White Wine im Interview: „Leipzig erinnert mich oft an Portland“

Ausgefallene und schräge Sounds stehen auf dem neuen Album von White Wine im Vordergrund. Im Interview spricht Sänger und Projektinitiator Joe Haege er über die Leipziger Musikszene und die Idee hinter "Who Cares What The Laser Says".

Joe Haege ist in den letzten Jahren viel herumgekommen, als Sänger von 31 Knots und Tu Fawning, aber auch als Mitglied von Bands wie Menomena und den Dodos. Sein ehemaliges Soloprojekt White Wine (zuvor: White Wine/Vin Blanc) hat er nach Fritz Brückner mittlerweile auch um Schlagzeuger Christian Kühr von Zentralheizung of Death erweitert. Am 25. März hat die Band das neue Album „Who Cares What The Laser Says“ bei This Charming Man Records veröffentlicht.

Im Jahr 2014 ist Joe aus den USA nach Leipzig gezogen – ein entscheidender Schritt in der Entwicklung von White Wine. „Fritz und Ich sind mit White Wine auf Tour gewesen, als es eigentlich noch gar keine richtige Band gab. Wir hatten so viel Spaß, dass ich mir vorstellen konnte, in Deutschland zu leben.“ Drei Wochen später habe Joe einen Anruf von Fritz erhalten, dass eine Wohnung neben seiner frei geworden wäre. „Ich hatte weder eine Freundin noch Kinder, also fiel mir die Entscheidung ziemlich leicht.

In Leipzig angekommen, hat Joe zusammen mit seinem Bandkollegen Fritz und Philipp Hülsenbeck (Sizarr, Doomhound) das Haunted Haus Studio eröffnet. Alle drei seien „lifetime musicians“, die allesamt aber auch eine große Liebe für Equipment und für die Aufnahme von Musik verspüren würden. „Was liegt da näher als ein eigenes Studio zu eröffnen“ sagt Joe. Philipp habe nun die unglückliche Position, dass er von zwei älteren Typen dazu überredet wurde, sein riesiges Talent in dieser wunderschön unnützen Welt einzusetzen. „Eines Tages wird er aufwachen und nicht wissen, wie ihm geschehen ist.“

Das Ziel ihres Studios sei, einen kreativen Platz mit Spielzeug zu schaffen, das nicht jeder zuhause habe. Außerdem wolle man mit Leuten arbeiten, die etwas nach außen tragen wollen, das es wert ist auf Festplatte oder Bandmaschine festzuhalten. „Ich möchte aber auch einfach mehr persönliche Emotionen und Gedanken festhalten.“ Mit Sizarr, Drangsal und Creams haben auch schon einige bekanntere Bands im Haunted Haus Studio aufgenommen. Zur Zeit produziere er mit Shed Ballet und Horror & Triumph aber auch zwei spannende Bands aus Leipzig, so Joe.

Leipzig erinnert mich oft an die Zeit, als ich nach Portland gezogen bin

Dass Leipzig ein pulsierender musikalischer Ort ist, machten in den letzten Monaten schon Bands wie Warm Graves, Fabian oder Zentralheizung of Death klar. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, warum Joe Haege gerne in der Stadt arbeitet. „Mich inspiriert das alles sehrLeipzig erinnert mich oft an die Zeit, als ich nach Portland gezogen bin. Hier gibt es so viele Musiker oder Künstler, aber niemand hat einen prägenden Stil entwickelt, den alle kopieren wollen.“ Er wisse nicht genau, ob die Leipziger Musikszene noch wächst – vorstellen könne er es sich aber. „Es wird wahrscheinlich eine Band geben, die zu irgendeinem Zeitpunkt gerade einmal ein Jahr in Leipzig gelebt hat, berühmt wird und dann von allen als Band mit dem Leipzig Sound beschrieben wird.“ Das alles sei für Joe aber nur nebensächlich. „Für mich ist die persönliche Weiterentwicklung viel wichtiger als mein Bekanntheitsgrad.“ 

Joe fühle sich zwar in Deutschland wohl, doch sei es ein „anderes Wohlfühlen“ als in seiner Heimat. „Manchmal vermisse ich, dass man mit Fremden schlechte Scherze in Cafés machen oder mit dem Hund von irgendjemandem sprechen kann, als wäre es ein Kind. Deutsche verstehen das nicht und denken, dass du geistesgestört bist.“ Das alles verdeutlicht auch das Thema des Albums. Der Laser im Titel „Who Cares What The Laser Says“ steht für die Zukunft. Joe hat festgestellt, dass die Menschen ihr Leben immer mehr von Technologie bestimmen lassen und dadurch vor allem Empathie abhanden kommt.

Ich bin nur ein mittelmäßig gebildeter, weißer Typ aus einer kulturarmen amerikanischen Vorstadt. Alles was ich weiß ist, dass mich sehr viel in unserer Welt verrückt macht. Ich sehe die Songs und das Album wie eine persönliche Fire-Wall.“ Die Songs „Zeitgeist“ und „Where’s My Line?“ seien dabei aber die zwei Stücke, die Haege nicht aus der Sicht einer dritten Person geschrieben habe. „Die Idee hinter den beiden Songs war, meinen Kopf frei zu bekommen.“ Es gebe so viele Menschen, die bei allem immer auf dem Laufenden sein wollen, dass er manchmal nicht mehr weiß ob er weinen oder lachen möchte, erzählt Joe.

Ich glaube Menschen und Tiere brauchten schon immer Musik, um zu fliehen

Durch die Musik auf ihrem neuen Album würden White Wine versuchen, eine neue Realität zu schaffen, in die man sich zurückziehen könne. „Es deprimiert mich total, wenn Leute Musik nur als etwas wahrnehmen, das für den Hintergrund oder für die perfekte Party erschaffen wurde. Ich glaube Menschen und Tiere brauchten schon immer Musik, um zu fliehen.“ 

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