Muso im Interview: „Warm, rot, klebrig – wie eine Amarena-Kirsche“

Knapp drei Jahre sind vergangen, seit Muso sein Debütalbum „Stracciatella Now“ veröffentlicht hat. Am 19. August ist mit "Amarena" sein lang erwartetes, neues Album erschienen. Im Interview spricht Muso darüber, welchen Einfluss ein Indie-Musiker auf sein Album hatte und welche Rolle Musik in seinem Alltag einnimmt.
Foto von Patrick Herzog

Als Muso sein Debütalbum „Straciatella Now“ beim Stutgarter Label Chimperator (u.a. Cro) veröffentlicht, bietet er damit einen Gegenentwurf zu vielem bekannten aus der HipHop-Welt. Produziert von Markus Ganter und Konstantin Gropper präsentiert er einen hedonistischen Soundtrack, der mit geradlinigem Pop, abgedrehten Sounds sowie Themen zwischen Selbstdarstellung und ausufernden Clubnächten eine ganz eigene Sparte eröffnet. Die Texte von Daniel Giovanni Musumecim, so Musos bürgerlicher Name, müssen dabei nicht zwangsläufig verstanden werden. Zeilen wie „Der Heidelberger Modezar, ich komm auf Designerdrogen klar“ oder „Nicht mehr tragbar, Bemühungen nicht nachweisbar. Motive unklar, ich nicht mehr vorzeigbar“ lassen ein Bild von Muso als vertrackten Lyriker entstehen.

Mittlerweile sind knapp drei Jahre vergangen, seit Musos Debütalbum “Stracciatella Now” erschienen ist und in der Zwischenzeit hat sich für den Rapper einiges verändert: Nachdem Muso als „das nächste große Ding“ gehandelt wurde, passierte nicht mehr viel. Es wurde ruhiger um ihn, sein Lebensstil in Heidelberg weniger exzessiv. Dazu wurde auch sein Vertrag bei Chimperator nicht verlängert. „Wege haben sich getrennt – wie das im Leben eben so ist. Im Grunde ist alles immer eine Frage des Timings. Manchmal passt es und manchmal leider nicht. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo eine andere“ sagt Muso über seinen Abschied vom Stuttgarter Label. Dass sich eine andere Tür geöffnet hat, zeigt nun auch sein neues Album „Amarena“, das am 19. August 2016 erschienen ist.

Mit „Amarena“ hat Muso seinen Sound stark verändert. Geholfen haben ihm dabei seine neuen Produzenten LO und Gianni Brezzo. Mit LO hat Muso schon zu „Straciatella Now“-Zeiten zusammengearbeitet, der Produzent unterstütze ihn zum Beispiel auch live auf Tour. „Gianni Brezzo habe ich dann zu einem späteren Zeitpunkt in Köln kennengelernt. Ein wahnsinnig talentierter Produzent, der schon ganz unterschiedliche Sachen gemacht hat – in völlig verschiedenen Genres, aber immer sehr dope. Er produziert sehr organisch und spielt fast alle Sounds selbst ein.“ Bei der Arbeit an seinem Album hätten sich LO und Gianni Brezzo dann perfekt ergänzt. Zum Beispiel habe LO Antonia aka Novaa in das Projekt eingebracht und sie einige Hooks einsingen lassen (u.a. für „0815“ und „Ultimatum“). „Gianni hat dann Carlos Hufschlag mit ins Studio geholt (u.a. für „Acid Trips auf Esspapier“ und „Kopf oder Zahl“). Ein ganz junger Typ aus Köln, der eigentlich mit seiner Band Woman englischsprachigen Indie-Pop macht“ erzählt Muso.

Es ist nicht mein Interesse möglichst abstrakte Kunst zu schaffen

Sein neues Album „Amarena“ klinge sicherlich weniger düster, exzessiv oder kryptisch als noch „Straciatella Now“, beschreibt Muso. „Mir war es wichtig mit der neuen Platte ein differenzierteres Bild mit einer breiteren Farbenpalette zu entwerfen und wenn es für den Hörer dadurch leichter zugänglich geworden ist, freut mich das. Es ist nicht mein Interesse möglichst abstrakte Kunst zu schaffen, auf die sich nur einige wenige einlassen, weil das Zuhören schlichtweg zu anstrengend ist.“ Ebenso positiv und entspannend wie die türkise Farbe des Album-Covers präsentiert Muso eine Mischung aus optimistischen und hellen Klängen. Er selbst beschreibt den Sound seines neuen Albums treffend als „warm, rot, klebrig – wie eine Amarena-Kirsche oder wie ein kosmisch türkisfarbenes Weezy.“

Bei all dem sind nicht nur die düsteren und kryptischen Klänge positiven Vibes gewichen, sondern Muso selbst hat auch stark an seiner Art zu Texten und zu Rappen gearbeitet. „Ich achte mehr auf Melodien versuche meine Stimme gezielter einzusetzen und mehr damit auszuprobieren. Beim Schreiben achte ich auf ein ausgewogenes Verhältniss von Text und Melodie, versuche auch mal klare Formen und Wiederholungen einzubringen.“ Er erzählt, dass er auch auf persönlicher Ebene einige Dinge in seinem Leben neu sortieren musste. „Vielleicht auch die Frage, was die Musik eigentlich für eine Rolle in meinem Leben spielt.“ Ihm sei klar geworden, dass er seinen Alltag nicht mehr mit der Musik finanzieren, sondern vielmehr seinen Alltag mit der Musik verarbeiten möchte. „Ohne zu Leben, ohne die Emotionen, ohne die Eindrücke und Erfahrungen kann ich keine Musik machen. Ich habe keinen Bock dem Hype hinterherzurennen oder einen Song mit „from 9 to 5“-Attitüde anzugehen.

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