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„Club 27“: Thees Uhlmann, Robin Grubert und Benjamin von Stuckrad-Barre sind zu spät

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Tagged: Thees Uhlmann

Vor mehr als zwei Jahrzehnten fand Thees Uhlmann in der Popmusik ein zweites zuhause für sich. Der im niedersächsischen Hemmoor geborene und aufgewachsene Sänger machte in den 90er- und frühen 2000er Jahren vor allem als Frontmann der 1991 gegründeten Hamburger Indie-Rock Band Tomte auf sich aufmerksam, mit der er zwischen 1998 und 2008 fünf erfolgreiche Studioalben veröffentlichte. Im Jahr 2002 gründete er zusammen mit Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff, der Rockband Kettcar, das Label Grand Hotel van Cleef. Unter diesem erschienen die drei letzten Alben der Indie-Band, denn Ende 2010 kündigten Tomte eine Pause auf unbestimmte Zeit an. 

Danach konzentrierte sich Thees Uhlamnn vor allem auf eigene Projekte. Im Jahr 2011 veröffentlichte er sein selbstbetiteltes Debütalbum, auf dem unter anderem der Song „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ vertreten ist. Zwei Jahre später folgte mit „#2“ die nächste Platte, welche sich fünf Wochen auf Platz zwei der deutschen Albumcharts hielt und ihn dadurch einem breiteren Publikum zugänglich machte. In der Zwischenzeit widmete sich der Sänger vor allem der Schriftkunst und veröffentlichte 2015 den Roman „Sophia, der Tod und ich“, welcher als Spiegel-Bestseller ausgezeichnet wurde sowie sein drittes Buch „Thees Uhlmann über Die Toten Hosen“.

Mit „Junkies und Scientologen“ erschien 2019 das dritte und bisher letzte Studioalbum Uhlmanns, für dessen Umsetzung der Sänger vor einigen Wochen von der GEMA in der Kategorie „Komposition Rock/Pop“ den 12. deutschen Musikautorenpreis gewann. Im Zuge der Albumveröffentlichung vor etwa zweieinhalb Jahren traf sich Moderatorin Daniela Ammermann mit dem Tausendsassa in der Astra-Stube in Berlin Neukölln zum Gespräch über gescheiterte Album-Versuche, die Schattenseiten von Instagram, popkulturelle Referenzen von Avicii bis Katy Perry, Angst und das Frauenbild in HipHop-Videos. 

Thees Uhlmann im großen Interview mit Daniela: Neues Album, Angst & HipHop

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Eine ganze Pandemie, ein gemeinsames Live-Album mit den Toten Hosen sowie einen wunderbaren Gastauftritt in unserem gemeinsamen Podcast mit Zugezogen Maskulin „Zum Dorfkrug“ später, ist nun die Zeit reif für neue Musik aus dem Hause Uhlmann. „Club 27“ heißt die brandneue Single des Niedersachsen und erzählt – wie könnte es anders sein – von der sagenumwobenen prominenten Gruppe an Musiker:innen, die wegen ihres exzessiven Lebensstils ihren 28. Geburtstag nicht mehr erlebten. Jim Morrison, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Brian Jones, Amy Winehouse – sie alle gehören unter anderem zu den bekanntesten Mitgliedern des Clubs, doch vor allem eine Musikgröße prägte den Mythos um die Gruppierung: Kurt Cobain, der sich genau heute vor 27 Jahren und im Alter von 27 Jahren erschoss.

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Die Tragik um den Club 27 sowie ihr Aufenthalt im legendären Hotel Sunset Marquis in Los Angeles, in dem Dave Gahan im Alter von 34 Jahren einen zweiminütigen Herzstillstand erlitt, inspirierte Musiker Robin Grubert und Popliterat Benjamin von Stuckrad-Barre dazu, sich mit der Thematik genauer auseinanderzusetzen und einen Song darüber zu schreiben, wie es ist, wenn man nicht hineinkommt in diesen Club, weil man überlebt hat – denn „da kommst du nur rein / wenn du zu früh gehst“.

Zum Leben erweckt werden die zum Teil sehr bedrückenden, poetischen, aber auch unverblümt ehrlichen Songzeilen von Thees Uhlmann, der mit einer geschmackvollen Kombination aus „heiterer Traurigkeit“ dem Song seinen poppigen Charme verleiht, die Ernsthaftigkeit des Themas jedoch nicht überschattet. „Manchmal dachte ich, jetzt ist bald Schluss / Und dann sitze ich im letzten Bus / Zum Club 27 / in die Bar, die niemals schläft / In die Jukebox wirft man Träume / und der ganze Laden schwebt“.


Weitere Hintergrundinformationen und Zitate zu „Club 27“ findet ihr unter dem letzten Instagram-Post von Thees Uhlmann sowie auf der Facebook-Seite vom Grand Hotel van Cleef.