Portugal. The Man im Videointerview: „Diese Bands haben alle Laptops auf der Bühne, wir brauchen das nicht“

Portugal. The Man hatten ihr neues Album bereits fertig gestellt, als sie alles über den Haufen werfen und von Neuem beginnen. Wir haben die Bandgründer John Gourley und Zachary Carothers in Berlin zum Videointerview getroffen und über ihre neue Platte "Woodstock", den veränderten Sound und den schwierigen Aufnahmeprozess gesprochen.

Knapp drei Jahre nach ihrem letzten Album „Evil Friends“ hat die amerikanischen Indie-Rock-Band Portugal. The Man Ende letzten Jahres mit „Noise Pollution“ einen kritischen neuen Song veröffentlicht und damit einen ersten Hinweis auf ihre kommende Platte gegeben. In der Single beschreibt Frontmann John Gourley über ebenso dichten wie treibenden Electro-Pop-Klängen die Situation unserer aus den Angeln geratenen Welt: „Live and die like c’est la vie. Put my fist in the air: Je suis Charlie. Can’t you see I’m feeling magnifique.“ Neben „Noise Pollution“ präsentierten Portugal. The Man im letzten Jahr auch eine Kollaboration mit dem deutschen Producer-Duo Drunken Masters – der Smash-Hit „Louder“ sorgte international für Furore.

Bereits Anfang 2016 hatte die in Alaska gegründete und mittlerweile in Portland beheimatete Gruppe in einem Tweet den Titel eines kommenden Albums „Gloomin + Doomin“ verkündet, in der Folge  wurden die bereits aufgenommenen Songs jedoch über den Haufen geworfen. Sänger John Gourley und seine Kollegen begannen erneut mit dem Songwriting und mit der Hilfe von Produzenten wie John Hill, Danger Mouse, Casey Bates sowie dem Beastie Boys-Mitglied Mike D ist letztendlich die Platte „Woodstock“ entstanden, die am 16. Juni 2017 erscheint.

„Wir haben haben eine lang Zeit an dem neuen Album gearbeitet, obwohl die 10 Songs der Platte nicht alle innerhalb der letzten vier Jahre entstanden sind“ erzählt John Gourley im Interview. Man habe zunächst versucht, in der Tradition von Künstlern wie Prince, Paul Simon oder Elvis Costello aufzunehmen. „Die schreiben dann 100 Songs, weil sie sehr gute Songwriter sind. Die könnten alle einen Song über irgendein Thema schreiben. Wir haben dann aber gemerkt, dass das kein Weg für uns ist. Wir müssen wissen, was von uns gebraucht wird. Dass es 10, 12 oder 20 Songs sein werden – die besten, die wir schreiben können.“ Auch wenn es wie eine Ewigkeit scheine, habe man „Woodstock“ innerhalb des letzten Jahres aufgenommen.

„Wir sind von dieser ganzen Woodstock-Bewegung sehr beeindruckt“ erklärt Zachary Carothers den Albumtitel. Als er als Kind zum ersten Mal Videos des berühmten Festivals gesehen habe, sei es gleichzeitig auch das erste Mal gewesen, dass er eine Menge von Menschen gesehen habe, die für etwas Gutes zusammenkommt, statt zum Beispiel für Kriege oder einen wütenden Aufstand. „Bei diesem ganzen Kontext geht es uns darum zu sehen, woher die Dinge kommen, wozu sie geführt haben und wo sie in der Zukunft enden könnten.“ John Gourley ergänzt: „Bei Woodstock geht es einfach darum, dass Leute zusammenkommen und für eine gemeinsame Sache brennen.“

Im Grunde ist das Album eine Ansammlung von Musik – eine Compilation.

Nachdem sie auf ihrem letzten Album ein buntes Feuerwerk aus Psych-Pop und dem oftmals klirrenden Falsett-Gesang von Gourley präsentierten,  haben Portugal. The Man nun einen etwas poppigeren Weg eingeschlagen – oder wie sie selbst sagen: „Einen frischeren Weg“. John Gourley erklärt, dass er mit dem Album eine bunte Mischung zusammentragen wollte. „Ich wollte, dass es nach Missy Elliott, Motown, Blur oder auch Queens of the Stone Age klingt. Einfach auch die Art, wie Missy Elliott oder Outkast Dinge gesampelt haben. Damit sind wir aufgewachsen. Auch wenn es für eine Rockband manchmal komisch ist mit Samples zu arbeiten, es gibt dennoch sehr gute Anwendungen dafür. In den 90ern hat jeder Song im Radio mit einem Zitat oder Sample aus einem Film angefangen, wir wollten das ähnlich machen.“ Auch deshalb sei der Fluss des Albums ein ganz besonderer erklärt John weiter. „Im Grunde ist das Album eine Ansammlung von Musik – eine Compilation.“