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„Dancing with the Devil“ ist Demi Lovatos persönlichster Einblick in ihre Überdosis

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Tagged: demi lovato

Ein Schmetterling. Er gilt als eine Metapher der Zustandsveränderung und kann vielseitig interpretiert werden. Mit einem Neustart verbindet Demi Lovato nun dieses Motiv und schmückt sich mit den bunten Flügeln. Von der Raupe zum Kokon hin zur Wandlung. Die junge Popmusikerin verlässt mit dem neuen Album und der Dokumentation nicht nur ihre Komfortzone, sondern auch den dunklen Schrank und arbeitet an ihrer Vergangenheit und Zukunft inmitten der Öffentlichkeit.

Zwischen Schönheitswettbewerben und Kinderstars wächst Demi Lovato als Disney-Berühmtheit auf und auch wenn jede:r am Ende des Tages ein Päckchen zu tragen hat, kommen als Person des öffentlichen Lebens noch einige Faktoren hinzu. Konkurrenz, Erfolgsdruck, die Erwartungen der Fans und den Druck, eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, sind nur ein kleiner Auszug davon. Schon 2017 gab Demi Lovato durch eine Dokumentation einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben, geprägt von Drogenkonsum und essgestörtem Verhalten und mentaler Gesundheit abseits der Showbühnen, welche auch im Folgejahr weitergeführt hätte werden sollen, doch alles kam ganz anders. 

Eine vierteilige Dokumentationsreihe

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Die neue vierteilige YouTube Original Videoserie „Dancing with the Devil“ knüpft an der verworfenen Dokumentation an und zeichnet das Bild einer facettenreichen jungen Künstlerin. In den letzten drei Jahren ist nämlich viel passiert rund um Demi Lovato, allen voran ihre Überdosis im Juli 2018. Diese Tragödie nimmt den Höhepunkt in der Dokumentation und gleichzeitig auch einen einschneidenden Wendepunkt in ihrem noch jungen Leben ein. Eindrucksvoll erzählt sie (neben Freund:Innen, ihrer Familie, beteiligten Ärzt:innen oder ihrem Team) von den Erlebnissen der letzten Jahre und zeigt, dass Einzelentscheidungen auch immer Auswirkungen auf das Umfeld haben. Ungeschönt wird über die Überdosis, den Drogenkonsum, selbstverletzendes Verhalten, Essstörung und sexuellen Missbrauch erzählt, genauso wie die Fehldiagnose Bipolarität, die eigene Queerness, MeToo-Momente und die Auflösung ihrer Verlobung. Es ist eine Reise durch die Vergangenheit und der metaphorische Aufschlag des nächsten Kapitels. Demi Lovato zeigt ihren Weg zur neuen Selbstfindung und dem Ausbrechen aus alten Konventionen. 

„Dancing With The Devil…The Art of Starting Over”

Während die Dokumentation sich auf ihre Vergangenheit konzertiert, ist ihr dazugehöriges Album „Dancing With The Devil…The Art of Starting Over“ wesentlich zukunftsgerichteter. Der Longplayer mit 19 Anspielstationen ist zweigeteilt, sodass die ersten drei Songs einen Vorspann bilden, der sich mit dem wortwörtlichen Tanz mit dem Teufel und ihrer beinahe Mitgliedschaft im Club der 27 beschäftigt. Danach wechseln die düster-traurigen Töne jedoch in fröhliche lebensbejahende Pophymnen mit hellen Harmonien im reduzierten Soundgewand. Die Essenz steckt im ehrlichen Songwriting, welches ohne jegliche Dechiffrierung auskommt und von der Dokumentation bebildert wird. Das Album kann als Soundtrack der Videoreihe gesehen werden, aber genauso auch als eine eigenständige Erzählung ihrer Geschichte. 

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Wenn 2018 ihr bisheriger Tiefpunkt war, durchlebte Demi 2020 eine Heilungsphase. Die Pandemie als Entschleunigung und als rettender Pausenknopf mit zahlreichen Erkenntnissen, an dem sie nun ihre Fans teilhaben lässt. Während zu Beginn die Dokumentation eher das Bild einer Rechtfertigung für die Geschehnisse der letzten Jahre vermittelt wird, öffnet sich diese Sichtweise gegen Ende einem viel größeren Verständnis hin. Es ist ein Befreiungsschlag. Durch die schonungslose Erzählung nimmt sich Demi die Last des perfekten Vorbildes von den Schultern und zeigt ihren Fans ihre menschliche Fehlbarkeit. Dabei beansprucht sie ihr eigenes Narrativ, wie beispielsweise zuvor schon Paris Hilton oder Justin Bieber und überlässt das Framing nicht den Medien. Trotzdem startet sie den Versuch einer Objektivität und lässt auch Stimmen wie Elton John zu Wort kommen. 

Der Satz „Das Leben schreibt die tragischsten Geschichten“ klingt zwar sehr plakativ, doch er enthält – wie man sieht – einen sehr wahren Kern. Aus der endlichen Sinuskurve des Lebens geht Demi Lovato gestärkt heraus hervor und zeigt ihr neues Selbstbewusstsein. Am Ende wird vor allem eines klar Sie scheint aufgeklärter und weniger naiv mit ihren Schicksalen umzugehen – ihr Motto: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Doch am Ende beschäftigen sie beide Dinge, denn als Resultat der letzten Jahre blieben permanente körperliche Schäden und emotionale Unsicherheiten genauso wie ein fürsorgliches Netz an Menschen in ihrem Umfeld. 

Es hat sich mit der Zeit vieles in ihrem Leben verändert, doch in einer Rolle bleibt sich Demi Lovato treu – als Vorbild, und das macht sie erneut mit ihrem Mut ziemlich eindrucksvoll deutlich.