So war es beim Reeperbahn Festival 2016

Zum elften Mal fand vom 21. bis 24. September 2016 das Reeperbahn Festival statt. Wir waren in Hamburg unterwegs und konnten einige Highlights sehen.
Foto von Lisa Meinen

Mit einem viertägigen Musikmarathon hat das Reeperbahn Festival in diesem Jahr einmal mehr bewiesen, dass aus der Kombination von neuen Talenten, gestandenen Stars wie Biffy Clyro und Craig David sowie einem einzigartigen Flair „auf dem Kiez“ ein ganz besonderes Festivalerlebnis entstehen kann. 38.000 Fans und Fachbesucher kamen zwischen Spielbudenplatz und Feldstraße in 80 verschiedenen Venues zusammen und brachten dem Clubfestival einen neuen Besucherrekord ein. 

Wie auch im Jahr 2015 zeigte das Reeperbahn Festival, wie breit gefächert die aktuelle deutsche (Indie-)Musikszene aufgestellt ist: Tristan Brusch begeistert nicht nur mit einem Gastauftritt von Maeckes, sondern hat auch große Ambitionen zum unpeinlichen Retro-Schlager-Star heranzuwachsen (nicht Helene Fischer, sondern Hildegard Knef!). Von Wegen Lisbeth besingen die Peinlichkeiten und Tücken der Gegenwart in so ansteckenden Pop-Songs, dass die Große Freiheit niemand ohne Ohrwurm verlässt, während Carlos Cipa am Flügel zeigt, dass Klassik und Pop sehr wohl zueinanderfinden können. Bereits am Festival-Donnerstag haben dazu Der Ringer mit ihrem Soft-Punk in der Prinzenbar für einige Gänsehaut-Momente gesorgt. Obwohl während des Sets der Strom ausfiel, überzeugt die Band mit ihrer einzigartigen Klanglandschaft und Songs wie „Schwarm“ oder „Glücklich“. Daneben überzeugte auch noch einige „alte Bekannte“ wie Drangsal, der gleich zwei Mal auftrat, oder der Münchener Band Kytes, die erst vor wenigen Tagen ihr Debütalbum „Heads and Tales“ veröffentlicht hat.

Der Ringer, Foto von Lena Meyer
Der Ringer, Foto von Lena Meyer

Chanson im Rock-Gewand

Wer dieses Jahr auch wieder den Trip zum Flakturm IV, etwas abseits der Reeperbahn, gewagt hat, wurde mit einem bunten Programm belohnt: Grouplove rollten am Donnerstag im Uebel & Gefährlich zu ihrer Coverversion von „Sabotage“ über den Boden. Und auch im restlichen Set glichen sie durchschnittlichen Indie-Pop-Rock damit aus, dass sie einfach Bock auf das Konzert hatten und feierten. Am gleichen Tag fand im Terrace Hill die Virgin Night statt, bei der Max Richard Leßmann seinen Einstand als Solokünstler gab. Den meisten dürfte er als Sänger der Husumer Indie-Rock-Band Vierkanttretlager ein Begriff sein, jetzt wagt er sich mit deutschsprachigem Pop in neue Gefilde vor. Zusammen mit seiner Band verpackte Leßmann Texte mit Chanson-Einschlage à la „Sie trinkt, sie raucht, sie riecht gut. Sie sieht ein bisschen so aus wie Brigitte Bardot“ oder „Seit du da bist, kenn ich keine noch so kleine Langeweile“ in eine Rock-Show, bei der sogar ein Bläser-Duo nicht fehlen durfte. Das Programm im Resonanzraum beendete am Samstag Rival Consoles mit sanft-treibender Elektronik, zu der sich so einige Besucher von ihren Stühlen erhoben, angefixt für eine lange Nacht in Hamburgs Clublandschaft.

Foto von Ben Baumgarten

Foto von Ben Baumgarten

Max Richard Leßmann, Fotos von Ben Baumgarten
Max Richard Leßmann, Fotos von Ben Baumgarten / Virgin Records

Ein neuer Preis für aufstrebende Künstler

Im Rahmen des Reeperbahn Festivals fand zum ersten Mal die Verleihung des Anchor Awards statt. Mit dem Preis sollen von nun an jedes Jahr besonders vielversprechende Künstler, Künstlerinnen oder Bands ausgezeichnet werden. Eine sechsköpfige Experten-Jury (u.a. bestehend aus Tony Visconti, James Minor und Emiliana Torrini) kürte, nachdem die acht Nominierten an mehreren Tagen ihr Können bei Auftritte vor Publikum und Jury bewiesen hatten, den Schweden Albin Lee Meldau zum Gewinner. Im gut besuchten Imperial Theater sorgte er schon Donnerstagnacht mit einer schauspiel-artige Performance für einen der Tageshöhepunkte: Neben seiner prägnanten Stimme, die in Höhen wie Tiefen unter die Haut geht, verlieh den souligen Singer/Songwriter-Klängen auch Albins starke Gestik ihren emotionalen Ausdruck. Wir gratulieren zu einem verdienten Sieg gegen eine nicht weniger aussichtsreiche Konkurrenz wie Woman, Conner Youngblood oder Shame.

Drangsal, Foto von Lena Meyer
Drangsal, Foto von Lena Meyer

Das Reeperbahn Festival 2017 findet vom 20. bis 23. September statt.

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