oder aufweckende Trompeten. Mit etlichen Referenzen und seinem zweiten Album wird das Phänomen Dagobert auch über die Grenzen Berlins hinweg seinen Weg gehen. Anfangs noch belächelt, zeigt der Sänger nun eine äußerst souveräne Seite, die auch die letzten Kritiker verstummen lassen sollte. Abseits des zu vernachlässigenden Schlagers erschafft sich Dagobert seinen eigenen Platz und wird seine neuen Lieder demnächst auch live vorstellen – das erste Mal mit kompletter Band.

ks-merch

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