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Hard In Here – mit Conjurer, Hulder und Bad Breeding

Posted in: Hard in Here

Conjurer – Páthos

Als Conjurer 2018 ihr Debütalbum „Mire“ veröffentlichten, wurden sie mit ihrer düsteren, atmosphärischen Mischung aus Sludge, Hardcore, Black und Death Metal schnell als die neue Hoffnung des modernen Metal gehandelt – und es war doch recht erfrischend, dass dieser Titel mal nicht einer durchgestylten, glattpolierten Internetsensation verliehen wurde, sondern ein paar ziemlich unscheinbaren Lads aus der englischen Provinz, die sich über Jahre ihren Ruf live erspielt hatten. Vor lauter Hype brauchten die Jungs zwar stolze vier Jahre, um ihr zweites Album nachzulegen, doch jegliche Erwartungen, die sich in dieser Zeit eventuell aufgebaut haben, werden (zumindest für mich) voll erfüllt.

In unserem letzten Interview erklärte Sänger und Gitarrist Brady Deeprose, dass Conjurer Einflüsse aus der Roadburn-Szene in Songs übersetzen wollten, die auf der Mainstage beim Summer Breeze gespielt werden könnten – und wenn man sich etwa einen Track wie „Rot“ anhört, weiß man genau, was er meint: Die Briten haben sich hier ganz klar ein paar Moves aus dem Playbook avantgardistischer Extreme-Metal-Bands wie Imperial Triumphant abgeschaut, und das steht ihnen außerordentlich gut. Melancholische Melodien und Momente der Stille treffen auf klug gesetzte Dissonanzen und ungerade Rhythmen. So kreieren Conjurer ein Album, das gleichermaßen hymnisch und catchy wie herausfordernd ist.

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Hulder – The Eternal Fanfare

Mein liebstes Ein-Frau-Black-Metal-Projekt ist mit einer neuen EP zurück! (Als ob es da viel Auswahl gäbe.) Zugegeben: Lang war sie nicht weg, Hulders erstes Studioalbum „Godslastering: Hymns Of A Forlorn Peasantry“ erschien erst im vergangenen Jahr. Natürlich gibt es auch auf „The Eternal Fanfare“ den Trademark-Hulder-Sound alias „Dark Medieval Black Metal“, der mysteriös-mittelalterliche Klänge und Ästhetik mit richtig garstigem Geschrammel und Gekeife verbindet – das jedoch genau im richtigen Maß, damit es nicht peinlich, sondern einfach episch und metal as fuck wirkt.

Seit ihrem ersten Hulder-Release 2018 hat die belgisch-amerikanische Musikerin Marz Osborne beständig großartige Demos, Songs und EPs veröffentlicht, die zumindest in mir persönlich den Wunsch wecken, mit der Streitaxt ein paar Faschos und Pro-Lifer zu jagen. Umso besser, dass die Musikerin sich nach einem Release anscheinend vom mehr als zweifelhaften Label Iron Bonehead getrennt hat – die wenigen Musikerinnen, die für uns Frauen die Black-Metal-Fahne hochhalten, möchte ich wirklich ungern im Grauzonen-Sumpf verlieren.

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Bad Breeding – Human Capital

Die Geschichte des Punkrock ist unzertrennlich verbunden mit der Geschichte der frustrierten, desillusionierten Arbeiter:innenklasse des Vereinigten Königreichs. Schaut man mal an den Poster Boys der Sex Pistols vorbei, entdeckt man hier wegweisende englische Anarcho-Punk-Bands wie Crass und Rudimentary Peni, die in den Siebzigern und Achtzigern ihrer Generation und Klasse eine Stimme gaben. Bad Breeding treten in genau diese Fußstapfen: Ihr viertes Album „Human Capital“ ist nicht nur ein musikalischer Wirbelsturm, sondern ein politischer und gesellschaftlicher Aufschrei der britischen Working Class.

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Mit sich überschlagenden Stimmen vor einem Klangvorhang aus schrammelnden Gitarren und stoischen Beats schildern Bad Breeding Szenen der neoliberalen kapitalistischen Leistungsgesellschaft, in der der Mensch als Ware gewertet und ausgebeutet wird – „Human Capital“, eben. Das ungestüme, unpolierte Album ist jedoch kein nihilistischer Abgesang auf unsere Welt, keine Rebellion um der Rebellion Willen und kein leeres Virtue Signaling (looking at you, Idles): Es ist ein Schrei nach Solidarität und Gemeinschaft unter den Unterdrückten, verdeutlicht im mit dem Album veröffentlichten „Atoms“-Manifest.

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Wargasm – Fukstar

So klingt Punk im Jahr 2022: Benannt nach einem Song der Grunge-Riot-Grrrls L7 machen Wargasm kein Geheimnis um ihre Einflüsse und Ansichten. Das Duo lässt sich am ehesten in der Chaos-Zone zwischen Electro Punk und Nu Metal verorten, ungeachtet aller Genres würde ich aber einfach sagen: Klingt nach einer wilden Verfolgungsjagd auf der Autobahn, Explosionen links und rechts, der Kofferraum voll Drogen/Geld/Dynamit/was auch immer man in Actionfilmen so im Kofferraum hat.

Insofern also: Anschnallen! Die aktuelle Wargasm-Single „Fukstar“, ein weiterer Vorbote des (hoffentlich) bald erscheinenden Debütalbums „Explicit: The Mixxxtape – 2022“, ist der Soundtrack eines explodierenden Moshpits, der politische und religiöse Herrschaftsklassen zum Sturz bringen soll.

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Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.