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„Fußball Ja – WM Nein“: AnnenMayKantereit widmen „Kein Stern“ dem Bolzplatz statt dem Stadion

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Am Sonntag ist der Anstoß der wohl kontroversesten WM aller Zeiten. Katar als Schauplatz spaltet die Fußball-Fans weltweit in zwei Lager: Angucken und damit unweigerlich unterstützen oder konsequent boykottieren. Auch AnnenMayKantereit sagen schweren Herzens „Nein“ zur WM. Der Fußball, in den sich die drei Kölner verliebt haben, ist ein anderer als der, der ab Sonntag in Katar gespielt wird. Einer der auf dem Ascheplatz statt findet, mit aufgeschürften Knien, ohne eine korrupte Multi-Milliarden-Industrie und Ausbeutung unter menschenverachtenden Umständen. Diesem Fußball widmet die Band ihren neuen Song „Kein Stern“.

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„Fußball-verrückt sein tut grade ziemlich weh“

„Fußball Ja – WM Nein. Kein Sport bedeutet mir mehr als Fußball. Aber mit so einer WM will ich nichts am Hut haben. Ich will gar nicht viel dazu sagen. Ich freu mich über alle, die mich verstehen. Die es vielleicht ähnlich fühlen. Fußball-verrückt sein tut grade ziemlich weh.“ Das schreibt Henning May auf Instagram und spricht damit aus, was viele gerade gut nachvollziehen können. Denn die Weltmeisterschaft in Katar war schon Gesprächsthema lange vor dem Anpfiff des ersten Spiels. Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe, die menschenunwürdigen Arbeitsbestimmungen bei den Vorbereitungen, die klimatischen Bedingungen und so weiter und so fort. Der Absatz „Kritik“ im Wikipedia-Artikel hat ganze 11 Unterpunkte.

Ein Lied als Trostpflaster

Auch die Kölner Band AnnenMayKantereit steht der WM kritisch gegenüber, lässt sich aber durch die Kontroverse den Fußball nicht vermiesen – denn der ist größer als ein einzelnes Sportereignis. „Dieses Lied ist mein Trostpflaster“ schreibt Henning May über den neuen Song der Band. „Kein Stern“ ist keine WM-Hymne, aber eine Fußball-Hymne. Henning singt über Dreck in der aufgeschürften Haut, die Schmach beim Eigentor, den sehnsüchtigen Blick auf das Spielfeld von der Auswechsel-Bank. Bilder, die jede:r kennt, der/die schonmal gekickt hat und die im Refrain zusammengeführt werden: „Es gibt kein’ Stern, der so leuchtet / Wie das Flutlicht über’m Ascheplatz / Und was das alles mir bedeutet / Merk ich immer erst, wenn’s mich verlassen hat“. Zeilen, die gerade im Hinblick auf die WM eine doppelte Bedeutung mit sich tragen. Also lieber zurück schauen statt nach Katar, auf eine Zeit, in der man selbst jünger war und auch der Fußball irgendwie reiner und unbefleckter schien: „Viele geh’n in Museen / Um vor Gemälden zu stehen / Und andere schauen lieber zu / Wenn jemand zaubert, so wie Zizou“.

„Kein Stern“ ist nach „Ausgehen“, „3 Tage am Meer“ und „Es ist Abend“ eine weitere Single für das vierte Album von AnnenMayKantereit, das am 03. März erscheinen soll.