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Hard In Here – mit Imperial Triumphant, Mantar und Wake

Posted in: Hard in Here

Imperial Triumphant – Spirit Of Ecstasy

Von außen wird die Metal-Szene ja gerne einfach mit lauten Gitarren und Geschrei gleichgesetzt. Stimmt auch ein Stück weit, aber man sollte nie unterschätzen, wie divers es (zumindest musikalisch) im Metal zugeht. Die Geschmäcker sind verschieden und absolute Konsens-Bands abseits der Klassiker doch eher selten. Umso überraschender ist es, dass Imperial Triumphant zu einem dieser Acts geworden sind, den alle feiern oder doch zumindest respektieren – trotz oder gerade weil das Trio so verdammt speziell und auf mehreren Ebenen extrem ist.

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Man kann Imperial Triumphant getrost als Konzeptband bezeichnen: Ihre Ästhetik ist getränkt in Film-noir- und Art-déco-Elemente; wir werden zurückversetzt in den Hustle and Bustle des wilden New Yorks der Goldenen Zwanziger, als der Great Crash und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs bereits bedrohlich über der Millionen-Metropole hängen. Musikalisch übersetzt die Band Exzess und Hybris, indem sie eine Skyline aus Extreme Metal und Jazz auftürmt, die jederzeit zu kollabieren droht wie die Welt, in der sie existiert. Und das Krasseste: Das wird auch mit Album Nummer fünf nicht langweilig. Auf „Spirit Of Ecstasy“ klingen Imperial Triumphant abstrakter als je zuvor und verabschieden sich zunehmend von etablierten Songstrukturen. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich den Vorgänger „Alphaville“ auf weiten Strecken nicht etwas zugänglicher fand, aber wer will hier schon Zugänglichkeit?

Die Liste der Gastmusiker:innen aus Metal und Jazz ist übrigens gefühlt drei Mal so lang wie die Tracklist. Ob’s das unbedingt gebraucht hätte, stelle ich mal zur Diskussion, zur fast schon absurden Opulenz der Band passt es aber doch ganz gut.

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Mantar – Pain Is Forever And This Is The End

Seit zehn Jahren feiern Mantar, wie sie es gerne beschreiben, die „Freude am Kaputtmachen“ – und ich feiere euphorisch mit. Wie geradlinig und kompromisslos das Duo vor allem seine ersten beiden Alben „Death By Burning“ und „Ode To The Flame“ der deutschen Metal-Szene vor die Füße gerotzt hat, war ziemlich beeindruckend und, ich möchte fast sagen: charmant. Ganz zu schweigen davon, dass sie mit „Era Borealis“ mal eben eine der größten modernen Metalhymnen der jüngeren Vergangenheit rausgehauen haben. Da gab es keine Gimmicks, keine großen Spielereien, sondern einfach ungebremst vors Brett.

Aber auch so eine No-Bullshit-Band wie Mantar entwickelt sich früher oder später mal weiter, und wer ihnen das missgönnt, soll halt einfach weiter alte Motörhead-Platten hören. „Pain Is Forever…“ traut sich von aufwändiger Produktion bis hin zu Clean Vocals einiges mehr als seine Vorgänger – ohne sich dabei jemals anzubiedern. Nicht jedes Experiment ist der große Wurf, der Mut zur Zugänglichkeit ist aber vielleicht mehr Rebellion als ein viertes Frontal-auf-die-Fresse-Album je hätte sein können und setzt nochmal ein Ausrufezeichen hinter die Aussage, dass Mantar mit beschränktem Szenedenken und ungeschriebenen Genre-Regeln mal so gar nichts anfangen können und wollen.

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Wake – Thought Form Descent

Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Bereits 2009 gegründet, haben sich Wake zu Beginn ihrer Karriere im Grindcore ausgetobt, was für mich meist maximal einen Song lang spannend ist, also etwa eine Minute. Mit ihren letzten beiden Alben „Misery Rites“ und „Devouring Ruin“ haben sich die Kanadier jedoch zunehmend in die Blackened-Death-Richtung bewegt – und da wird es spannend für mich.

Das neue Album „Thought Form Descend“ ist der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung. Die vielschichtigen Songs klingen einfach groß und stecken voller musikalischer Ideen, die trotz ihrer Intensität im Ganzen merkwürdig beruhigend wirken. Ich möchte nicht behaupten, dass man Stücke dieses Kalibers nicht schon an anderer Stelle gehört hätte, doch zu beobachten, wie sich eine Band von allen Vorgaben und Annahmen freimacht, wie sie zu klingen hat, ist immer wieder beeindruckend. Und dass dabei dann so ein mächtiges Album rauskommt, ist alles andere als selbstverständlich.

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R.I.P. Mariusz Lewandowski

Leider ist diese Kolumnenausgabe eine der (hoffentlich) wenigen, in der ich nicht nur starke Releases abfeiere, sondern auch traurige News nicht unerwähnt lassen möchte: Am 16. Juli ist der polnische Künstler Mariusz Lewandowski überraschend im Alter von 61 Jahren verstorben. Lewandowskis surrealistische, (alb-)traumhafte Gemälde zieren zahlreiche mitunter sehr gute Metal-Alben, am bekanntesten ist wohl sein „Mirror Reaper“-Artwork für das Funeral-Doom-Duo Bell Witch.

Sein unverkennbarer Stil, der nicht selten an die Arbeit von Zdzisław Beksiński erinnerte, eröffnete mit mystischer Grandeur Pforten zu anderen Sphären. Religiöse Symbolik fand dabei genauso Platz wie Sci-fi-Einflüsse – der Fantasie waren in seinen weitflächigen Werken keine Grenzen gesetzt. Durch Lewandowskis Kooperation mit Bell Witch 2017 wurde er in der Metal-Szene bekannt und schuf in den vergangenen fünf Jahren über zwei Dutzend Album-Artworks, unter anderem für Mizmor, Fuming Mouth und zuletzt die Deathgrind-Band Morgue Supplier.

Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.