Junge Römer: Wien feiert Falco

Modeselektor, Yung Hurn, Mavi Phoenix, Flut und viele andere "junge Römer" haben eine Woche lang den 60. Geburtstag von Falco gefeiert. Bei Konzerten und Clubabenden wurde klar, warum Österreich seit einiger Zeit der musikalische "place to be" ist.
Young Hurn im WUK Wien, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool

Am 19. Februar 2017 wäre Hans Hölzel alias Falco 60 Jahre alt geworden. Der gebürtige Wiener starb im Jahr 1998 bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik, eroberte in den Jahren zuvor aber die internationale Musikwelt. Vom 23. bis 29. Januar haben sich einige Musiker aufgemacht, die Legende Falco zu feiern.

Die Idee hinter dem von der Red Bull Music Academy initiierten Projekt „Junge Roemer“ lässt sich dabei einfach erklären: Internationale gestandene Künstler und aufstrebende österreichische Musiker konnten einige Tage im Jagdschloss Pellendorf mit den Original-Tonspuren von Falcos ersten drei Alben („Einzelhaft“, „Junge Roemer“ und „Falco 3“) arbeiten. So entstanden Neuinterpretationen großer Hits, die dann in den letzten vier Tagen im Rahmen von Konzerten und Dj-Gigs präsentiert wurden. Einige neue Versionen des Falco-Erbes sollen bis Mitte Februar auch in einer Compilation veröffentlicht werden.

Teilehmer der Red Bull Music Academy "Junge Roemer" im Schloss Pellendorf in Pellendorf, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
Red Bull Music Academy „Junge Roemer“ im Schloss Pellendorf, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
Mavi Phoenix und Alex the flipper im Schloss Pellendorf, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
Mavi Phoenix und Alex the Flipper im Schloss Pellendorf, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool

Das Festival wurde am Donnerstagabend im eindrucksollen Ambiente des Wiener Ballhauses von den Burgtheater-Schauspielern Mavie Hörbiger und Philipp Hauss eröffnet, die in ihrer Lesung Songtexte von Falco vortrugen. Ein erstes Highlight der Woche zeichnete sich dann aber wenige Stunden später im Club U4 ab: Dort, wo Falcos Karriere an Fahrt aufnahm, standen hervorragende Künstler auf der Bühne und an den Plattentellern. Den Anfang machte Techno-Pionier und DJ Patrick Pulsinger, der als Produzent zum Beispiel mit Gerard, aber auch mit den ihm nachfolgenden Acts Flut und Minisex zusammenarbeitete. Flut versetzten nach seinem Set das Publikum mit einer eindrucksvollen Show in Exstase. Mit den Worten „Lasst die Festspiele beginnen“ eröffnete Sänger Johannes Paulusberger das Konzert und spätestens mit den letzten Akkorden ihrer eindrucksvollen Coverversion von Falcos „Auf der Flucht“ hatten Flut das Publikum komplett in der Hand. Dass hier eine äußerst spannende Band heranwächst, lässt sich auch schon an dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Song „Linz bei Nacht“ erkennen. Von diesen 80s-Sounds wird man in Zukunft ganz sicher noch viel mehr hören. Fluts Meinung zu Falco? „Obwohl zu Falcos Zeit eine österreichische Produktion meistens anders geklungen hat, (…) hat er diesen Sprechgesang in den New Wave reingebracht – er war eine Art Pionier und natürlich ein Charakter.“

Nach einem Auftritt der österreichischen Kult-Formation Minisex, die schon unter frenetischem Applaus auf die Bühne kam, warteten Modeselektor mit einem Set zwischen Techno, Electro und Hip-Hop auf die Besucher. Inmitten ihres Gigs hallte auch die Stimme Falcos durch den Raum – Modeselektor präsentierten einen mitreißenden Remix von „Jeanny“.

Flut im U4 Wien, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
Flut im U4 Wien, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool

Die Linzer Musikerin Mavi Phoenix eröffnete am Freitagabend die Festivitäten in der Grellen Forelle und stellte dort einmal mehr unter Beweis, warum sie auf dem besten Weg ist, mit ihren Songs auch international für Aufsehen zu sorgen. Bereits im Jahr 2014 hat sie als Schülerin ihre Debüt-EP „My Fault“ veröffentlicht und darauf eine Mischung aus HipHop, RnB und elektronischem Pop präsentiert. Tracks wie „Green Queen“ oder „East To West“ ließen bereits ihr großes Talent erahnen. Im letzten Jahr hat Mavi Phoenix dann einige Konzerte mit Bilderbuch gespielt und das Video zu „Quiet“ veröffentlicht, das ein Vorbote ihrer kommenden „Young Prophet“ EP ist. Mit Zeilen wie „Make the world go quiet, oh so fucking quiet. They say you are shy, but their words make you tired“, klugen Beats und Einflüssen von Auto-Tune zeigt sie ein Gespür für zeitgemäße, urbane Popmusik. Ihre Songs setzte sie in einer selbstbewussten und energetischen Live-Show um, bei der sie von ihrem Produzenten und DJ Alex The Flipper unterstützt wurde. Gegen zwei Uhr Nachts trat dann Carl Craig an die DJ-Kanzel und startete mit sphärischen Sounds in sein Set. Die Techno-Legende aus Detroit spielte später auch einen Remix des frisch von der Band Flut eingespielten Falco-Songs „Auf der Flucht“.

Mavi Phoenix in der Grellen Forelle Wien, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool
Mavi Phoenix in der Grellen Forelle Wien, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool

Das Kontrastprogramm zum Clubabend in der Grellen Forelle lieferten Ernst Molden und Nino aus Wien am Samstagabend im Casino Baumgarten. Mit ihrem von Coverversionen gespickten Auftritt zollten sie nicht nur Falco Tribut, sondern huldigten auch Künstlern wie Johnny Cash, David Bowie oder Bob Dylan. Mit zwei Gitarren, ihren charismatischen Stimmen und Hits wie „Ganz Wien“ und „Nachtflug“ eroberten sie das Publikum.

Den krönenden Abschluss des Festivals bildete jedoch das Konzert von Yung Hurn im WUK – eine Show, auf die schon viele Besucher seit langer Zeit hingefiebert haben und die dementsprechend restlos ausverkauft war. Nach einem kleinen Warm-Up seines DJs kam Yung Hurn rappend die Treppe zur relativ dunklen Bühne herunter. „Und ich fahr durch die Nacht und ich fahr durch die Stadt“ sang das Publikum den Track „Ferrari“ von der ersten Minute an lauthals mit. Während des Konzertes wird immer wieder der Name des Wiener Bürgermeisters Michi Häupl skandiert, irgendwann fliegen riesige, aufgeblasene Wodkaflaschen durchs Publikum und als Yung Hurn während seiner Zugabe den Hit „Bianco“ anstimmt, ist das Publikum vollends aus dem Häuschen.

Das einzige was man Yung Hurn an diesem Abend vorwerfen kann: Während seines Gigs stellt er sich den Besuchern nicht in Gänze. Sein Gesicht ist aus der Mitte des Saals nur schwer zu erkennen und der Cloud-Rapper bewegt sich in seiner Wohlfühlzone – die Entourage stets im Rücken wissend. Und so wandert er von links nach rechts und präsentiert ein kurzes aber knackiges Set, das von einem durchgängigen Schwebezustand profitiert und an diesem Abend vor diesem Publikum hervorragend funktioniert. Und auch Falco hätte wahrscheinlich seinen Spaß gehabt, denn „Junge Römer tanzen anders als die andern“.

Young Hurn performs at the Red Bull Music Academy Junge Roemer at the WUK Vienna, Austria on January 29th, 2017 // Matthias Heschl/Red Bull Content Pool // P-20170130-00129 // Usage for editorial use only // Please go to www.redbullcontentpool.com for further information. //
Young Hurn im WUK Wien, Foto von Matthias Heschl/Red Bull Content Pool

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