Gurr im Interview: „Bands in denen Frauen am Mikrofon sind steckt man schnell in eine Schublade“

Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins haben Ende 2016 ihr Debütalbum „In my Head“ veröffentlicht. Elf mitreißende und melodiöse Songs, die an Surfmusik und frühen Garagerock der sechziger Jahre erinnern. Wir haben mit den beiden Gurrl’s über die Bedeutung von Girlbands, ihr Debütalbum und Oasis gesprochen.
Foto von Johanna-Maria Fritz

Eure LP „In my Head“ erschien Ende 2016. Erzählt mir was zu eurem Debütalbum.
Laura: Anfangs war es für uns schwierig, das Album unter ein bestimmtes Thema zu stellen, zumindest haben wir so zuvor noch nie gearbeitet. Die Songs verbindet eine subjektive Sichtweise auf die Welt, eine Art Kopfkino das von Charakteren handelt, die wir in Berlin und den USA kennengelernt haben.

Andreya: Wir haben das Album analog im Funkhaus Berlin aufgenommen, was eine völlig neue Herausforderung für uns war. Bei digitalen Produktionen spricht man gerne von „we fix it later“, weil man alle Takes im Nachhinein noch bearbeiten kann. Bei analogen Aufnahmen ist das natürlich nicht der Fall. Manchmal haben wir fünf Takes eingespielt und uns dann für einen entschieden, der zwar nicht perfekt eingespielt war, aber am besten klang. Für die Postproduktion haben wir uns kaum Zeit genommen! Hätten wir uns damit länger beschäftigt würden wir das Album jetzt hassen.

Wie würdet ihr den Sound von „In my Head“ mit fünf Worten beschreiben?
Andreya: Indie, Lo-Fi Produktion mit Charme, oder besser mit Schamhaaren! (lacht)

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Andreya: Wir beide haben Nordamerikastudien studiert und uns an der Universität kennengelernt. Außerdem verbindet uns ein gemeinsamen Freundeskreis.

Habt ihr direkt begonnen gemeinsam Musik zu machen?
Andreya: Ich war zu Beginn noch in einer anderen Band. Laura und ich sind dann ein Jahr lang gemeinsam durch England gereist. Danach haben wir zum ersten Mal in den Noisey Rooms an der Warschauer Straße zusammen gespielt.

Und wann standet ihr zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne? Und zu welchem Anlass?
Laura: Kommt darauf an wie man Bühne definiert? (lacht) Unser erstes Konzert war im Juni 2012 bei der Hausparty von einem gemeinsamen Freund von uns. Er hat eine Charity Party für Argentinien veranstaltet. Zu diesem Anlass haben wir das erste Mal gemeinsam drei Songs performt. Anschließend haben wir aber auch relativ schnell in Clubs wie dem SO36 und White Trash in Berlin gespielt. Da haben wir uns die Bookings noch selbst verschafft, was relativ gut funktioniert hat. Bis dann das Burnout kam! Nein, Scherz. (lacht)

In einem Interview von euch hab ich gelesen, dass ihr euch nicht gerne als „Girlband“ bezeichnet, aber euer Bandname spielt mit dem Wort „Girl“. Wie kann ich das verstehen?
Laura: Es geht uns nicht direkt um das Wort oder die Bedeutung von „Girlband“, sondern vielmehr darum, in welchen Kontext es gestellt wird.

Andreya: Wenn beispielsweise ein Magazin uns fragt: „Wie ist es denn als Girlband auf Tour zu sein“, das nervt uns. Klar sind wir eine Girlband, aber das hat nichts damit zu tun, was wir für Musik machen oder wie wir uns präsentieren.

Leider gibt es viel zu wenige Girlbands. Woran liegt das eurer Ansicht nach?
Laura: Ich glaube, dass es viele Girlbands gibt, die aber alle relativ “unsichtbar“ sind. Zumindest was die Line-Ups der Festivals angeht, stößt mir das immer wieder auf. Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass die Promoter und Booker zu 90 Prozent männlich sind? Aber Bands in denen eine Frau am Mikrofon steht, steckt man schnell in eine Schublade. So gibt es dann extra „Girlband Festivals“, statt dass ein Booking einfach eine ausgewogene 50 zu 50 Quote präsentiert. Das ist echt albern.

Welche weiblichen Künstlerinnen schätzt ihr besonders und warum?
Andreya: Ich liebe Grimes.

Und wie findest du ihr neues Album?
Andreya: Ich habe es voll abgefeiert!

Laura: Angel Olsen finde ich toll.

Andreya: Und natürlich auch Lady Gaga. Aber auch Bands wie Hinds oder Courtneys, mit denen uns ein ähnlicher Sound verbindet, schätzen wir sehr.

Welche Textzeile von einem eurer Songs würdet ihr euch tätowieren lassen?
Andreya & Laura: Underage drinking, fucking around.

Wie erinnert ihr euch an die Musik, die eure Jugend geprägt hat und was davon hört ihr noch heute?
Laura: Oasis, für immer! (lacht) Mein Traum wurde neulich Wirklichkeit und ich hab Liam Gallagher kennengelernt.

Oh wow! Wo?
Laura: Bei der Premiere von „Supersonic“ in Berlin. Das war grandios!

Andreya: Le Tigre hab ich in meiner Jugend viel gehört und höre ich auch jetzt wieder. Deren Album „Feminist Sweepstakes“ hab ich mir damals für 17 Pfund gekauft. Ich bezweifle allerdings, dass ich die Lyrics in meinen jungen Jahren schon verstanden habe, aber den Sound fand ich super.

Ihr seid aktuell auf Tour. Wie ist es?
Laura: Dieses Mal empfinde ich es zum ersten Mal als anstrengend. Sonst haben wir nur in Deutschland getourt und auf der aktuellen Tour spielen wir auch viel in UK, damit sind natürlich weite Fahrten verbunden.

Andreya: Leider sehen wir auf Tour immer nur wenig von den Städten in denen wir spielen. Das ganze Tourleben ist aber immer sehr spaßig.

Hattet ihr ein besonderes Erlebnis auf Tour?
Andreya: Ich hab mir in London bei American Apparel im Sale eine Stunde vor unserem Konzert einen Glitzer-Overall für 14 Pfund gekauft. Das war mein Highlight!

Laura: Da bei unserem Konzert in London auch richtig viele Fotografen vor Ort waren, gibt es jetzt einige Aufnahmen für die Ewigkeit, von Andreya in ihrem Glitzer-Schnäppchen.

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