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„Also bin ich“: Dilla präsentiert auf ihrem Debütalbum einen bunten Pop-Mix

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Tagged: Dilla

Dilla feiern wir schon seit frühen Releases wie „Unter ihrem Dress“ oder „Photosynthese“. Damals dachten wir noch, hier die Galionsfigur des Techno-Pop-Revivals vor uns zu haben, inzwischen hat uns die Newcomerin aber eines besseren belehrt. Mit diversen Single-Veröffentlichungen hat sich Dilla in der weiten Genre-Galaxie von Pop-Punk bis Piano-Ballade treiben lassen und dabei stets abgeliefert. Jetzt ist ihr Debüt-Album „Also bin ich“ da und macht endgültig klar: Dilla kann und will sich nicht festlegen – aber warum auch, wenn eh alles, was man anfasst zu Gold wird?

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Keine Zeit für Overthinking

„Ich denke, also bin ich“, stellte René Descartes schon 1641 fest und belegte damit für sich selbst und den Rest der Menschheit die eigene Existenz. Auf diesem gewichtigen Zitat baut Dilla ihr Debütalbum auf, wobei sie sich das verkopfte Overthinking von Descartes spart und sich auf’s Da sein und Musizieren beschränkt. Bei Dillas Kalender bleibt einem schließlich auch nicht gerade viele Zeit zum Philosophieren: Vor einem Jahr war sie als Support von Kraftklub auf Tour, hat dann im Sommer zahlreiche Festivals gespielt sowie ein eigenes Open-Air veranstaltet und war vor wenigen Tage bei Late Night Berlin zu sehen.

Dass trotz dieser Termin-Flut noch Zeit war, um ein catchy Album zu basteln, das zeigten uns schon zahlreiche vielversprechende Vorab-Singles. „Star“, „Teen“ und zuletzt „Egal (was passiert)“ spiegeln mit ihrem treibenden Synthie-Pop die aktuelle NNDW-Obsession wieder, aber erinnern gleichzeitig viel mehr an das Original, also die „alte“ Deutsche Welle aus den 80ern, als an den tristen Post-Punk vieler Zeitgenossen.

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Ein Blick über die Schulter

Besonders „Egal (was passiert)“ imponierte uns, weil Dilla hier jede Faser ihrer Stimmbänder bemüht und den Song im letzten Drittel förmlich explodieren lässt. Ein Musik-Studium zahlt sich eben doch manchmal aus. Ihr Know-How in Sachen Musikproduktion zeigt Dilla übrigens immer wieder auch auf TikTok – hier konnte man schon vor Monaten sehen, wie das Grundgerüst für ihren Song „Allein“ entsteht, der nun mit einem Part von Timmyt ergänzt und endlich veröffentlicht wurde.

@dilla.mp3

Willkommen zurück lg

♬ original sound – Dilla

Um den Rave-Pop ihrer ersten Singles macht Dilla einen Bogen – vielleicht, weil dieses Feld gerade genügend andere beackern. Stattdessen klingt alles etwas erwachsener, glatter und stellenweise sogar radiotauglich. Es gibt Reminiszenzen an starke female-fronted NDW-Acts wie Ideal oder Hans-A-Plast auf dem angepissten „Schuld (Du kannst mich mal)“ oder an Queen mit „Mama“ (oooooh-oooooh!).

Trotz solcher Rückgriffe auf die Vergangenheit bewahrt sich Dilla immer ihr Gespür für zeitgeistige Pop-Hooks und zeigt auf dem reduzierten Closer „Mensch“, das ihr Songwriting keine Effekthascherei braucht. Spätestens hier müssen dann auch wir endgültig einknicken, unsere Genre-Schubladen zumachen und akzeptieren, dass Dilla einfach Dilla ist – und sich diesem Umstand durchaus bewusst ist, wenn man ihrem Albumtitel Glauben schenkt.

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