DIFFUS

Debütsingle im NDW-Gewand: Pavelo & Schnell bringen Dreck in den Pop

Posted in: News

Im deutschen Musik-Untergrund formiert sich gerade eine neue Generation, die auf Genre-Begrifflichkeiten nichts mehr gibt. Eine ganze Welle von jungen Künstler:innen, die ein Nebeneinander von Rap, Techno und Gitarren-Sounds vorleben. Teil dieser losen Bewegung sind auch die Newcomer Boris Schnell und Pavelo Promillo. Zusammen ergeben die beiden Pavelo & Schnell – ein Dreamteam, von dem die Welt noch nichts weiß. Am vergangenen Wochenende hat das Duo im Berliner Humboldthain seine erste Single „Trübes Glas“ premiert und schonmal einen ersten Vorgeschmack gegeben auf alles Weitere gegeben, was sie noch in Petto haben. Wer zu der erlesenen Runde vor Ort gehört hat, durfte also schon in ein ganzes Album zwischen Electronica, Synth-Pop und verspulten Hip-Hop-Sounds hinein schnuppern, wobei die Debütsingle „Trübes Glas“ ihrem Titel gerecht wird und mit NDW-Tristesse den Ton vorgibt.

https://www.youtube.com/watch?v=nkJrz1xRS0M

Low-Budget, aber große Kunst

Das erste, was die hiesige Musik-Landschaft von Pavelo & Schnell zu hören bekommt, ist ein wummerndes Four-To-The-Floor aus der Drum Machine. Die Kamera bahnt sich im Musikvideo ihren Weg durch ein vollgestelltes Zimmer und findet Boris Schnell, die Stimme des Projekts. Seinen gekonnt lethargischen Gesang gab es bereits im vergangenen Jahr auf einer Solo-EP zu hören, nun bildet er einen spannenden Kontrast zum peitschenden New-Wave-Beat.

Anzeige

Die Szenerie ist in blasses Licht getränkt, getrübt durch die Fenster, die dem Duo den Songtitel und die Einstiegsline spendieren. Die gezeigte Wohnung scheint Boris’ eigene zu sein und überhaupt besticht die Nummer vor allem mit ihrer Authentizität. „Ich hab’ kleines Geld und große Wünsche“, lässt Boris in der Hook Mantra-artig verlauten, bevor er sich bittersüßer Gitarren-Melancholie hingibt und zu Pavelo Promillo ins Auto steigt. Die CD-Auswahl stammt aus den 2000ern, genauso wie der ramschige Camcorder, mit dem die beiden kurz darauf in einem gelandeten Heißluftballon herumtollen – ein Anblick, auf den jedes Spielkind neidisch wäre. Alles davon schreit nach Low-Budget, aber großer Kunst, zwei Newcomer mit wenigen Cents in der Tasche, aber Ambitionen die Auftrieb geben für eine luftig-leichte Zukunft aus Vogelperspektive.