Die besten Musikvideos der Woche

Wir haben die besten Musikvideos der vergangenen Woche zusammengestellt. Mit dabei: Clips von Juse Ju, Bausa, Das Paradies, Kendrick Lamar, Black Foxxes und Skott.

Juse Ju – Lovesongs

Einmal Japan – gleich zweimal Videomaterial. Während Juse Ju letztens noch mit Rapper-Buddy Fatoni und dem weiblichen Pendant zu Edgar Wasser für „7Eleven“ durch Neonlicht-durchfluteten Straßen stapfte, muss er für den zweiten Album-Vorboten zu „Shibuya Crossing“ allein durch die Gassen der Hafenstadt Osakas schlendern. Der zweite Song hat zwar zwei Featuregäste weniger, aber die Kulisse ist für das ungeschulte Auge zumindest dieselbe. In Mitten von blinkenden Leuchtreklamen, Menschenmassen und kulinarischen Eindrücken kotzt sich Juse Ju über Gefühlslosigkeit aus und würde am liebsten weinen, würde das nicht auch in die Kategorie „Emotionen zeigen“ fallen.

Ausgerechnet in einer Stadt, in der man von Sinneseindrücken überflutet wird und vor lauter Getümmel schon taub ist, fragt sich Juse Ju inständig, wo zum Teufel denn seine Gefühle sind. Antwort darauf gibt es nicht wirklich, nur das Eingeständnis, dass auch er manchmal gerne ein klein wenig mehr wie Mark Forster wäre, bei dem das mit dem Weichspülen nicht nur in der Wäschetrommel klappt. Als Rap- und überhaupt Musikfan darf man demnach schon fast froh über seine verzweifelte Suche und den gegenwärtigen Stand seiner Gefühlswelt sein, denn da wo Juse Ju noch auf der Suche ist, haben HipHop-Heads ihren neuen Playlist-Leader gefunden.

Das Paradies – Discoscooter

Wer sich schon immer gefragt hat wo oder was eigentlich das Paradies ist, findet mit dem folgenden Künstler eine Antwortmöglichkeit – formuliert im sanften Deutschpop-Gewand: Florian Sievers ist „Das Paradies“. Was im ersten Moment nach ganz viel Selbstbewusstsein und auch ein bisschen Größenwahn klingt, wird mit Einsatz der Musik und bescheidenen Stimme sofort konterkariert. Und wer dazu noch das Video der aktuellen Single schaut, fragt sich vermutlich ziemlich schnell, wie bei so viel Melancholie und Schwermut der Bandname „Das Paradies“ zustande kommen konnte.

Nicht nur die Stimme und musikalische Inszenierung, gerade die Bilder erzeugen so ziemlich das Gegenteil von paradiesischen Assoziationen. Stattdessen nimmt uns Florian Sievers in seinem Auto mit durch den andauernden Nieselregen, dessen Tropfen jeden Millimeter der Windschutz- und Fensterscheiben besetzen, selbst die Scheibenwischer zu träge um sich gegen das Nass zu wehren, vorbei an einer auftauenden Schneelandschaft. Mit im Auto ein skurriler Clown und eine Tasche voll Geld. Vielleicht also liegt ja ein bisschen Paradies auf der Autorückbank, viel genauer als mit „vielleicht“ lässt sich das aber auch nicht beschreiben. Texte in denen es nur so von unkommerziellen Worten wimmelt; Satzenden, die irgendwo in der Luft hängen, weil sie eigentlich gar nicht in den Takt passen, gesungen mit einem Hauch Melancholie und Gleichgültigkeit, sodass man sich am Ende des Stückes gar nicht sicher ist was genau man jetzt eigentlich fühlen soll. Wenigstens an dieser Stelle greift uns dann das selbsternannte Paradies mit einem Deutungsversuch unter die Arme: „Mir wird schwindelig, ich mag es“.

Bausa – Unterwegs feat. Capital Bra

Single-Release, Ankündigung des neuen Mixtapes, Video zur Single veröffentlichen, Mixtape-Release. Was nach einem Promo-Plan für mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate klingt, passiert in Bietigheim-Bissingen gefühlt in einem Atemzug. Bausa steht mit seiner rekordgewordenen Hitsingle „Was Du Liebe Nennst“ im Nacken unter Druck wie selten zuvor – könnte man meinen. Vielleicht will der gebürtige Saarländer aber auch nur seinen vorerst größten Erfolg nutzen, um seine Reichweite langfristig auf „Was Du Liebe Nennst“-Level zu halten, denn die zwölfwöchige Pole-Besetzung hat sich für den Rapper weitaus mehr bezahlt gemacht, als das bis dato veröffentlichte Debütalbum.

Aus welchem Grund auch immer, Fans und Freunde werden sich wohl kaum über ein spontan erscheinendes Mixtape beschweren. Erster Vorgeschmack: Die Single „Unterwegs“, zu der Mitte der Woche auch visuelle Untermalung veröffentlicht wurde. Der Golfplatz wurde gegen die Tiefgarage und die Penthaus-Wohnung gegen den Stripclub getauscht. Weniger Pop, mehr real Rap – auch dank des Featuregastes Capital Bra. Berliner Straßenrap meets idyllischen Kleinstadt Raop. Das sorgt dafür, dass von letzterer Sorte gar nichts mehr übrig bleibt. Bausa stellt damit vor allem unter Beweis, dass er sich nicht auf ein Klangmuster oder eine Genrebezeichnung festlegen möchte. Ob Pop-Anleihen, der Wink mit dem Zaunpfahl aus den 80ern oder Straßenrap – wer Bausa hört, muss auf alles und nichts gefasst sein. Gott sei Dank möchte man fast sagen, hält er es da mit den Videos etwas einfacher: Frauen, Autos, Geld und Alkohol lassen sich in jedem Subgenre unterbringen.

Kendrick Lamar – All The Stars feat. SZA

Wenn King Kendrick ein Video veröffentlicht, dann ist das für eine wöchentliche Bestenliste schon so gut wie gesetzt. Wessen audiovisuelles Werk sollte hier auch sonst auftauchen, wenn nicht das des fünffachen Grammy-Gewinners 2018 (der Grammy für das beste Video war selbstredend auch dabei). Dieses Mal wurde aber nicht etwa die sechste Single-Auskopplung des besten HipHop-Albums des vergangenen Jahres veröffentlicht, nein Kendrick hat sich schon längst neuen Projekten gewidmet und veröffentlicht heute den Sampler zum bald in den Kinos startenden Film „Black Panther“.

Die dazugehörige Single „All The Stars“ können Fans des Rappers und seines Feature-Gastes SZA schon länger in Dauerschleife hören, seit dieser Woche auch sehen. Auch wenn sich „All The Stars“ nicht auf dem preisgekrönten Longplayer befindet, so reiht es sich visuell zumindest in Riege der high-end und metaphorisch schweren Bewegtbilder ein, die bis dato in der „DAMN“-Ära erschienen sind. Bei genauerer Betrachtung der Credits auch kein Wunder, steckten mit The little Homies und Dave Meyers auch bei diesem Video dieselben Kreativköpfe unter einer Decke, wie schon bei „HUMBLE“. Neuer Tag, neuer Sampler, neues Video und Kendrick stellt vor allem wieder eines unter Beweis: Die Kunst der Inszenierung ist seine.

Black Foxxes – Manic In Me

Selbsterklärter Depressions-Pop aus England, das sind Black Foxxes in kurz und knapp. Nimmt man sich etwas mehr Zeit, so circa drei Minuten, dann sind Black Foxxes vor allem Mark Holley: Frontmann und emotionales Pulverfass, wandelnder Wahnsinn, oder wie die Band es in ihrer aktuellen Single in Muttersprache formuliert „Manic In Me“.

Passend dazu präsentiert sich Holley irgendwo zwischen von Gefühlen überwältigt in der Ecke kauernd und aufbrausend das Weite suchend, mitten in der verregnet-eisigen Pampa. Black Foxxes widmeten sich schon auf ihrem Debütalbum den dunklen Gefühlen, dem Nicht-Wohlsein – dementsprechend auch der Titel des letzten Albums „I’m Not Well“. Gut geht’s den drei Bandmitgliedern aus Exeter zumindest demnach zu urteilen, was sie musikalisch ausdrücken, immer noch nicht. Dem Wahnsinn freien Lauf lassen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Im Video zur aktuellen Single schaut Holley seinem wütend gewordenem Ich beim Über die Stränge schlagen und Ausbrechen zu. Die Stimme kurz vorm Überschlagen, bis sich der Sturm abrupt legt und Holley in seinen letzten Worten nüchtern feststellt, dass er dem Wahnsinn entkommen will, mehr nicht.

Skott – Stay Off My Mind

Dass sich ein Video von Pauline Skött, aka Skott, in dieser Rubrik befindet, in dem die junge Schwedin auch selbst zu sehen ist, gehört eigentlich in die Kategorie „kleines Wunder“. Ihrem 16-jährigen, musikbegeisterten Ich wäre damals kein Gedanke ferner, als eines Tages selbst auf der Bühne zu stehen oder die Protagonistin in ihren eigenen Musikvideos zu geben. Einige Jahre später, ist aber genau das der Fall. Angefangen als Produzentin für Videospielmusik, über das Dasein als Singer-Songwriterin, bis hin zum Major-Deal – man könnte sagen, Skott hat sich langsam an ihre heutige Rolle als Künstlerin rangetastet.

Der Plattenvertrag selbst könnte rückblickend als sowas wie ein gut gemeinter Hinterhalt und gleichzeitig wichtigster Punkt ihrer Karriere gelten. Erst als Songschreiberin tätig, findet sich Niemand, auf den ihre Stücke passen, vielleicht auch weil Skott selbst selten dazu bereit war Kompositions-Kompromisse einzugehen. Was bleibt da noch anderes übrig, als die Songs selbst auf die Bühne zu bringen? In ihrem Video zur aktuellen Single „Stay Off My Mind“ springt sie gleich doppelt über ihren Schatten, indem sie nicht nur einfach vor der Kamera präsent ist, sondern sich auch innerhalb des Videos auf der Bühne inszeniert. Wer sich lange wehrt, wird endlich gut.