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Empfehlung des Tages: Paula Paula – Digitale Augen

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Wer schon einmal eine Fernbeziehung geführt hat, kennt die Probleme, die eine Liebe auf Distanz mit sich bringt: Verschiedene Tagesabläufe und Lebenswelten, Kommunikationsschwierigkeiten, passiv-aggressives Rumzicken, weil sich die Chat-Nachricht komisch gelesen hat. Und nicht zuletzt bleibt unvermeidlich auch die körperliche Liebe auf der Strecke. Über die unbeholfenen Versuche, sich auch bei einem Videocall irgendwie nahe zu kommen, singt Paula Paula in ihrem neuen Song „Digitale Augen“.

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Paula Paula ist dabei keineswegs das unbeschriebene Blatt, dass ihre zwei-Songs-starke Spotify-Diskographie vermuten lässt. Denn unter ihrem bürgerlichen Namen Marlène hat die Musikerin aus Berlin-Neukölln bereits in der Vergangenheit mit Szenelieblingen wie Gisbert zu Knyphausen und Moses Schneider Songs gemacht und Bühnen geteilt. Auf die Lyrik-lastige Singer-Songwriter-Musik, die als Marlène erschien, folgt nun als Paula Paula nach eigener Aussage „Indiepopcorn aus Neukölln“. Die erste Single war dabei gleich ein Aufruf zum Moshen und Pogen was das Zeug hält: „Kaputtes Gerät“ mischt treibenden Punk-Rock mit eierndem Auto-Tune – eine kuriose Fusion, die aber tatsächlich aufgeht.

Wenn der Bildschirm die Liebe verschluckt

Der Nachfolger zum Debüt heißt „Digitale Augen“ und schlägt deutlich sanftere Töne an. Dabei geht es durchaus um eine sehr unbequeme Sache: Liebe und Sexualität auf Distanz – genauer gesagt: Durch den Bildschirm. „Die Verbindung ist beschissen, wie soll mein Tastsinn Pheromone in meinem Stammhirn produzieren, wenn es nur kalte, glatte Flächen sind, die meine Finger berühren“, singt Marlène und beschwört damit ein Szenario herauf, dass vielen wohl spätestens seit Pandemie und Isolation bekannt vorkommt. Wie zur Hölle flirtet man in einem Skype-Call?? Aber Paula Paula gibt nicht auf, singt sich Strophe für Strophe von Rotwein zu aufreizenden Looks, immer im Versuch, den Funken zu entzünden, der in persona im Handumdrehen auflodert. Die Lösung stellt sich am Ende erst mit dem nächsten Treffen ein: Aus „Digitalen Augen“ werden analoge und die fünf Sinne haben wieder etwas echtes zu erfassen. Ende gut, alles gut – und gleichzeitig erst der Anfang für Paula Paula.

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