Ein Tag auf dem Kosmonaut Festival 2015

„Das war ganz gut Karl-Marx-Stadt!“ - Bereits zum dritten Mal fand das von Kraftklub veranstaltete Kosmonaut Festival am Stausee Rabenstein in Chemnitz statt. Wir waren auf dem Gelände unterwegs und haben ein paar Eindrücke von den Konzerten gesammelt.
Kosmonaut Festival © 2015 Rakete Mit K GmbH

„Das war ganz gut Karl-Marx-Stadt!“ – Ein Samstag auf dem Kosmonaut Festival 2015

Das Kosmonaut Festival ist sowas wie der kleine Bruder, der jetzt doch schon 18 ist und Alkohol trinken darf – er wird größer, schöner und da sind immer mehr Mädchen um ihn herum. Zum dritten Mal haben Kraftklub gemeinsam mit Landstreicher Booking und Splash! Entertainment nun das Kosmonaut veranstaltet. In diesem Jahr war es mit gut 13.000 Besuchern ausverkauft, trotzdem herrscht eine angenehme Idylle am Stausee Oberrabenstein.

Für uns startet der Samstag leider sehr nass und sowohl für den Parkplatz, als auch für das Gelände gibt es nur ein Wort: Matsch. Das hält aber niemanden von seiner guten Laune ab. Als wir ankommen, spielen bereits Balthazar auf der Hauptbühne. Die Belgier sind eine fleißige Live-Band und spielen einfach jedes Festival, das sie kriegen können. Trotzdem verzaubern sie auch hier gewohnt die Menge mit ihren durchdachten und energetischen Songs. Highlight: Eine Caprisonne beim Ende von „Blood like wine“ in die Luft halten!

Auf der kleinen Noisey-Bühne – die wirklich klein ist – spielen im Anschluss RAZZ. Die vier Jungs sind eine der aufstrebensten deutschen Bands, werden von Radiosendern wie Fritz gefeiert und durften letztes Jahr sogar schon im Zelt vom Hurricane auftreten. Das Publikum hier ist merklich jünger. Direkt vor der Bühne steht gewohnt der harte Kern, dem der Sänger Niklas immer wieder zugrinst. RAZZ arbeiten derzeit noch an ihrem Debüalbum, trotzdem kennt man schon einige Songs von Youtube. Beim fulminanten Finale mit „Youth & Enjoyment“ geben RAZZ noch einmal richtig Gas und begeistern ihre Zuhörer. Highlight: Vier strahlende Jungs-Gesichter!

Auf Festivals darf eins nicht fehlen : Handbrotzeit. Wir legen eine kleine Pause ein und sind dann zu Vierkanttretlager zurück. Die nordische Band bringt zum Song „Fotoalbum“ alle vor der Bühne zum gemeinsamen Schunkeln – wunderbar! Highlight: Das schönste Cover des Tages : Vierkanttretlager spielen „Am Ende denk ich immer nur an dich“ von Element of Crime.

Zurück auf der Hauptbühne sammelt sich langsam der große Pulk für die letzten großen Bands. Den Anfang machen Annenmaykantereit. Die Band und besonders die raue außergewöhnliche Stimme von Sänger Henning May ist bereits der Schwarm aller Mädchen in Deutschland. Es wird souverän performt und hier sieht man, dass auch ruhige Songs ein großes Publikum umhauen können. Highlight: Zum Soundcheck singt einer der Jungs „Auf einem Baum ein Kuckuck“. Simsala bim…

https://vimeo.com/132093437

K.I.Z. leiten dann ein bombastisches Ende des Festivals ein. Zu ihrem pathetischen Intro, dem „Kannibalenlied“, stehen die Band sowie ein Gefolge in Uniform mit Gewehren im Anschlag auf einer kleinen Mauer auf der Bühne. Gewohnt ironisch bieten die drei Berliner eine saubere HipHop-Show. Auch wer die Songs nicht kennt, ist völlig aus dem Häuschen. Wer die Songs kennt, rastet nochmal ein wenig mehr aus. Highlight : Die vier übergroßen weißen Statuen auf der Bühne.

Letztes Jahr hatten sie sich eine Zwangspause selbst auferlegt und nun sind sie wieder zurück – Kraftklub ließen sich es nicht nehmen, ihr Festival selbst zu beenden. Zeitgleich wurde auf der Noisey-Bühne eine Pause eingelegt – vollkommen zurecht, das gesamte Gelände war voll mit Menschen, Seifenblasen und Konfetti. Und dann beginnen anderthalb Stunden pure Euphorie. Kraftklub erscheinen hinter einem riesigen Back-Drop und haben so gut wie alles an Lichttechnik, was auf der Bühne unterzubringen war, aufgefahren. Dem kleinen Größenwahnsinn sah man gerne zu. Egal ob die Jungs einen Radio-Hit oder andere Songs spielen – die Fans kennen jede Zeile und sind alle gemeinsam am Tanzen. Kraftklub sind ebenfalls in Feierlaune und geben vor der schönen Kulisse am Stausee ein tolles Konzert. Sänger Felix ermahnt ganz wie der besorgte Veranstalter den Typen im Publikum, der sein Bengalo-Feuer in die Menge schmeißt und zeigt ihm dann auch, wie man das richtig macht: schon zieht roter Rauch von der Bühne übers Publikum. Ein Highlight wird der Song „Karl-Marx-Stadt“, zu dem Band und Fans einmal zeigen können, dass Chemnitz gar nicht so ein schlechter Ort sein muss – „Das war schon ganz gut Karl-Marx-Stadt“, ruft Felix und fordert nochmal alle zum Springen auf.

Vor einer kleinen Pause im Set wird es noch skurril – ganz ironisch stehen Kraftklub wie angewurzelt auf der Bühne und spielen den langsamsten Song des Abends, während hinter ihnen so viel Konfetti und Feuer aus dem Boden kommt, dass man denken könnte, Kraftklub haben ihr gesamtes Budget dafür ausgegeben, die Bühne zum Explodieren zu bringen. Hinter uns sagt ein Kerl ganz trocken „Ah wir sind bei Rammstein“ und irgendwie hat er Recht. Nach einer kurzen Pause geht es dann in die finale Runde. Sänger Felix zeigt sich aufrichtig gerührt, dass einem fast die Tränen kommen könnten. Zum Ende stehen alle Bands und Veranstalter gemeinsam auf der Bühne und verabschieden sich von einem tollen Wochenende. Als erster Song nach dem Konzert läuft standesgemäß „Ich fühl mich Funky“ von Tic Tac Toe, zu dem die Jungs von Kraftklub eine besondere Beziehung haben. Highlight: Licht. Feuer. Konfetti. Irgendwie alles.

Kraftklub, Landstreicher Booking und Splash! Entertainment haben hier etwas sehr Schönes auf die Beine gestellt. Man kann nur hoffen, dass sie das Festival auch in den nächsten Jahren so wohltuend klein lassen wollen, mit der Liebe zum Detail für den kleinen Bruder.

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