Neufundland im Videointerview: „Wir werden niemals fertig sein – ist aber auch nicht schlimm“

Große Melodien und kantige Sounds - Neufundland verfolgen einen frischen Ansatz deutschsprachiger Popmusik. Wir haben mit der Kölner Band über ihre Geschichte, das Debütalbum "Wir werden niemals fertig sein" und die Entwicklung von Indie-Musik in Deutschland gesprochen. Seht hier das Videointerview.

Im September 2015 haben Neufundland ihre erste, selbstbetitelte EP veröffentlicht und mit Singles wie „Rückenwind Pt. II“ oder „Unterstellen“ eine besondere Mischung aus kantigem Indie-Sounds und poppigen Melodien präsentiert. Große Aufmerksamkeit bekam die Band aus Köln dann im Frühjahr 2016 für ihr Cover des Ton Steine Scherben Songs „Halt dich an deiner Liebe fest.“ Dass die Band zwei Sänger hat, die übrigens beide Fabian heißen, kommt der Musik besonders zu Gute. Der eine singt melancholisch-düster, der andere lässt mit seiner Energie die Punkrockwurzeln von Neufundland durchscheinen.

Als Startpunkt ihrer Band geben Fabian Mohn und Fabian Langer in unserem Interview das Jahr 2013 an: „Wir haben schon immer in Schulbands gespielt und die ersten musikalischen Schritte gemeinsam gemacht. Während des Studiums haben sich dann aber alle erstmal ein wenig verloren – wie das eben so ist. Irgendwann haben wir dann gesagt, dass wir das mit der Band jetzt nochmal richtig machen wollen.“ In der Folge sei der eine Fabian nach Köln gezogen und hätte Robin, sowie den anderen Fabian, damals noch in einer anderen Band aktiv, kennengelernt.

Mitte November haben Neufundland nun ihr Debütalbum „Wir Werden Niemals Fertig Sein“ veröffentlicht. Fabian Mohn erklärt, dass der Band der zweideutige Titel der Platte besonders wichtig gewesen sei. „Wir merken alle, dass es unglaublich große Leistungs-Imperative in dieser Gesellschaft gibt, die auf uns niederhageln und uns die ganze Zeit sagen, dass wir uns optimieren und in unserem Handeln besser werden müssen. Das ist diese negative Seite an ‚Wir Werden Niemals Fertig Sein‘. Auf der anderen Seite gibt es aber eine Gegenentwicklung, die zeigt, dass es eben nicht so schlimm ist, wenn man niemals fertig wird. Wir können vielleicht auch in diesem Dazwischensein eine Lebensform finden, die uns glücklicher macht, als ständig den nächsten Karrierestep zu finden. Diese beiden Wendungen dieses Satzes fanden wir ganz schön und das lässt sich in jedem Song des Albums wiederfinden.“

Neufundland halten sich sowohl mit ihren Themen, als auch mit ihrer Instrumentierung die Balance. Elektronische Spielereien und Synthesizer sind auf dem Debütalbum ebenso zu finden, wie mitreißende Bassläufe, Gitarrenriffs oder leichte Klavierklänge. Die beiden Sänger und Songschreiber Fabian Langer und Fabian Mohn erklären, dass man „aus dieser klassischen Hamburger-Schule-Jugend“ komme und Bands wie Tocotronic oder Tomte gehört habe. „Dadurch, dass die anderen drei Bandmitglieder überhaupt nicht diesen Hintergrund haben, vermischt sich in unserer Musik sehr viel. Wenn jemand zu uns kommt und unsere Musik mit Tomte oder Fotos vergleicht, ist das schon ok. Aber wir sehen uns keinesfalls in der Tradition dieser Bands“ beschreibt Mohn. Langer ergänzt: „Man macht es sich mit solchen Vergleichen auch etwas einfach. Die Platte ist ideen-geschichtlich schon dort angesetzt, aber für uns war das Ziel, deutschsprachigen Indie von vor zehn Jahren zu nehmen und diesen weiterzuentwickeln.“