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Mit ihrem Debütalbum „Rookery“ brechen Giant Rooks aus dem Krähenhorst aus

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Tagged: Giant Rooks

Dass die Giant Rooks mit „Rookery“ nun ihr Debütalbum veröffentlichen, hört sich irgendwie surreal an. Nicht etwa, weil es überstürzt oder hektisch wirkt, ganz im Gegenteil. Der Sound der Band aus Hamm ist bereits so omnipräsent und vor allem ausgereift, dass man sich wundert, dass sie nicht schon einige Platten auf dem Buckel haben. Das ist wahrscheinlich das Ergebnis des ausgeprägten Perfektionismus der fünf Bandmitglieder. Frederik Rabe, Finn Schwieters, Finn Thomas, Jonathan Wischniowski und Luca Göttner finden schließlich fast jeden Tag im Proberaum zusammen, um an Songs zu feilen und diese für die Bühne einzustudieren. So wird jeder Song über mehrere Jahre auf Herz und Nieren überprüft, verändert und live erprobt, bis er eine Veröffentlichung erfährt. Noch krasser verhielt es sich mit „Rookery“: Knapp fünf Jahre hat es in Gänze gedauert, bis das Debütalbum fertiggestellt ist – eine lange Zeit, die sich vor allem im detailreichen Sound niederschlägt, doch dazu später mehr.

Erstmal von Anfang an: Die Karriere der Giant Rooks beginnt bei einem Bandcontest im Jugendclub ihrer Heimatstadt Hamm. Der Eintritt damals: 3,50 Euro. Der Sieg des Contests, der übrigens ausgelost wurde, bescherte den damaligen Schülern die Möglichkeit, ihren Song „Småland“ in einem Musikstudio aufzunehmen. Mit den steigenden Klicks auf das zugehörige Video entwickelte sich auch das Interesse an der Gruppe. 2015 veröffentlichten sie dann erstmals drei Songs und eine Live Session von „Chaples“ auf der „The times are bursting the Lines“-EP. Schon im folgenden Jahr setzten sich die Giant Rooks gegen 13 Nominierte beim „popUP NRW-Preis“ durch und gingen als „Beste Newcomer“ nach Hause. Zu diesem Zeitpunkt existierte die Band in ihrer endgültigen Besetzung gerade mal zwei Jahre. Zwar musizierten die Cousins Frederik Rabe und Finn Schwieters bereits im Alter von acht Jahren zusammen, machten damals aber noch vollkommen andere Musik. Nachdem sie 2014 gemeinsam in den Proberaum zurückkehrten, stießen Jonathan Wischniowski und Finn Thomas hinzu. Anfang 2015 vervollständigt Bassist Luca Göttner die Formation.

„Als wir dann zum ersten Mal zu fünft im Probenraum standen und zusammen gespielt haben, hatten wir das Gefühl, dass das mit uns als Band wirklich funktionieren kann – das, was wir da gehört haben, klang einfach richtig gut“erzählte Frederik Rabe Anfang 2018 dem Myp.-Magazine und lag mit seinem Bauchgefühl schon damals goldrichtig. So tourten sie im Folgejahr als Vorband von Razz, Von Wegen Lisbeth und Kraftklub durch Deutschland und spielten ihren ersten Festival-Sommer. Mit der „New Estate“-EP, die 2017 erschien, formulierten die Rooks dann erstmals ein konkreteres musikalisches Profil. Für ihre Musik, die ihre Einflüsse einmal quer aus der internationalenMusiklandschaft aufsaugt, verwenden sie den Begriff „Art-Pop“.

Giant Rooks – Wild Stare

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Mit der „New Estate“-EP ging es 2018 auf die erste eigene Headliner-Tour. Unter dem Titel „For the Days To Come“ machten sich die Giant Rooks auf die Reise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und schließlich sogar durch England und für ein Konzert in die USA. Kein Wunder also, dass die stetig wachsende Fanbase schnell auch immer internationaler wurde. Im Frühjahr 2019 folgte mit der „Wild Stare“ EP dann wieder neue Musik, die fortan auch live erprobt wurde. Der titelgebende Song ist mit mittlerweile fast 50 Millionen Spotify-Streams der bisher erfolgreichste Song der Band und auch Musikpreisen sollten folgen. So gewann man sowohl den Förderpreis der 1Live Krone als auch den Preis für Popkultur als „Hoffnungsvollste/r Newcomer/in“. „Wir durften in jedem Jahr mehr erleben und das hält bis jetzt an“ bilanziert Gittarist Finn Schwieters vor einiger Zeit in unserem StayHome-Interview.

Giant Rooks – Rookery

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So kommen wir schließlich im Hier und Jetzt an und damit auch bei „Rookery“, dem Debütalbum der Giant Rooks. Damit schließt das Quintett aus Hamm das erste, lange Kapitel ihrer Musikkarriere ab und verlässt symbolisch den Krähenhorst (deutsch für: Rookery), der titelgebend für ihr Album fungiert. Ein Aufbruch zu neuen Ufern quasi. Die Bedingungen dafür sind nahezu perfekt: Eingespielt wie eh und je liefert die Band auf „Rookery“ aufgeladene Arrangements, melodische Chöre und emotionale Lyrics – immer mit einem ausgezeichneten Gespür für treibende Melodien und tanzbare Sounds. Aber auch die emotionale Seite, die die Band gerne in ihren ruhigeren Songs Preis gibt, findet auf dem Debütalbum ihren Platz.

Dass man sich für das Debütalbum Zeit gelassen hat, hört man jedem Song an. Die Giant Rooks bewegen sich elegant und zielsicher auf dem schmalen Grad zwischen Wiederholung und Entfremdung. „Rookery“ bildet einen runden Abriss ihrer bisherigen musikalischen Vergangenheit und gibt gleichzeitig vielleicht sogar einen Ausblick auf die zukünftige Soundwelt der Band. Auto-Tune und Giant Rooks? Funktioniert im Album-Closer „Into Your Arms“ wunderbar! Musik mit Gefühl, Bedacht und vor allem ohne sämtliche Scheuklappen haben sich die Giant Rooks auf die Fahne geschrieben. Eine Einstellung, die den fünf Bandmitgliedern dabei helfen könnte, der Illusion, dass es Bands aus Deutschland im Ausland schwer oder schlichtweg keinen internationalen Sound hätten, ein für alle mal ein Ende zu setzen.

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