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„Addio“ von Faber ist ein „huereguetes“ Album

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Wer in der Schweiz spazieren geht und hier und da ein paar Gesprächsfetzen aufschnappt, hört gar nicht mal so selten den Ausspruch: „Das isch huereguet!“ Vor allem die ersten beiden Silben des Adjektivs klingen dabei wie das Wort „Hure“. Als Deutsche:r zuckt man dabei unwillkürlich zusammen – und muss sich erst einmal erklären lassen, dass „huereguet“ im Schweizerdeutschen einfach nur heißt, etwas sei „verdammt gut“.

„Addio“ von Faber ist als Album „huereguet“ – aber das wissen seine Fans schon länger. Schon vergangenen Herbst konnte man „Addio“ nämlich auf Vinyl erwerben – mitsamt Ticket für seine Clubtour, die im Oktober 2023 beginnen sollte. Wegen einer OP wurde das alles noch mal in dieses Frühjahr verschoben, aber wer ein Ticket-Album-Bundle bestellt hatte, bekam die Platte schon im Oktober als Vinyl zugeschickt, inklusive Streaming-Code. Eine schöne Aktion, die ganz betont von der Selbstverständlichkeit des Streamens weg, hin zum bewussten Erleben eines Albums führen sollte. Die Tour war dann auch ein voller Erfolg – und in vielen Städten ausverkauft. Für rund 10.000 Faber-Fans sind diese Zeilen über „Addio“ jetzt also kalter Kaffee.

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Ein italienisches Duett mit dem Vater

Die ersten Single-Releases folgten dann auch erst im Frühling 2024 und begannen mit einer großen Überraschung: Faber singt auf einigen Songs der Platte auf Italienisch, wie zum Beispiel auf „Pirdutu cori“ – ein Duett mit seinem Vater Pippo Polina. Der ist ein sehr erfolgreicher italienischer Cantautore und Musiker, der vor allem im italienischsprachigen Teil der Schweiz geradezu gefeiert wird. Aber Musik liegt ja bei den Pollinas eh in der Familie – Fabers Schwester ist ja auch Teil der wundervollen Steiner & Madlaina. Wie Faber auf „Pirdutu cori“ zwischen Schweizerdeutsch und Italienisch hin und her gleitet, klingt wunderschön, auch wenn es Fans seiner eher derberen Nummern herausfordern könnte.

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„Addio“ ist ambitionierter, dunkler, herausfordernder

Aber für die gibt es ja Stücke wie „Du kriegst mich nicht zurück“, oder „Sie ist wieder in der Stadt“, bei der Faber seine Stimme herrlich Faber-esk raspeln lässt und wieder über das Leben, das Leiden, den Herzschmerz, die Depression, die Eifersucht, den Trotz und die Liebe singt.

Trotzdem muss man feststellen: „Addio“ ist ambitionierter, dunkler, herausfordernder als die vorherigen zwei Soloalben. Das stellt Faber gleich in den ersten Sekunden mit dem Orchester-Holz-Hammer und der wuchtigen „Ouverture“ klar. Zwischendurch kommt mal kurz der bissige Witz oder auch die (diesmal entspanntere) Faber‘sche Geilheit durch, die er gerne mit seinen Texten und fiktiven Charakteren auslotet. In „Leon“ zum Beispiel, oder im geradezu entspannt klingenden „Temptation Island“, wo Faber eigentlich nur darüber singt, mal einen ganzen Tag in trauter Zweisamkeit im Bett zu bleiben, bis „alle neidisch sind, dass sie das nicht filmen. Nicht im Real Life, nicht in Pornhub, nicht in Amazon Prime.“

Ambitioniert wird es dann wieder im letzten Drittel des Albums: „Deus“ ist eine dunkle Spoken-Word-Ballade, das Titelstück „Addio“ ein Chorstück, dass man auch beim nächsten Gottesdienst unterjubeln könnte – und dann folgen drei überwiegend auf italienisch gecroonte Stücke. Muss man sich erst einmal trauen – öffnet vielleicht aber gar den Weg zur Zweitkarriere in jenen Landesteilen, in denen sein Vater bisher die größeren Hallen füllt.

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