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Clairo reflektiert auf „Sling“ die großen Fragen des Heranwachsens

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Alle die bereits aus dem Elternhaus ausgezogen sind und sich in einer fremden Stadt ein eigenes kleines Leben aufgebaut haben, kennen das Gefühl, nach Hause zu kommen – in die Heimat. Dort wo man aufgewachsen ist und gute als auch schlechte Erinnerungen gesammelt hat. Dort wo man seinen ersten Absturz hatte und da wo der erste Liebeskummer für Tränen sorgte und immer wenn, man die Stadtgrenze überquert, schleicht sich ein melancholisches Gefühl von Nostalgie und Nachdenklichkeit ein. 

Was muss ich in meinem Leben noch in Ordnung bringen?

Genau so erging es auch Clairo, als sie in der Zeit nach ihrem hochgelobten Debütalbums-Release von „Immunity“ wieder zurück in ihr Elternhaus einkehrte. Für die junge Singer-Songwriterin eröffneten sich plötzlich tiefgründige Fragen über Selbstwert, Familie und Prioritäten. Eine besondere Frage leitete dabei den Entstehungsprozess ihres neuen Albums „Sling“ ein: “Was muss ich in meinem Leben in Ordnung bringen, bevor ich überhaupt daran denke, ein Kind zu bekommen, damit ich meine Probleme nicht auf sie projiziere?“

Clairo – Bambi

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Auslöser für diese Gedanken ist ein ganz besonderer Neuzugang in Clairos Leben: Joanie. Seit Ende 2020 ist die kleine Hündin Teil der Familie und sorgt im Leben der Musikerin für einige Veränderungen. Doch genau diese Umstellung, plötzlich nicht mehr nur für sich selbst zuständig zu sein, sondern auch für ein anderes Lebewesen die Verantwortung zu tragen, lässt Clairo aufhorchen: Wenn sie das alles für ihren Hund tat, warum dann nicht auch für sich selbst?

Gemeinsam mit Clairo philosophieren 

Auf „Sling“ geht Clairo genau diesen Fragen nach. Sie nimmt die Position eines Gegenübers ein, mit dem man auf einer Party (im Hintergrund wird es schon langsam wieder hell) plötzlich anfängt, ein nachdenkliches Gespräch über den Sinn der Existenz zu führen. Auch wenn Clairo gar nicht bis zum Anfang des Lebens selbst zurückgeht, öffnet sie mit den Songs aus „Sling“ gleich mehrere Tore für ausgiebige Gespräche über toxischen Beziehungen („Bambi“, „Harbour“), Sexismus („Blouse“) oder dem Druck der Mutterschaft („Reaper“).

Claires neues Album „Sling“:

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Genauso nachdenklich wie Clairo über die Themen ihrer aktuellen Platte philosophiert, genau so sanft ist auch die Soundästhetik von „Sling“ aufgebaut. Mit einer hörbaren Liebe zum Detail breiten sich die Instrumentals der Songs wie ein großer flauschiger Teppich vor den Zuhörer:innen aus. Opulente Streicher-Arragements, verträumte Akustik-Gitarren, atmosphärische Synthies und hin und wieder eine Prise französischem Chanson-Charmes bilden zurückhaltend den Grundstein für ein harmonisches Gesamtbild. Dieses wird unter anderem von melodischen Backing-Vocals, die Lorde in mehreren Songs eingesungen hat, unterstützt. Nur selten bricht Clairo mit diesen Charakteristiken und zieht wie in „Joanie“ für ein paar Momente das Tempo an.

Kleiner Fakt am Rande: Ihr Hund Joanie hat sich übrigens nicht nur im Titel einer der insgesamt zwölf Songs auf „Sling“ verewigt, sondern natürlich auch auf dem zauberhaften Artwork der Platte. 

Zusammengefasst: „Sling“ ist kein Album, dass sich mal eben so in knapp 44 Minuten durchhören lässt. Wer Clairo und ihre Gedankengänge verstehen möchte, der sollte sich ein ruhiges Plätzchen suchen und sich der vertrauten Stimme der Musikerin voll und ganz hingeben – denn genau dafür wurde „Sling“ gemacht.