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Album der Woche: Ahzumjot – Winter tat weh

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Anfang des Jahres meldete sich Ahzumjot mit großen Neuigkeiten: Es wird ein neues Album geben – aber keine Tour. Seine Fans konnten stattdessen Anfang Mai ein Pre-Releasekonzert erleben, bei dem der Rapper „Winter tat weh“ in kompletter Länge aufführte. Dabei sollte das kein Bashing gegen Streaming und „diese neue digitale Welt“ sein, sondern den Fokus auf das reale Erlebnis des Albumhörens legen, wie er klarstellte: „Es ging nur um die Musik. Wie es sein muss“. Nun ist das Album in voller Länge auch für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich und punktet besonders durch Ahzumjots lyrische Selbstreflexion und seine komplexe, zu großen Teilen selbst produzierte Sound-Landschaft.

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Zwischen den Extremen

„Winter tat weh“ lebt von seinen Geschichten und seinem Geschichtenerzähler wie das Theater von seinen Darstellenden. Denn inhaltlich gewährt uns Ahzumjot tiefe Einblicke in seine Psyche, die er über zwölf Tracks emotional offenbart. Er bewegt sich dabei vor allem zwischen Extremen wie Schuld und Verzeihung, Selbstfindung und Trennung oder Euphorie und Verzweiflung. Ein zentrales Thema ist zum Beispiel die Trennung von der Mutter seiner Kinder und die emotionalen Implikationen, die so eine Lebensveränderungen mit sich bringt. Trotzdem verliert sich Ahzumjot nie in seinen Erzählungen. Darüber hinaus konstruiert uns der gebürtige Hamburger für jede Geschichte einen personalisierten Sound, der seinen thematischen Auseinandersetzungen stets die passende Kulisse bereitstellt.

Für sein mittlerweile zehntes Projekt hat sich Ahzumjot eines weiterhin nicht nehmen lassen: Wie schon für vorher erschienene Projekte übernahm der Rapper die Produktion. Selbst mit Features von Trettmann, Babyjoy, Boondawg und Hanna Noir ist es Ahzumjot, der den Tracks ihren letzten Schliff verleiht. Und das so divers wie eh und je. Für den gefühlvollen Track „Ich will keine Feinde mehr“ gibt er uns zum Beispiel eine komplett minimalistisch gehaltene Produktion, in der er nur von einer Gitarre begleitet wird. „Alles richtig“ passt sich dagegen mit weichen 808s und akzentuiertem Klavier an den Dancehall-Klang des Feature-Gasts Trettmann an.

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Rap und Resilienz

Der thematische Kern der Songs kann auf ein Wort kondensiert werden: Resilienz. Ahzumjot rechnet mit toxisch männlichen Verhaltensmustern ab, eine Aufräumarbeit, die die Deutschrap-Szene lange bitter nötig hatte und die erst seit einiger Zeit von einigen Vorreiter:innen und neue Gesichtern in der Branche angegangen wird. Ganz vorne mit dabei sind befreundete Kollegen wie BRKN und Apsilon, die in ihren Diskographien ähnliche Themen angreifen und schon seit Jahren mit Ahzumjot zusammenarbeiten. Mit „Winter tat weh“ leistet Ahzumjot seinen eigenen Beitrag und schaut dabei auf die unschönen Seiten seines Lebens, eben auch oder gerade dann, wenn es weh tut.

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