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Album der Woche: Charli XCX – BRAT

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Das Internet ist gerade zu großen Teilen in Brat-Green eingefärbt – diesem etwas weirden Grünton, mit dem Charli XCX aktuell sehr erfolgreich ihr neues Album „Brat“ bewirbt. Der sechste Langspieler der britischen Sängerin und Hyperpop-Ikone schlägt gerade große Wellen und lässt sich vielleicht sogar schon jetzt als künftiger Pop-Klassiker bezeichnen. Oder um es als Hot Take zu formulieren: Mit „Brat“ hat Charli das Album gemacht, das der Vorgänger „Crash“ schon sein wollte. Eine schillernde Brücke zwischen ihren Wurzeln im „konventionellen“ Pop der späten 2000er und ihrem späteren Status als Hyperpop-Ikone.

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Ein gutes Sinnbild dafür ist die erste Single „Von Dutch“, mit der Charli XCX ihre Promophase eröffnete: „Von Dutch, Cult Classic, but I still Pop“. Ein dröhnendes, basslastiges Stück, dessen Ähnlichkeiten mit Charlis Überhit „I Love It (I Don’t Care) mit Icona Pop bestimmt nicht von ungefähr kommen. Noch ein gutes Beispiel für die zwei Seiten von „BRAT“: Die Single „360“, für deren Remix sie zum einen die Dance-Queen Robyn, zum anderen den Internet-Rap-Begründer Yung Lean gewinnen konnte.

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Songs wie „Talk talk“ oder „Rewind“ erinnern an den großen, glitzernden Pop-Entwurf von Katy Perry, Ke$ha oder eben der frühen Charli XCX, „Sympathy is a Knife“ zeigt dagegen, dass die Musikerin einen Streich wie damals „Gone“ auch ohne Christine and the Queens hinbekommt. Zwischen solchen Hyperpop-Hymnen schweben abstrakte, introspektive Momente wie „I might say something stupid“, „So I“ oder „I think about it all the time“.

Zwischen Paparazzi und Selbstzweifeln

Dabei brilliert Charli XCX nicht nur musikalisch mit ihrem leitenden Produzenten und langjährigen Wegbegleiter A. G. Cook, sondern auch als Erzählerin von überraschend persönlichen und konkreten Geschichten. Denn hinter der abgebrühten, von Paparazzi verfolgten „Von Dutch“-Ikone, steckt laut vieler Songs auf „BRAT“ eine zutiefst verunsicherte Person. Auf „Sympathy is a Knife“ schmettert Charli: „This one girls taps my insecurities / Don’t know if it’s real or if I’m spiraling“. Später heißt es auf „Girl, so confusing“: „People say we’re alike / They say we’ve got the same hair / We talk about making music / But I don’t know if it’s honest“. Hinter solchen Zeilen wittern Fans aktuell eine unterschwellige Konkurrenz zu einem oder mehreren anderen Pop-Stars – vielleicht Lorde, Marina Diamandis oder allen voran natürlich Taylor Swift.

Das ist beinahe schon bitter-ironisch, denn gerade an letztere erinnert dieser Ansatz, persönliche Anekdoten zu einem überlebensgroßen Motiv aufzubauschen. Was Charli XCX definitiv von Taylor trennt, ist die Kompaktheit von „BRAT“: Mit 15 Songs auf 41 Minuten ist das Album tight und bleibt zu jedem Zeitpunkt kurzweilig. Daran ändert auch die neue Deluxe-Version mit drei weiteren Songs nichts. Und auch wenn eine solche Billanz zur Halbzeit etwas verfrüht erscheint: Mit „BRAT“ könnte uns hier gerade eines der spannendsten Alben des Jahres und ein zukünftiger (Hyper) Pop-Klassiker in den Schoß gefallen sein.

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