Anti Alles – Sero veröffentlicht sein Debütalbum „One and Only“

Berlin, Schmelztiegel aller Kulturen. Wenn bereits die Tracklist eines Deutschrap-Albums vier Sprachen zusammenführt, schaut man genauer hin. Sero präsentiert auf seinem Debüt "One and Only" einen eigenen Soundentwurf von zeitgenössischem Rap.
Foto von Adopekid

Vor einigen Monaten findet Seros 3-Track-Demo-Tape den Weg in das Büro von Four Music. Nach angefangenem Studium in den Bereichen Psychologie, Regie und Wirtschaftsingenieurwesen ist es für den Rapper der nächste (und möglicherweise finale) Versuch, in diesem Leben Fuß zu fassen. Im Juli 2016 erscheint mit „Holy“ dann der erste Track von Sero – inzwischen mit Major-Deal im Rücken – und die Lobeshymnen überschlagen sich. Jetzt hat er ohne große Vorankündigung sein Debütalbum „One and Only“ veröffentlicht.

Was bei diesem Debüt sofort auffällt: Es Album möchte live gespielt werden. Das ist insofern nur logisch, schaut man sich nur einmal die clubtaugliche Entwicklung Deutschraps und die boomenden Liveshow-Erfolge von etablierten Künstler an. Nahezu jeder zweite Song von Sero beinhaltet statt einer gerappten Hook oder einer eingängigen Gesangslinie mächtige Drops, die einen schon beim ersten Hören über die exzessiven Livereaktionen orakeln lassen.

„Wenn du schon keinem Klischee entsprichst, dann erschaffe eben deine eigene Welt. Mein Ziel war, so zu rappen, wie ich es will und nicht wie andere es von mir erwarten.“

Ratternde Snares, Bässe im niedrigsten Frequenzbereich und eine unüberschaubare Bandbreite an Percussionelementen – Sero verfolgt auf seinem Album eine ganz eigene Soundästhetik, die sich irgendwo zwischen Trap und Rap mit diversen Tribal- und Dancehall-Einflüssen einordnen lässt. Textlich kommt man dabei an seiner Berliner HipHop-Sozialisation nicht vorbei. „Rap war für mich immer das perfekte Ventil, um Aggressionen und Wut rauszulassen“, gibt der Schöneberger zu und verteilt Punchlines gegen Kritiker, Zweifler und das HipHop-Establishment. Bescheidenheit sieht anders aus, wenn sich Sero als „King of My Jungle“ inszeniert, doch andererseits deckt sich das voll und ganz mit dem Konkurrenzgedanken des Genres. Dazu passt, dass der Newcomer bis auf gesangliche Unterstützung von Avelina Boateng keine Features auf seinem Album duldet.

„One and Only“ ist trotz einiger umständlicher Sprachbilder oder Vergleiche durch und durch das Statement eines ambitionierten Newcomers, den man in diesem Jahr im Auge behalten sollte.