„So nice, dass es keiner begreift“: Auf der Release Party von Dat Adam in Köln

Nachdem sie ihre Youtube-Kanäle an den Nagel gehängt haben, widmen sich Dat Adam einer Cloud-Rap-Karriere. Mit ihrem Debütalbum "Hydra 3D" ist das Trio gerade auf Platz fünf der Albumcharts eingestiegen. Wir waren auf der Release Party in Köln und sind aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen.
Foto von Vitali Gelwich

Köln-Ossendorf, Donnerstagabend: Dort, wo sonst Qualitätsformate wie „Big Brother“ oder „Let’s Dance“ entstehen, laden heute Taddl und Ardy, zwei ehemalige YouTuber, sowie Marley, ihr Produzent, zur Record Release Party ein. Als Dat Adam stehen sie kurz vor der spontanen Veröffentlichung ihres Debütalbums „Hydra 3D“. Die drei Kölner bezeichnen ihre Musik als „Cyber Rap“, andere würden es vielleicht „Cloudrap für BRAVO-Leser“ nennen.

Das umgebaute TV-Studio, in dem die Party steigt, scheint in etwa für die Zielgruppe 5-50 konzipiert zu sein. Neben der menschenverlassenen Hüpfburg versuchen sich ein paar Gäste zögerlich an Pac-Man, Flipper und Airhockey. Das Büffet auf der gegenüberliegenden Seite stammt wohl direkt aus Martha Stewarts bald erscheinendem Kochbuch „Cooking For Business People Who Don’t Like Food“ und die Bar serviert Drinks in blinkenden Einmachgläsern. Während die Gäste die Reizüberflutung mit Häppchen und Gin Tonic zu verdauen versuchen, startet der Abend auch schon mit der Videopremiere zur Single „Hydra 3D“.

Das Space Video passt perfekt zum Stempel des „Cyber Rap“, den sich die Wahlkölner selbst auferlegt haben, wirft aber zwei große Fragen auf: Ist die Ähnlichkeit zu Michael und Janet Jacksons Video „Scream“, dem teuersten Musikvideo aller Zeiten, gewollt (oder gar bekannt)? Und wie oft kann man eigentlich das Wort „nice“ in einem fünf Minuten Track unterbringen?

Nach der Präsentation des Videos folgt die Albumpremiere. Fünfzehn Tracks liefern Dat Adam auf ihrem Debüt „Hydra 3D“ und machen Bon Ivers neuer Platte hinsichtlich Benennung schon fast Konkurrenz. Doch da hört die Ähnlichkeit von Justin Vernons Musik mit Songs wie „horrible_person“ oder „NEXTLEVELSHIT“ auch schon wieder auf. Die drei Jungs scheinen ihre Hausaufgaben im Kurs „How To Be Hip“ gemacht zu haben. Autotune, japanische Schriftzeichen und 90s-Referenzen finden ihren Platz auf dem Album und doch wirkt es ein wenig wie Bulimielernen: Alles wird aufgesogen, um es dann mit einer Prise Mainstream wiederzukäuen. Die eigene Kreativität bleibt auf der Strecke. Und mit Texten wie „Noch immer nice, nice, nice. Noch immer die nicesten Vibes, so nice, dass es keiner begreift. Wir droppen das heißeste Fire, und geben keine Fucks. Noch immer keine Fucks. Das Spaceship macht Rrrn! und die Fingergun macht Grah!“ konnte auch nichts mehr gerettet werden.

Als das Pre-Listening endet, greift Produzent Marley zum Mikrofon und kündigt für etwas später noch ein Live-Set des Trios an, doch die Halle scheint sich schon zu leeren. Nach einem letzten Gin Tonic machen wir uns auf den Weg und hören dabei den neuen Crack Ignaz Track an. In der Bahn weg aus Köln-Ossendorf.

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