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Dieser eine Song: Loyle Carner – Ottolenghi

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Der im Süden Londons geborene Benjamin Coyle-Larner hatte schon früh mit einer Leserechtschreibschwäche und ADHS zu kämpfen. Sein Wunsch Schauspieler zu werden schein nach Theaterproben im Kindesalter gar nicht unrealistisch zu sein. Bereits als Teenager ergatterte Loyle Carner eine kleine Nebenrolle im Blockbuster „10.000 B.C.“, das Schauspielstudium an einer Londoner Schauspielschule schmiss er jedoch hin, als 2014 sein Stiefvater überraschend stirbt. Um den Tod verarbeiten zu können wendet sich der erst 18-jährige Benjamin mehr der Musik zu.

Für seinen Künstlernamen stellt er sich seiner Leserechtschreibschwäche und vertauscht die Anfangsbuchstaben seines Nachnamens: Aus Coyle-Larner wird Loyle Carner. Nach ein paar Demo-Aufnahmen und Beziehungen zu den irischen Musikern King Krule und Rejjie Snow bekommt Loyle Carner die Möglichkeit als Support-Act von niemand geringerem als MF DOOM aufzutreten. Die EP „A Little Late“ stellt Carners erste offizielle Veröffentlichung dar, welche ihn sogar bis ins Vorprogramm der US-Rapper Nas und Joey Bada$$ bringt.

Loyle Carner – Ain’t Nothing Changed

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Nach Veröffentlichung des Songs „Tierney Terrace“ wurde Carner Ende 2015 dann erstmals bei AMF unter Vertrag genommen. 2017 erscheint mit „Yesterday’s Gone“ Loyle Carners Debüt-Album, das nicht nur für verschiedene Preise nominiert wird, sondern im britischen Magazin „The Independant“ sogar den Titel „Album des Jahres“ zugeschrieben bekommt. Carners Musik wird als das „sensible Gesicht des Grimes“ bezeichnet, was ihn selbst aber nur zum Lachen bringt.

Skepta und Konsorten haben ihn laut Eigenaussage geprägt, genauso wie David Bowie und Lennard Cohen. Dass Loyle Carner in seinen Songs allerdings vom Leben, seiner Familie und seinen Ängsten erzählt statt von Statussymbolen kommt nicht von ungefähr: „Ich bekam von klein auf eingetrichtert, dass Musik eine Story braucht„, so der inzwischen 26-jährige. Rap ist für Loyle Carner eine Art Safespace geworden, in welchem er seine Ängste und Gefühle verarbeiten kann und dadurch Kontakt zu Gleichgesinnten findet. Zwei Jahre nach seinem hochgelobten Debüt-Album stand 2019 mit „Not Waving, But Drowning“ das Nachfolgewerk in den Startlöchern, welches die Kritiker:innen erneut mit warmem Boom-Bap-Sound zu überzeugen wusste.

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Loyle Carner – Ottolenghi

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Neben Rap und Schauspiel, ist es vor allem das ADHS, das Loyle Carner schon sein Leben lang begleitet. Ritalin und andere Medikamente halfen dem Briten nur bedingt. Durch das Rappen konnte er Dinge besser verarbeiten, doch was sein ADHS am ehesten therapieren konnte, war das Kochen. Einer seiner engsten Freunde ist seitdem der israelische Koch Yotam Ottolenghi. Mit ihm gemeinsam gründete Loyle Carner eine Kochschule für Kinder mit ADHS unter dem Namen „Chilli con Carner“.

Auf seinem Album „Not Waving, But Drowning“ widmet er seinem Freund Yotam Ottolenghi den Song „Ottolenghi“. Gemeinsam mit dem Sänger und Produzenten Jordan Rakei erschuf Loyle Carner mit „Ottolenghi“ einen Song in entspanntem Oldschool-Sound. Thematisch erzählt der Song eine Zugfahrt die Loyle Carner gemeinsam mit seiner Familie erlebt, während diese ihn dazu befragt, welches Buch er gerade lese. Alle tippen auf die Bibel, doch eigentlich ist es das Kochbuch „Jerusalem“ seines Freundes Yotam Ottolenghi.

Der Song steht sinnbildlich für das Schaffen des britischen Musikers. Die Mischung aus autobiographischen Texten, seichtem Flow und Jazz/Blueshaltiger Soundkulisse macht aus Loyle Carner einen entspannten Gegenpart zum harten Grime-Rap. Im analog gehaltenen Video sitzt Carner im beschriebenen Zugabteil mit seiner Familie, ehe er einschläft und sich eine Traumebene öffnet, in der zunächst Feature-Gast Jordan Rakei, später auch Yotam Ottolenghi selbst zu sehen sind.